Willkommen im Kreis der Junggreise

70 jährig, November 1997

 

Wie alt ich werde, ist im Grunde genommen für mich selbst nicht so wichtig. Wichtig ist nur, dass ich voller Optimismus bleibe und meine Zukunftshoffnung, auch die über den Tod hinaus, nicht aufgebe. Denn der Mensch ist auf Zukunft hin geschaffen. Wenn man danach lebt und denkt, zählt man nicht zur Manipulationsmasse für die geschäftstüchtigen Meinungsmacher und auch nicht für die Miesmacher, die mit verengtem, laserstrahlartigem Blick zukunftsdüstere Horrorszenarien über die Medien verbreiten, die den auf positive Entwicklungen und Denkweisen hinarbeitenden Zeitgenossen bis zur Mutlosigkeit frustrieren sollen. Also, gehe ich nicht darauf ein und bleibe im guten Sinne konservativ.

Bedenken wir: Es gibt eine Wirklichkeit, die unabhängig von unserem Denken aus sich besteht.

Es kommt nicht auf die Länge des Lebens an; was zählt ist, ob wir dem Leben genug Sinn und Wert geben.

In diesem Sinne begehe ich am 05. November 1997 die Vollendung meines 70. Lebensjahres und feiere dieses  unumstößliche Ereignis am 08. November im Kreise meiner nächsten Verwandten und Freunde im Kolpinghaus International in Köln nach dem Motto:

 



Da es mir leider nicht gelungen ist, noch länger in den 60er Jahren meines Lebens zu verweilen, habe ich am 05. November 1997 das 70. Lebensjahr notgedrungen vollendet und möchte die Überschreitung der Grenze zu den 70igern am 08. November in Eurem Kreise gebührend feiern, denn an einer Altersgrenze soll man nicht mit den Lebensjahren schmuggeln. Das kann man getrost den nie alternden Frauen überlassen.

 

Das erinnert mich übrigens an eine Dame, die ihrer Freundin gegenüber bekennt: „Ich bin jetzt in die 30iger Jahre geraten und da bekommt mich kein Mensch mehr raus.“

Dann äußere ich in meiner Einladung noch die Bitte:

 

„........gute Laune und Hunger mitzubringen. Gegen das Vortragen von einigen Schwänken aus meinem Leben, und seien sie noch so niederschmetternd, habe ich auch nichts einzuwenden.“ Usw.

 

Und was mich auch freut: Die Kollegen aus Dresden, Leipzig und Schwerin haben mich nicht vergessen!

 



Veri Siebzig Jahre alt. Aber wo sind meine Töchter und Enkelinnen? Die findet Ihr auf der Seite "Familie".

Veri 80-jährig, 05. November 2007

Veri vollendet das 80. Lebensjahr (05.11.2007)

 

Poetischer Glückwunsch von Gerda Dreiser

 

20 x 4, drum sind wir hier,

schmausen, nein tafeln, bei Wein und Bier.

160: 2, toll, Du bist noch dabei.

800: 10, wir werden noch nicht gehen.

10 x 8, nun gib mal schön Acht,

da kommt so vieles in Betracht.

 

Was ich Dir zu sagen habe,

heut auf Deine alten Tage.

Alte Tage, was sag ich, das kann nicht sein.

Dein Blick noch so offen, klar und rein.

Dein forscher Gang, behände und munter,

kommst jede Treppe und Berg rauf und runter,

ohne Krücke, Behelfsmaterial,

Mann, was bist Du heut noch vital.

 

Hast beim Tanz den Kick aus der Hüfte noch drauf,

durchquerst den Saal noch im flotten Lauf.

Nicht nur physisch gehörst zu den Wunderknaben,

nein, an Deinem Verstand konnt’ sich mancher schon laben.

Du weißt das Leben gut anzupacken,

mit einem tüchtigen Schalk im Nacken.

Mancher sucht danach vergebens.

Humor ist nun mal die Würze des Lebens.

 

Du warst erfolgreich als Papa, Opa, im Beruf,

selbst unter die Denker folgst Du dem Ruf.

Unsterblich bist für alle Zeiten,

auch in der Zeitung füllst Du ab und zu die Seiten.

Mal kritisch  zeigst Du auf die Wunde.

Und machst von Deinem Wissen Kunde.

