Schwierige Verwandlung vom Eifler zum Kölner

 

Mit dem Verlassen einer gewohnten Umgebung ist nicht nur ein Ortswechsel, sondern auch eine Umstellung der Lebensgewohnheiten verbunden.

 

Als ich mich im Spätsommer 1946 auf den Weg mache, um von meinem kleinen Heimatdorf Schönau in der Eifel zur Großstadt Köln umzuziehen, komme ich mir ähnlich vor wie jemand, der vom alten Europa in die Neue Welt auswandert. Dort wurden die früheren Einwanderer nach ihrer Ankunft als Greenhorn bezeichnet und solange entsprechend herablassend behandelt, bis sie sich, mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut geworden, in echte Amerikaner verwandelt hatten. Ich kenne diese Einwanderergeschichten aus Büchern und ich weiß, daß den meisten Europäern diese Verwandlung zum Amerikaner, wenn auch schmerzhaft, so doch letztendlich gelang. Dies wissend, versuche ich, das „Besondere“ des mir Dorfjungen sicherlich überlegenen Stadtmenschen durch intensives Beobachten zu erkennen und mir,  falls sinnvoll, anzueignen. Um keine Zeit zu ver-trödeln, fange ich bei den Unterschieden an, die mir sofort in die Augen fallen. Das beginnt ja schon bei Tisch. Obwohl meine Eltern alles andere als unmodern sind, gibt es schon dort gravierende Unterschiede. So wird zur Vermeidung von „unnützem Spül“ beim Kaffee auf die Untertassen verzichtet. Also Tassen direkt auf den Tisch! Das „zweispännige“ Essen mit Messer und Gabel ist nicht gängige Praxis, muß also von mir zäh und zielstrebend geübt werden. Wir waren gewohnt, Fleisch oder Wurst vor Essensbeginn in Stücke zu schneiden, das Messer anschließend achtlos zur Seite zu legen und die Gabel in die rechte Hand zu nehmen. Um einen besseren Haarschnitt zu bekommen, wechsle ich den Friseur; der bisherige ist mein sparsamer Vater höchstpersönlich. Dieser bringt für diesen Wechsel kein Verständnis auf, war er doch während seines Militärdienstes der Haareschneider (Friseur war er nicht) der Batterie. Und auch in unserem Dorf sitzen an den Samstagabenden die Langhaarigen in unserer Stube, um von meinem Vater schlecht und recht geschoren zu werden. Wie heißt doch das Lied der Friseure? „Was schert mich Frau, was schert mich Kind?“-

Kindisches und tollpatschiges Benehmen        

Manchmal benehme ich mich im Übereifer leicht kindisch. Meine Mutter hat mir durch Tauschhandel ein Paar Schuhe besorgt, die jedoch, das muß gesagt werden, viel zu hohe Absätze aufweisen. Solange ich auf meinem Weg durch Köln nur Fremden begegne, stört mich dies nicht übermäßig. Aber sobald ich einen Bekannten auf mich zukommen sehe, stelle ich mich flugs, mit dem Rücken zur Fahrbahn so auf den Bordstein, daß die hohen Absätze unerkannt hinter der Bordsteinkante verschwinden.

Gehe ich zum Fühlinger See baden, muß ich wegen Fehlens einer richtigen Badehose meine längerbeinige Turnhose anziehen die, wenn ich aus dem Wasser steige, recht unschön und naß meine Beine umschlingt. Wie’s der Teufel will, treffe ich, bis zum Bauch im Wasser stehend, meist bekannte Damen weiblichen Geschlechts, die mich, schöne Augen machend, bitten, doch endlich aus dem Wasser zu steigen. Dann gebe ich notgedrungen vor, außerhalb des Wassers sei mir die Luft zu kalt. Natürlich stehe ich dann bald mit meiner verfluchten Turnhose allein da.