Er hat oft Recht und wo er Recht hat, hat er Recht.

Da gibt’s kein Zweifel, denn er kommt aus der Eifel.

 

Zu Aschermittwoch pünktlich erschienen die Zeilen,

da möchte ich doch genussvoll ein wenig verweilen:

„Bitte glauben Sie’s mir“, so stand da geschrieben.

Was ist von diesem Abstinenztag übrig geblieben?

Ich zitiere Dich:

„Nur Mädchen aus dem Fischgeschäft wurden von mir geküsst“

(Man beachte, nicht nur eins…Plural)

Hast Du es anschließend auch reumütig gebüßt?

 

Gott sei Dank hast Du diese Duftnote nicht gespeichert

Und das weitere Leben durch Lustbarkeiten bereichert.

Aber eines ist doch wirklich klar:

Was nützt dieses ganze Vokabular?

 

Wichtig ist doch nur eines im Leben:

Den Menschen Freude ins Herz zu geben.

Also kurz gesagt, denn das macht es aus:

Zum Geburtstag bitte viel Applaus!

Viel Glück und auch viel Lebensmut.

Das ist doch wichtig- absolut –

 

Viele Jahre noch voll Zufriedenheit,

wünschen wir Dir allezeit.

Die Gesundheit sei Dein Wegbegleiter,

bleib uns erhalten, so verschmitzt und heiter.

In Anlehnung an Deine Jugendzeit,

bist Du hoffentlich bereit.

Ach übrigens: Den Fisch genoss ich hier,

nun möchte ich nen Kuss von Dir….. 

Das Pulvermaar in der Spätwintersonne



Das Pulvermaar in der Spätwintersonne

 Stille Wasser

 

Wälder spiegeln sich in Maaren,           „Meine schönen Spiegelungen

ob noch jung, ob reich an Jahren:        sind mir vornehmlich gelungen,

Herrlich ist das Spiegelbild.                  weil ich tief geh‘ auf den Grund.

 

Beglückend zeigt’s  ein Bild vom Frieden, Oberflächlichkeit und Wogen

der hier der Natur beschieden,              werden dadurch abgebogen;

die von Ruhe ist erfüllt.                        stilles Wasser, sturmgefeit.

 

Solltest du die Stille wählen,            solltest du im Tiefen gründen, 

lasse dir vom Maar erzählen:           wirst du Fried' und Ruhe finden

"Gib mir dein Geheimnis kund!"           vor den Stürmen dieser Zeit."               

           



Selber schuld

 

Zwischen allen Stühlen sitzt

der Mann, der dies geschrieben;

ist beim Verleger abgeblitzt,

weil es zu untertrieben.

 

Ist er nun Deutscher oder nicht?

Egal, er ist veraltet,

weil er zu oft von „Erbe“ spricht,

das Abendland verwaltet.

 

War mal deutsch, mal Keltenclown,

mal unter den Soldaten,

mal hat er auf die draufgehau’n,

die Medien beraten.

 

Er ist nun mal ein blöder Hund,

ein Pincher unter Bären,

nahm viel zu voll den Kläffermund,

das konnt‘ nicht lange währen.

 

Wer heute etwas sagen will,

muss schon an allen Tagen

lieben, morden, ohn‘ Gefühl

Unglaublichkeiten wagen.

 

Obwohl,- auch er hat gut gelebt

und auch ganz hübsch geflirtet,

getanzt, bis dass der Saal gebebt,

hat schöne Frau’n bewirtet.

 

Doch hat er dies hier nicht gesagt,

hat uns nichts preisgegeben.“

„Ihr habt ja nicht danach gefragt!

Und drum verschweigt er’s  eben.“

 

 

 

 

 



Was ich noch sagen (fragen) wollte......

 

Geschwätzigkeit!       

Ach ja, in den Artikel „Am Ende des Zweiten Jahrtausends“ habe ich so viel Geschwätzigkeit hineingelegt, daß ich mich jetzt kaum zu bremsen weiß. Ist Ihnen so was auch schon mal passiert? Warum glaubt man eigentlich, all das sagen zu müssen, was man persönlich als wichtig erachtet? Ganz einfach: Man will sich von einem inneren Druck befreien. Oder, man will eine eigene Unsicherheit durch das Befragen Anderer beseitigen. Formulieren wir es also so! Aber Vorsicht! Vermutlich will ich wieder einmal mehr rechthaberisch sagen als interessiert fragen.