Überhaupt, dieses linkische Benehmen gegenüber den jungen Damen!  In der morgendlichen Straßenbahn sehe ich öfters ein hübsches, leicht sächsisch sprechendes Mädel, deren Aussprache ich besonders, sagen wir, interessant finde. Komme ich hin und wieder einmal mit ihm (dem Mädel) ins Gespräch, rede ich im wahrsten Sinne des Wortes nur dummes Zeug. Dann senkt die Schöne ihren zunächst wunderbar leuchtenden Blick enttäuscht zu Boden. Was habe ich da überhaupt zum Besten gegeben? Etwa, daß ich in der letzten Mathematikarbeit „nur“ eine Zwei geschrieben habe. Das soll bescheiden wirken, kommt aber als Angeberei, die es ja auch in Wirklichkeit ist, bei der stummen Zuhörerin an. Bei uns zu Hause, ob in meinem Heimatdorf oder in den Nachbarorten, die ich bei Tanzveranstaltungen aufsuche, bleibe ich von solch tolpatschigem Benehmen verschont. Hier werde ich eben nicht von den Minderwertigkeitskomplexen des Dorfjungen derart gnadenlos heimgesucht. Obwohl auch eine Dorfschöne ähnlich dumme Bemerkungen meinerseits hervorrufen kann. Wie sagte doch ein Tanzpartner, um ein nettes Kompliment bemüht, zu einer Dame mit besonders hübscher Haut: „Fräulein, was haben Sie für ein mangses*) Fell“. Es geht also auch Anderen so!                                *) mangs= rheinischer Dialekt, bedeutet „weich, geschmeidig“



Zeit des Wartens ( 1946 bis 1948 )

 

Massenhafter Andrang von Familienvätern zum Studium         

Im Artikel „Schwierige Verwandlung“ erwähnte ich eine kleine Angeberei mit der „nur“ mit einer Zwei benoteten Mathematikarbeit. Nun habe ich diesen Unsinn erwähnt und muss jetzt  notgedrungen etwas näher darauf eingehen. Also: Meine Zulassung zum Ingenieurstudium scheint trotz aller Bemühungen wegen des Vorziehens der massenhaft zum Studium drängenden, aus der Gefangenschaft heimgekehrten Wehrmachtsoffiziere mit Abitur und Familie, noch in weiter Ferne zu liegen und so nutze ich die Zeit mit einem intensiven Selbststudium, verbunden mit sieben Privatstunden wöchentlich in allen relevanten Fächern. Tagsüber bin ich in einem Betrieb für Gas-, Wasser-, Heizung- und Klimatechnik beschäftigt, zunächst als Heizungshelfer auf der Baustelle und später zur Berechnung von Heizungsanlagen auf dem Technischen Büro. Für mein Selbststudium habe ich mir aus allen möglichen Ecken und Winkeln gebrauchte Bücher und Hefte früherer Fernstudien besorgt. Manche riechen wegen vorübergehender Durchnässung leicht modrig Dann entdecke ich an einem Spätnachmittag an einem in der Nähe einer Straßenbahnhaltestelle stehenden Baum einen Zettel in DIN A4 Größe. Er ist mit vier Heftzwecken am Stamm in Augenhöhe befestigt und bietet ein „Privatstudium als Vorbereitung eines Studiums an der Staatlichen Ingenieurschule in Abendstunden nach Vereinbarung“ an. Der „Privatdozent“ ist ein junger Mann mit bestandenem Ingenieurexamen, der jetzt an der Kölner Universität mit dem Berufsziel „Patentanwalt“ weiter studiert. Es beginnt für mich eine aufregende aber fruchtbringende Zeit, in der ich meinen Wissensdurst bei meinem „Privatlehrer“ in Zweiergesprächen und bei gemeinsamem „Nüsseknacken“ nach Herzenslust stillen kann. So erklimmen wir zum Beispiel gemeinsam die steile Leiter der Mathematik bis zur Differential- und Integralrechnung.

 

Als Schreibpapier dienen die Rückseiten alter Geschäftsbriefe               Da es weder in den Geschäften noch auf dem Schwarzmarkt Schreibpapier zu kaufen gibt, verwende ich für meine Schreibarbeiten und Berechnungen die Rückseiten von Geschäftsbriefen meines Vaters. In Gesprächen mit anderen Studenten oder „noch auf der Warteliste stehenden“ gewinne ich den Eindruck, daß in Deutschland noch nie mit einer solchen Verbissenheit zielstrebig gelernt wurde, so, als gelte es, die verlorenen Jahre der Kriegszeit aufzuholen. Die über Jahre fehlgeleitete Jugend ist mit dem Tode des Übermenschen Hitler und dem Ende des Krieges wie zu neuem sinnvollen Leben aufgewacht und wirkt von einem Tag zum anderen wie von einem  bösen Trauma befreit.

Bei meiner autodidaktischen Vorgehensweise habe ich ein großes Problem: Ich habe nicht gelernt, nach System zu lernen. So will ich in totaler Fehleinschätzung meiner Aufnahmefähigkeit alles auf einmal machen, also zum Beispiel parallel zu meiner Vorbereitung des Ingenieurstudiums auch Fremdsprachen erlernen.

 

Festklammern am Glauben an die „gerechte Sache“                       Eine Dame vom Büro der Heizungsfirma, bei der ich zeitweise auf dem Technischen Büro arbeite, besorgt mir einen „Englischlehrer“, einen durch grausame Kriegsverletzungen früh zum Krüppel gewordenen ehemaligen Frontoffizier. Er, der einmal ein stattlicher junger Mann war, sieht nur noch einen Sinn im Weiterleben, indem er weiter an die hehren Ziele unseres Krieges und die „gerechte Sache“ glaubt, für die er seinen Opfergang geleistet hat. Obwohl unsere Weltanschauungen weit auseinanderklaffen, versage ich es mir, dies auch nur andeutungs-weise zu erwähnen. Es würde, so glaube ich, sein letztes Fünkchen Lebenswillen zum Erlöschen bringen. Dieser verdammte Krieg;  was hat er nicht alles zerstört! Es hat sie ja gegeben, die verführten, bis zur Selbstzerstörung kämpfenden Gutgläubigen, die sich nicht ohne Grund für Helden hielten und von der damaligen allgemeinen Volksmeinung auch für solche gehalten wurden. Es war ja in Zeitungen und Büchern, selbst in unseren Schulbüchern, zu lesen: „Blüh Deutschland überm Grabe mein, jung stark und schön, als Heldenhain“.  Nach meiner letzten Englischstunde berichtet er aus seiner Sicht von der „Schande“ des Nürnberger Prozesses, wo die Siegermächte über die Größen des Dritten Reiches zu Gericht sitzen und er schüttelt voll Trauer und Unverständnis mit dem Kopf.

 

Leichte Wehmut            

Auf dem Heimweg begegnet mir ein langer Martinszug. Die Kinder, teils in Begleitung der Eltern oder Lehrer, tragen bunte selbstgebastelte Fackeln. Und dann höre ich die mir aus meiner Kinderzeit bekannten Martinslieder und in mir steigt leichte Wehmut auf über den Verlust einer unbeschwerten Zeit im Dorf meiner Kindheit.

 

Als mein Englischlehrer kurz darauf von seinen körperlichen Schmerzen und weit schlimmeren seelischen Leiden durch den Tod erlöst wird, beschränke ich mein Lernen vorerst wieder auf die technischen und naturwissenschaftlichen Fächer.

 

 

 



Martinsabend

 

Kinder singen Martinslieder,                        Der Gesang wird leis‘ und leiser.

Fackeln schaukeln auf und nieder                Aus Kellern der zerbombten Häuser

und kreuz und quer:                                   dringt Kerzenschein

Ein Lichtermeer.                                         ins Herze mein.