 

Überheblichkeit?           

Im genannten Artikel wies ich auf den abendländischen Menschen hin, als das Ergebnis einer gegenseitigen Befruchtung mehrerer Gedankenwelten im Rahmen einer gewaltigen geistigen Evolution.

Nun hört man in den Medien immer öfter den Vorwurf, die bösen Europäer hätten die schöne Welt der Naturvölker durch ein Überstülpen unserer Kultur böswillig zerstört. Man hätte sie doch in „Menschenzoos“ unterbringen können, zur Erhaltung ihrer Kultur, so wie dies in Nordthailand und in den Indianerreservaten Nordamerikas zur Gaudi der Touristen menschenunwürdig  praktiziert wird. Dann könnten die modernen Touristen z.B. in Mexiko über’n Zaun hinweg zusehen, wie die Azteken ihre Herzentfernungen bei noch lebenden Menschen bewerkstelligten. Diesen Vorwurf brauchen sonderbarerweise die Römer nicht einzustecken, die zuvor uns Bären jagenden Germanen und Kelten zunächst unsere Keulen aus den Händen nahmen und dann ihre kulturellen Werte, wie auch immer, nachhaltig in diese frei gewordenen Hände hineinlegten. Wie können wir uns unterstehen, den uns obliegenden Auftrag zur Weiterführung der geistigen Evolution ernst zu nehmen? (Anmerkung: Dem wirtschaftlichen Unterjochen dieser Völker wird hier nicht das Wort geredet.) Und ist es nicht unsere „kulturelle“ Aufgabe, für die Abschaffung der Frauendiskriminierung in einigen fundamentalislamischen Staaten und der Tötung der unerwünschten Töchter nach der Geburt in einigen indischen Gebieten oder für die Abschaffung des kulturell geduldeten massenhaften Kindesmißbrauchs in Thailand Sorge zu tragen? Nirgendwo sonst gibt es so viele Selbstmorde bei Kindern, wie in diesem letztgenannten Land!

Kulturbanausen?            

Auf der anderen Seite beginnen (beginnen?) einige Beherrscher der Medien unsere Kultur kaputt zu reden. Ich vermute sehr stark, dass sie dies in dem Bewußtsein tun, eine neue höhere Stufe der geistigen Entwicklung einläuten zu müssen. Sie sind dann, wenn meine Vermutung zutrifft, echte Missionare. Das ist eine interessante Feststellung.

Die sich der abendländischen Gedankenwelt noch zugehörig fühlenden Menschen unserer Tage (wie ich)

 

  • dürfen einerseits nicht aktiv sein
  • müssen aber andererseits alles hinnehmen und schlucken (die erwähnten Missionare sitzen zwischen den Spöttern)
  • werden also geistig auf ein leicht händelbares Maß geschrumpft.

 

Um uns für dieses „Erleiden“ reif zu machen, werden die uns allen bekannten Verirrungen des Mittelalters, die wir heute noch Tag für Tag büßend zur Kenntnis zu nehmen haben, bis zur Übelkeit wiederholt und selbst in hierfür ungeeignete Sendungen (zum Beispiel über das Reich der Mogulen in Indien) eingeschleust, während man zum Beispiel die von Rousseau indirekt ausgehenden, zu den Untaten der im Namen der Freiheit führenden unsäglichen Grausamkeiten der französischen Revolution schamhaft verschweigt. Aber das ist eine unzulässige Verkürzung unserer abendländischen geistigen Entwicklung, die bei allen Verirrungen zu allen Zeiten eines aufwies: Eine positive Resultierende. Sie führte irgendwann zum Liberalismus des 19. Jahrhunderts und zu der geistigen Reife, die die heutige Welt geformt hat. Und auch dieser Liberalismus muss überwunden werden, nicht, in dem man ihn zu vernichten trachtet, sondern, indem man ihn sich einverleibt und weiterentwickelt.

 

Aber bei der heute vorherrschenden, gesteuerten Meinungsbildung, der selbst Intellektuelle zu unterliegen scheinen, kommen die Kopfschlächter der Jakobiner, Girondisten, Maratisten, Dantonisten und  Robespierristen während der blutrünstigen Schreckensherrschaft in Frankreich am Ende des 18. Jahrhunderts heute (fast) noch ungeschorener davon, als die Faschisten,  Nationalsozialisten, Stalinisten und Roten Khmeristen und was weiß ich noch für Isten des 20. Jahrhunderts. Eine Ausnahme bildet das laufende Einblenden des Holocaust, ohne seine Wurzeln objektiv zu betrachten. Aber bei diesen wirklich schrecklichen, kaum zu fassenden Bildern schaut ja kaum noch einer hin. Wenn ich aber die Wurzeln untersuchen will, muß ich achtgeben, nicht die falschen Wurzeln von  zufällig in der Nähe stehenden brauchbaren und gesunden Pflanzen als das Übel zu propagieren.

Schmerzhafte Evolution?            

Um jetzt nicht unfair zu werden, versuche ich die Problematik wie folgt anzugehen: In allen Weltanschauungen gab und gibt es Gläubige und Idealisten (die manchmal gefährlicher sind als Pragmatiker) und es gab (und gibt), genau wie im Mittelalter, diejenigen, die ihre eigene Meinung zur absoluten Wahrheit erheben und als Machtmittel politisch instrumentalisieren. Aber aus den Schreckenszeiten des Mittelalters (es gab auch im Mittelalter viele lebenswerte Zeiten) wie auch dem Beginn der Aufklärung sind dann doch wieder positive Entwicklungen  hervorgegangen. Die Evolution des Geistes ist, wie die gesamte Evolution schlechthin, scheinbar nicht ohne Leid und Schmerz denkbar. Leider, leider! So kommt das Böse in die Welt. Nein, ich muß dies als Frage formulieren: Kommt so das Böse in die Welt?  Doch wenn wir nicht der allgegenwärtigen Versuchung unterliegen, das Böse zu personifizieren (die Deutschen, die Juden, die Katholiken, die Sowjets, die Marxisten, die Amerikaner, die Hexen,  usw.), sondern als die „Abwesenheit des Guten“ definieren, ist eine Veränderung des Bösen zum Guten durch friedliche Anstrengungen denkbar und im Bereich des Möglichen. Und dies ließe sich erreichen, ohne das personifizierte Böse durch die körperliche Vernichtung dieser manchmal nur eingebildeten oder bewußt erfundenen „Träger des Bösen“ aus der Welt schaffen zu wollen. Letzteres haben die Nationalsozialisten millionenfach praktiziert, indem es ihnen oblag, zu bestimmen, was und wer vernichtet werden musste. Es waren nicht einzelne „Hexen“, sondern von vorne herein ganze Rassen, Kulturen und Völker.

Eine gewaltige Steigerung gegenüber dem Mittelalter!

Und unter Stalin war es ähnlich, nur nicht rassistisch begründet, sondern als zwingende Maßnahmen erforderlich, um für den Himmel auf Erden in einer schwer zu definierenden fernen Zukunft zu sorgen. Und diese Tatsachen werden  erfolgreich verkleistert.

Den Medien kommt hier eine höhere Aufgabe zu, als die reine Befriedigung von Neugier und Sensationslust der Massen. „Big Brother“ ist hierzu genau so wenig geeignet wie einige „Auslacher“ in Fernsehsendungen. Letzteren möchte ich empfehlen: „ Schlagt mich nicht zu oft und hart auf den Hinterkopf, in dem ihr mir fast täglich glauben machen wollt, durch meine Beständigkeit einer kriminellen kirchlichen Vereinigung anzugehören.“ Ich muß auch einige Fragen an mich selber stellen: Warum hacke ich so verbissen auf diesem Thema herum? Ist es so, dass ich die wieder denkbaren Auswüchse des Radikalismus in Deutschland nicht als Randerscheinungen, sondern als ein Kernproblem zu erkennen glaube? Stimmt also im Kern irgendetwas nicht mit uns?