 

Mütter, Lehrer sie begleiten;                        Und ich denk‘ an Kinderzeiten,

vom nahen Turm die Glocken läuten.            Als Martinsfeuer uns erfreuten,

Ich bin gerührt                                            von Eifelhöh‘n

und leicht verwirrt.                                      weithin zu sehn.

 

Denn der Zug führt durch Ruinen.                 Sangen nachher, immer müder,

Aus toten Fenstern die Gardinen,                  die Martins- und die Knieskopp*-Lieder,

nur schwach zu sehn,                                   ohn‘ viel Gespür

im Windzug weh‘n.                                       vor jeder Tür.

 

Flattern müde und gemahnen                        Wenn’s als „nackte Läuse“ galten,

an die bunten Hitlerfahnen,                            Knieskopp-Lieder frech erschallten.

die über Nacht                                              Die meisten Leut‘

zu Kleidern gemacht.                                     war’n gebebereit.

 

                                               Und ich wand‘re dunkle Straßen,

                                               recht nostalgisch und verlassen,

                                               mit schwerem Gang,

                                               und ohne Gesang.

 

                                                              

 

*)

Knieskopp: filziger Kerl, Geizkragen

 



Ein Sommer in Köln, 1946

 

Wehmütige Gedanken über das Fliegen        

Ein heißer Sommertag geht zur Neige, Ich stehe auf dem Balkon der Wohnung meiner Kölner Verwandten und betrachte den Abendhimmel mit seinen hochgetürmten Gewitterwolken, die zwar Regen verheißen, ihn uns aber heute genauso wie an den vorausgegangenen Tagen vorenthalten. 

 Die gute alte Tante Junkers Ju 52 fliegt noch Jahre nach dem Krieg in vielen Ländern                       

Entlang einer der fast senkrechten Wolkenwände zieht ein Flugzeug seine Bahn mach Westen. Langsam und fast behäbig fliegt es dahin, fast wie ein deutsches Transportflugzeug vom Typ Junkers Ju 52. Aber es wird mit Sicherheit nicht von einem deutschen Piloten gesteuert, denn der am 08. Mai 1945 in Kraft getretene Waffenstillstand verbietet uns jede fliegerische Tätigkeit. Im Nachlass meines bei Rschew nördlich von Moskau gefallenen Vetters habe ich ein Buch über die internationalen Aktivitäten der Flugpioniere von damals entdeckt und mit Heißhunger gelesen. Die Kindertage der Fliegerei waren hiernach ohne nationale Rivalitäten und von einem freundschaftlichen Geist getragen. Die gemeinsamen Gegner waren die technischen Kinderkrankheiten der Flugzeuge, das Wetter und die für diese Flugmaschinen zu hoch geratenen Gebirge. Ich habe meinen Traum vom Fliegen längst ausgeträumt und mich auf die geradlinige Bahn zur Vorbereitung eines Ingenieurstudiums für Versorgungstechnik begeben. Tagsüber arbeite ich bei einer Kölner Firma für Heizung, Sanitär und Klimaanlagen auf  Baustellen und abends nehme ich sieben Stunden pro Woche privaten Vorbereitungsunterricht bei einem Ingenieur. Übers Wochenende fahre ich mit der Bahn nach Hause und helfe meinem Vater an den Samstagen bei der Feldarbeit. Das reicht!

Für die Kölner Heizungsfirma arbeiten wir, ein Heizungsmonteur und ich, sein Helfer, zunächst in einer Färberei und Chemischen Reinigung. Hier erfahre ich vom Juniorchef dieser kleinen Firma, daß die Haupteinnahmequelle zur Zeit das Färben von ehemaligen Hakenkreuzfahnen und Uniformen ist. So entstehen aus den ehemaligen Fahnen Damenröcke und Kleider; die gefärbten Uniformen werden lediglich ihrer Schulterstücke und Ärmelabzeichen entledigt.