Blick nach innen          

Aber ich muss, um nicht einseitig zu argumentieren, auch nach der anderen Seite, quasi in meine eigene geistige Stube hineinschauen. Und da möchte ich den Oberhirten meiner Kirche in Deutschland zurufen: „Lesen Sie bitte nach, was der Erzbischof Dom Helder Camara in Südamerika unter dem Titel  Die Bekehrung eines Bischofs u.a. geschrieben hat:

Es ist schrecklich zu sehen, wie inmitten so vieler Leiden die Sorge um die Erhaltung von Autorität und Ordnung uns daran hindert, Ungerechtigkeit zu entdecken und bloßzustellen.“

 

Bleibt nicht gleichgültig angesichts der Probleme, die die Menschen heute bewegen. Ich brauche eine geistige Mutter, die mir Beine macht und kein Kopfzerbrechen! Und zu diesen Beinen gehören festes Schuhwerk und Stiefel, um in die modrigen Sümpfe, versteppten Gebiete und wachsenden Wüsten dieser Erde zu gehen, statt in Hauspantoffeln vom warmen Wohnzimmer aus theoretische und intellektuelle Ratschläge zu geben, die sich ohnehin meist nur im Sinne der Herrschenden auswirken. Ich habe nach der Wiedervereinigung Deutschlands bei meinem Einsatz im Osten selbst erfahren, welch negative Auswirkungen Tele-Ratschläge und Beratungstourismus hervorbringen können.

Voranschreiten!      

Und dann sollte, was ja auch mittlerweile stellenweise praktiziert wird, ein Oberhirte mit seinem Hirtenstab voranschreiten und die wahren Christen hinter sich wissen und sie vor dem permanenten Lächerlichmachen schützen, also nicht zu allen Zumutungen der Medien verlegen schweigen. Bei diesem Wohlverhalten wird ganz übersehen, dass die direkten kirchenamtlichen Untergebenen, mittlerweile wegen Priestermangels für bis zu drei Pfarreien zuständig, resignierend in die Afrikamission zurückgehen oder wegen gescheiterter  Jugendarbeit sich als Reiseleiter für betuchte Pensionäre verstehen und ihre mit diesen Auslaufmodellen (zu denen ich ja selber gehöre) beladenen Busse durch ganz Europa kutschieren. Das ist Resteverwaltung für Auslaufmodelle!

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So, nun nehmt euren Hirtenstab in die Hand und schafft bitte im christlichen Sinne ein Refugium für all die vielen Menschen, für die woanders in dieser Leistungs- und Konsumgesellschaft kein Platz und auch keine Interessenvertretung  mehr vorhanden ist. Die suchenden (auch jungen) Menschen warten darauf. Denn der Kapitalismus in seiner extremen heutigen Ausprägung verhält sich ähnlich wie der Rassismus der Nazis: Der Stärkere soll siegen, der Schwächere soll vom Markt verschwinden. Also wieder ein Sozialdarwinismus? Kaum hat sich in einer Firma so etwas wie Gemeinschaft gebildet, wird diese von den Mechanismen des Kapitalmarktes zerschlagen und viele mittlere bis ältere Jahrgänge stolpern aus diesen Gesellschaftsruinen heraus in  eine Existenzangst oder sogar in die  Dauer--arbeitslosigkeit. Wer aus einem inneren Bedürfnis heraus hetzen möchte, hätte hier ein breites Betätigungsfeld. Also los!

 

Eine letzte Frage          Und nun, da ich ja mehr fragen als sagen wollte, diese eine Frage noch: Wäre Julius Streicher, der ehemalige Herausgeber des NS-Hetzblattes „Der Stürmer“, der nach dem Kriege als „Schreibtischtäter“ eingestuft und von den Siegermächten in Nürnberg zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde, bei der heutigen Rechtsprechung im Sinne der Meinungsfreiheit straffrei? Man darf ja noch fragen!                                                                                                                                             

So, nachdem ich dies gesagt (und gefragt) habe, werde ich hoffentlich abends wieder ohne seelische Schmerzen einschlafen können. Warum rege ich mich eigentlich über solche Banalitäten auf, wo ich doch scheinbar einsam auf weiter Flur stehe und, was dieses Problem betrifft, noch nicht einmal alle „Guten Hirten“ in meiner Nähe sehe, so wie damals bei der geistigen Wehrertüchtigung der Nazis (siehe „Herbst 1943“)?   Mein Gott, reagiere ich empfindlich! Aber ich muß mal wieder persönlich feststellen, dass derjenige, der nach allen Seiten Ausschau hält, keinen Alleinverantwortlichen entdecken kann.