Im Stollwerck-Gelände

Dann werden wir für fast ein Jahr in der Schokoladefabrik Stollwerck in der Kölner südlichen Altstadt eingesetzt. Unsere Arbeit besteht zunächst im Entfernen von Kälteleitungen. In den Pausen und nach Feierabend betreiben wir mit Wissen des zuständigen Werkmeisters eine lohnende Neben-beschäftigung: Wir brennen Löcher in die außer Betrieb befindlichen Kakaoleitungen, wärmen die innen mit Transportschnecken versehenen Leitungen beiderseits des Loches so lange an, bis der verflüssigte Kakao in  ein Gefäß unterhalb des Loches tropft. Das sind so die Tricks zum Überleben.

Aber die Arbeiten in den maroden Anlagen der Schokoladefabrik sind nicht immer vom Feinsten. Da es an fast allem, selbst an Heizkörpern und Rohren fehlt, versuchen wir, den Mangel durch ein Durchforsten von vorhandenen Anlagen in und außerhalb des Werksgeländes zu beheben. Da steht zum Beispiel im Kesselhaus ein großer Heizkessel, dessen Innereien aus einer Vielzahl hoch-wertiger Rohre bestehen. Nachdem dieser Großkessel zum Abriß vorgesehen wird, muß ich wegen meiner relativ kleinen Körpermaße fast täglich durch ein enges Mannloch einsteigen und im Innern möglichst viele Rohre mittels Schneidbrenner heraustrennen und nach draußen reichen. Dort steht dann mein lieber Heizungsmonteur in frischer sauberer Luft und blickt fast ungläubig in mein schwarz verschmiertes Gesicht. Denn sobald ich den Schneidbrenner anzünde, wirbelt dieser die über die Jahre entstandene dicke Staubschicht wolkenbildend in die Höhe, so daß mir im wahrsten Sinne des Wortes Hören und Sehen vergeht. Nun spielt sich das Ganze in sehr engen Räumen ab und führt zu einem beängstigen Sauerstoffmangel, der sich in starkem Nasenbluten optisch bemerkbar macht. Ich will das Ganze nicht übertrieben als Überlebenskampf bezeichnen, aber ich werde gezwungen, in kurzen Abständen lebenerhaltende Pausen einzulegen.



Die Tanzgirls vom Military Government Theater sind während ihrer Übungen eine Augenweide

„Hände wie Füße“             Das Gewinnen der als Kälteleitungen benutzten Rohre erfordert das vorherige Entfernen der dicken Korkisolierung mittels Beil, Hammer und Meißel. In die von dem rauhen teergetränkten Kork aufgerissene Haut tropft der durch den Schneidbrenner erwärmte Teer und nistet sich hier für Wochen gemütlich ein. Das sind dann keine Hände mehr für die von mir so gerne besuchten Tanzveranstaltungen.

Halbwegs brauchbare Heizkörper finden wir auf einem nahegelegenen Trümmergrundstück einer ehemaligen, total zerstörten Schule. Als Schweißdraht müssen Teile eines Maschendrahtzaunes herhalten. So wursteln wir uns mehr schlecht als recht durch.



Auf dem Stollwerckgelände ist unter anderem auch eine Spezialfirma für Belüftungsanlagen damit beschäftigt, aus Flachblechen großkalibrige Luftleitungen, mit komplizierten geometrischen Abwicklungen zu fertigen. Das interessiert mich natürlich mehr, als das Gewinnen brauchbarer Rohre im Innern des mehrstöckigen Dampfkessels. Die Monteure wollen mich überreden, zu ihrer Firma zu wechseln, da ihre Arbeit nach ihrer eigenen Auffassung mehr die von Stehkragen-monteuren sei. Im übrigen sei ich viel zu schade für die mir zugemutete Dreckarbeit. Ich aber denke an die Kinderarbeit zurück, die mir mein Vater auf regennassen herbstlichen Äckern bei kaltem Wetter „zumutete“ und ich bleibe auf meinem klaren Weg und also auch bei der Heizungsfirma. Aber durch diese Kurzgespräche mit den Spezialisten für Belüftungsanlagen wird ein anderer interessanter Mann auf mich aufmerksam. Dies ist seine Geschichte:

Der Philosoph

Auf dem Hof des Fabrikgeländes treffe ich tagtäglich einen mit Besen bewaffneten Hilfsarbeiter an, der sich im Gespräch als ein philosophisch voll ausgebildeter Intellektueller zu erkennen gibt. Er kann es nicht lassen, mich nach Feierabend immer wieder in seine philosophischen Betrachtungen und Gespräche einzubeziehen. Er nennt die Philosophie den „Hof der Höfe“ und meint damit im wesentlichen die fernöstliche, vor allem die indische Gedankenwelt, teils auch die altchinesische des Konfuzius und Lao Tse. Aber die Denkweise dieser beiden letzten scheint ihm weniger verlockend, als das Zeitalter der Brahmanen und Upanischaden in der indischen Philosophie und das spätere buddhistische Denken als eine einzige große Verneinung. Deshalb lehnt er es ab, sein Leben mit einem Beruf oder einer erfolgbringenden Tätigkeit „zu vertun“, der oder die ihn fordert, als ein Rädchen im modernen Getriebe der Arbeitswelt zu funktionieren. Das würde ja Sinn machen (nach meinem Verständnis). Er aber fühlt sich im Nirwana zu Hause und glaubt dies nur durch einen konsequenten Verzicht auf  ein berufliches Streben erreichen zu können, also bleibt er ganz bewußt und willentlich auf der Stufe des besenbewaffneten Hofarbeiters stehen. Abends muß ich oft über diesen nicht uninteressanten aber kauzigen Mann nachdenken, der sicherlich glücklicher ist als ich mit meinem ungeduldigen Warten auf einen Studienplatz. Aber welche Einstellung, so denke ich, dient dem Fortschritt in Staat und Gesellschaft zum Wohle aller mehr? Und dann kommt mir der indische Subkontinent mit seinen Kasten (das Wort bedeutet Rassen), Hungernden und Gleichgültigen unterhalb einer kleinen Schicht von Besitzenden, die sich eine Philosophie der Verneinung glauben leisten zu können, in den Sinn. Indien!- Das ist der Hofarbeiter von Köln in Großformat. Ich aber verharre weiter in meiner abendländischen Gedankenwelt.

Nach den Arbeiten in der Schokoladefabrik wechsle ich auf das Technische Büro der Heizungsfirma und beginne die dortige Tätigkeit mit Wärmeverbrauchsberechnungen. Einer der Kollegen fährt in der Folge an den Wochenenden mit mir nach Hause und entwickelt dort viel Freude an der Landwirtschaft und an den sonntäglichen Tanzveranstaltungen.



Fringsen

Ein älterer Kollege lädt mich zu sich nach Hause ein und stellt mich seiner Frau vor, die seit der Nachricht, daß ihr einziger Sohn gefallen sei, total gelähmt ist. Beide überreden mich zu einem Wechsel von meinen Verwandten zu ihnen und so erhalte ich bei ihnen das ehemalige Schlafzimmer des Sohnes. Die Kälte in den Zimmern macht ihr besonders zu schaffen und so ziehe ich nachts mit einem kleinen Leiterwägelchen zu einem Rangierbahnhof, auf dem fast jede Nacht mit Briketts vollgeladene Waggons abgestellt sind. Das geht fast immer gut und man hat ein Gehör für das Herannahen einer Polizeistreife. Der Kölner nennt dieses Organisieren von Brennmaterial „fringsen“, weil der Kölner Kardinal Frings von der Kanzel herab           