1343 gezählte Köpfe    

Zudem,- wie kann ich die Freiheitskämpfer Frankreichs so gemein verdächtigen. In dieser Zeit der Umwälzungen ist in Paris nach einigen Anlaufschwierigkeiten nicht ein einziger Andersdenkender gehängt (gehenkt) worden und auf der Place de la Revolution (heute Place de la Concorde) und in den Tuillerien, wo das von Guillotin aufgestellte Gerät zur maschinellen Problemlösung in vollem Betrieb war, sammelte man gleich massenweise kluge Köpfe. Um korrekt und genau zu sein: Es waren insgesamt 1343 Stück. Ich habe sie zwar nicht persönlich nachgezählt. Ach, jetzt argumentiere ich wieder unzulässig schlitzohrig, jungejungejung!

Fixieren wir uns da nicht besser weiter ausschließlich auf das Mittelalter? Das ist praktisch und sehr, sehr klug. Wer spricht schon von einer ehrlichen Aufarbeitung der Geschichte? Ja aber,- warum habe ich denn das alles geschrieben?

Warum wohl? Nun, ich habe sehr vorsichtig versucht, nur einiges zu Recht und ins rechte Licht zu rücken. Und dies möglichst nur mit Worten unserer schönen Muttersprache, also ohne das moderne Denglisch (auch Mc Donald Englisch genannt). Aber das ist ein anderes Thema.

 

Habt Ihr’s bemerkt? Wenn ich mit Wut im Bauch schreibe, kommt mein Humor viel zu kurz.

 

 

 



05. November 2007: Ich vollende heute das 80. Lebensjahr

 

 

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Liebe Verwandte und Freunde,

 

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wie ihr vermutlich erstaunt der Vorderseite der Speisekarte entnommen habt, kam ich hier in Schönau im Hause Dorfstraße 70 (damals Dorfstraße 18) auf den Tag genau vor 80 Jahren zur Welt. Es war an einem Samstag und bis heute sind genau 29.209 Tage vergangen. Dieser Zeitraum verrät doch offensichtlich, dass ich inzwischen sämtliche Kinderkrankheiten überwunden habe. Doch mein junges Leben hier in Schönau begann damals ganz anders. Davon später mehr !

 

 

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Nach dem von meiner Enkelin Joyce über den Fernsehsender Bayern 3 erhaltenen Slogan “Dahoam is dahoam” war es mir ein Herzensanliegen, diesen runden Geburtstag hier im Dorf meiner Kindheit und frühen Jugend in eurem Kreis zu feiern. Wie ihr meinem mittlerweile verjährten Buch “Ein Leben lang an Deutschlands Rande” entnehmen konntet, stamme ich aus einer germanisch - keltischen Familie Das Wort “Slogan” ist übrigens auch keltischen Ursprungs und bedeutet einfach nur “Schlagwort”. Wir befinden uns hier in der Eifel in einem Grenzland Deutschlands, aber immer noch nicht jenseits der Grenze. Ihr könnt euch also ohneweiters ungezwungen in Deutsch oder einem entsprechenden Kölner oder Eifeler Dialekt unterhalten.

 

 

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Nach dieser kurzen Ouvertüre begrüße ich euch nun herzlich und bedanke mich für euer Kommen. Neben mir sitzt meine langjährige Freundin und Ehefrau Gisela, der ich, abgesehen von meiner Geburt vor 80 Jahren, sehr viel zu verdanken habe. Dank ihrer von ihrem Vater geerbten und bei der Commerzbank vervollkommneten Rechenkünste bin ich zur Zeit immer noch schuldenfrei. Und das will bei meiner Ausgabefreudigkeit schon was heißen. Die Kinder und Enkelinnen, die ich ihr direkt bzw., was die Enkelinnen anbelangt, indirekt zu verdanken habe, weilen heute nicht hier unter uns. Mit ihnen wollen wir am Wochenende ein paar schöne Tage in Simonskall verleben.

Dann sind als Gäste meine ortsansässigen Brüder Wilfried und Helmut mit ihren Frauen, d.h. meinen Schwägerinnen Gertrud und Käthi erschienen. Ich freue mich, dass ihr hier seid und den langen Weg von zu Hause nicht gescheut habt. Im Gegenzug möchte ich euch, altersmäßig vorauseilend, hinsichtlich der Erhaltung der Lebenslust als Zukunftshoffnung dienen.