Kölner Kardinal Frings

verkündet hatte, das Beschaffen des Lebensnotwendigen sei keine Sünde, also erlaubt. Übrigens sind  die Briketts fast ausschließlich zum Transport ins westliche Ausland, also von den Besiegten zu den Siegern, bestimmt. Meine Wirtsleute halten mich fast wie ihren eigenen Sohn und ich bin zum Zeitpunkt meiner Ausleseprüfung für die Aufnahme auf die Staatliche Ingenieurschule Köln im Jahre 1948 immer noch bei ihnen. So als „Stellvertreter“ des im Krieg gebliebenen Sohnes mit Liebe überschüttet zu werden, ist nicht immer leicht zu ertragen.

Frierende Menschen beim Fringsen    

Hast du Wanzen jespingks, geh zum Kammerjäger Krings

Als die Amerikaner das linksrheinische Köln erobert und besetzt hatten, lebten dort nur noch rund 40 000 Menschen. Nachdem auch die rechtsrheinischen Stadtteile besetzt waren und der Krieg sich weiter nach Osten verzog, kehrten die Menschen nach und nach müde und von den Amerikanern bei der Rheinüberquerung entlaust zurück. Da viele Häuser zunächst unbewohnbar waren, wurden ihnen vorübergehend fremde Wohnungen und sogar Kellerräume zugewiesen. Doch mit der Zeit normalisierten sich auch die Wohnverhältnisse und nun ging es ans  "bewohnbar machen". Und so konnte man an fast allen Litfaßsäulen die Angebote von Kammerjägern lesen, die meisten sogar in typisch kölscher Art. Das Wort jespingks signalisierte die kölsche Wesensart, selbst schlimme Zustände mit Humor zu ertragen. Spingkse (ripuarischer, auch in der Nordeifel gesprochener Dialekt) bedeutet "lauern, scharf ins Auge fassen". Typisch kölsch eben!

Die schönen Nichten meiner Wirtin

Meine Vermieterinnen  meinen es wirklich gut mit mir und so werden mir auch nach und nach einige im Kölner Stadtgebiet wohnende Nichten zugeführt, die ich auch wirklich nett finde. In den Gesprächen mit ihnen kann ich dann unschwer heraushören, daß mich meine Wirtin bei ihnen mit reichlich Vorschußlorbeeren bedacht hat. Dagegen hat sie den Mädels im nahen Milchgeschäft, die sich vermutlich nach mir erkundigt hatten, zu verstehen gegeben, sie möchten gefälligst die Finger von mir lassen. So werden also jene weiblichen Geschöpfe, die für eine kleine nicht ernsthafte Liebelei geeignet sein könnten, mit fast mütterlicher, fürsorglicher Strenge außer Gefecht gesetzt. Sie sagt mir dann mit sorgenvollem Gesicht: „Junge gib nur gut auf dich acht; denn es gibt keine wirklichen Damen mehr. Nur noch ein paar. Zum Beispiel meine Nichten, die du ja kennengelernt hast.“ Um ihretwillen gehe ich dann auch schon mal mit der einen oder anderen ins Kino oder ins Schauspielhaus. Das ist ja weiter nicht schlimm und bereitet ihr vermutlich mehr Genugtuung als ihren Nichten. Da ich meine Wirtin mit wachem Auge und hellem Ohr im Hintergrund wähne, erlaube ich mir keine wilden Liebesabenteuer. Es gibt ja noch die sonntäglichen Bälle in der Eifel! Aber es reizt einen schon.



Unlösbares Problem

 

Wenn ich der Wirtin zum Gefallen     

die Nichten nicht zu sehr gefährde,                          

statt Liebesschwüre Unsinn lallen                             

und Sittenstrenge wahren werde,                              

 

dann denken diese jungen Dinger:                           

„Was sollen wir von dem nur halten?                        .

Der ist gewiß kein Herzbezwinger.                           

Drum wollen wir auf Sturheit schalten.“                   

 



So geht’s uns gut erzog’nen Kumpeln.                                  