Das vorhin Gesagte kann ich auf dich, liebe Kusine Josefine, nicht anwenden, denn du bist mir altersmäßig vorausgeeilt. Du warst, wie die Gäste, die ich im Anschluss begrüßen werde, zum Ende des Krieges Teil der Schicksalsgemeinschaft in meinem Elternhaus und mir deshalb in bleibender Erinnerung. Herzlich willkommen !

Teil dieser Schicksalsgemeinschaft während des Krieges und kurz danach waren auch meine Vettern Franz Josef und Wilfried Nußbaum, die ich mit ihren Ehefrauen Marianne und Erika herzlich begrüße. Beide, Franz Josef und Wilfried, waren dann später oft bei Gisela und mir in der Försterstraße 1 in Köln- Neuehrenfeld als Abendgäste zu Besuch. Seid also auch jetzt meine Gäste !

Und dann erblicke ich hier im erlauchten Kreise meine Freunde Rosemarie und Günter Müller, die Gisela und mich auf vielen interessanten Urlaubsfahrten treu begleitet haben und uns danach stets mit fantastischen Bildern und Filmen überraschten und beglückten. Die mit Musik sowie gesprochenen oder als Text eingesetzten Erläuterungen versehenen Filme betrachte ich übrigens als richtige sehenswerte Kunstwerke.

 

 

 

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Nun begrüße ich die Freunde Marga und Toni Hamacher. Liebe Marga, lieber Toni, dass ich euch zuletzt erwähne, dürft ihr durchaus positiv betrachten. Die Goldmedaillengewinner werden ja auch immer zuletzt genannt. Ihr seid ja auch die Letzten gewesen, die mich zu Ende meiner Tätigkeit als Geschäftsführer der Dresden Gas besuchten und dann auf meiner Rückfahrt nach Köln liebevoll begleiteten. Ohne Tonis

unvergleichliche Verpackungskünste hätte ich meine Habseligkeiten und die Geschenke der Dresdner Mitarbeiter und Freunde nicht zusammen in meinem Auto untergebracht. Und diese gemeinsame Rückfahrt fand, auf den Tag genau, heute vor 15 Jahren, also am 05.November 1992 statt.

Ich wünsche euch einen schönen Mittag und Nachmittag Entspannt euch ein wenig von eurer aufreibungsvollen Tätigkeit als Rentner, das wünscht euch euer Oberrentner Veri.

Und nun ziehe ich mich als 80jähriger zurück und lasse das Kind von damals, namens Veri, mit Auszügen aus meinem Buch zu Wort kommen.



Der ADAC

ADAC, 50 Jahre Mitgliedschaft

Da werde ich also im Juli 2010 zum 50. Jubiläum der Mitgliedschaft im ADAC geehrt. Was war vor 50 Jahren geschehen, was hatte mich damals dazu bewegt, Mitglied im "Allgemeiner Deutscher Automobil-Club e.V." zu werden?

Ich befand mich mit Familie auf meiner ersten Urlaubsreise mit eigenem PKW. Der erste Wagen, ein Opel-Rekord, mit einer Fahrleistung von ca 110 km, war als Gebrauchtwagen gekauft worden. Im Juli 1960 befanden wir uns nun auf der Urlaubsreise mit diesem Gebrauchtwagen auf der Autobahn Köln-Frankfurt mit dem Ziel Ascona am Lago Maggiore.

Plötzlich ruckte der Wagen und blieb, noch schnell auf einen Parkplatz gelenkt, stehen. Der schnell herbeigeeilte ADAC-Dienst behob sachgemäß den Grund für den frühen Stillstand einer stolz begonnenen Urlaubstour. Der freundliche Monteur eröffnete uns alsdann die Alternative: Geld oder Mitgliedschaft. Da wir unserem fahrbaren Untersatz aufgrund seines Alters weitere Späße dieser Art zutrauten, entschieden wir uns für die Mitgliedschaft. Nun hatten wir einen Freund und Helfer für weitere Notfälle. Und diese Freundschaft besteht nun, im Juli des Jahres 2010, bereits ein halbes Jahrhundert lang.