Wie soll ich mich denn nur benehmen?

Muss ich die Schönen überrumpeln

oder auf Anstand Rücksicht nehmen?

 

Lass‘ Liebe statt Vernunft ich walten:

Wie ich’s entscheide ist ganz schnuppe.

Bin ich zu frech, bin ich verhalten,

ein Haar ist immer in der Suppe.

 

Mit wem kann ich darüber sprechen?

Doch ahn‘ ich selbst, wie’s mal geschieht:

Wenn irgendwann die Herzen brechen,

die Tugend sich diskret verzieht.



Das unvergessene Elternhaus und Heimatdorf in der Eifel

Die besonders seit Kriegsende gewachsenen starken Bindungen wirken sich jetzt besonders stark aus, weil ich in Köln noch keine Wurzeln geschlagen habe. So fahre ich an jedem Wochenende per Bahn von Köln über Euskirchen (Umsteigen in einen Bummelzug) nach Münstereifel bzw. zunächst nur bis Iversheim (in den letzten Kriegstagen war die Eisenbahnbrücke zwischen Iversheim und Münstereifel von einer deutschen Pioniereinheit gesprengt worden), um dann in einen Postbus umzusteigen, der über Schönau in Richtung Schuld an der Ahr fährt.

Vater erwartet mich meist, in der Wohnküche auf der Bank sitzend und durchs Fenster nach draußen zum Himmel schauend, und dann kommt mit tödlicher Sicherheit der Satz: „ Nee, nee, wat dat Desjohr ( dieses Jahr) noch jevve soll!“ Und dann kommt die Begründung für seine Skepsis; doch diese Begründung wechselt von Woche zu Woche. Die Witterung entweder zu trocken, zu nass, zu kalt oder zu heiß. Da fällt mir eine Geschichte ein, die seinerzeit in unserem Schullesebuch stand.

Den Wind vergessen

Ein Bauer war stets mit dem Wetter unzufrieden, bis der liebe Gott ihm die Fähigkeit gab, das Wetter ein Jahr lang selbst zu machen. Der Bauer ging nun frohgemut hin und ließ Regen und Sonnenschein sich in schöner Regelmäßigkeit so ablösen, dass das Getreide groß wuchs und gleichmäßig gedieh. Als die Zeit der Ernte gekommen war, prüfte der Bauer den Reifegrad der Körner, aber er fand keine. Die Ähren waren leer, weil der Bauer den Wind vergessen hatte, so dass die Befruchtung unterblieben war. Meine Tante aus Bad Godesberg lehrte ihre Töchter, nur keinen Bauern zu heiraten. „Ein Bauer wird in seinem ganzen Leben nie glücklich, weil er dauernd mit dem Wetter hadert.“

Doch jetzt, in der Zeit zwischen Kriegsende und Währungsreform, die bis 1948 auf sich warten lässt, hat der Bauer und sogar der kleinste Landwirt einen gewaltigen Vorteil gegenüber der übrigen Bevölkerung: Er hat genug zu essen, während viele arme Stadtbewohner darben müssen oder auf ihren Hamstertouren über Land wertvolle Sachen gegen Lebensmittel eintauschen. Die Zeit ist alles andere als normal!

 

 

 

 



Im Junggesellenverein 1947

 

Da ich die meisten Wochenenden in Schönau verbringe, entschließe ich mich, dem örtlichen Junggesellenverein beizutreten. Die Mitgliedschaft in derartigen Vereinen ist für noch nicht gebundene Jugendliche fast ein Muß. Zum Herbst hin werden auf den Dörfern im weiten Umkreis die Stiftungsfeste dieser Vereine abgehalten und so sind wir Sonntag für Sonntag unterwegs. Wir sitzen dann auf der Hinfahrt auf Wirtshausbänken, die der Fuhrunternehmer des Dorfes auf der Ladefläche seines mit einem Holzvergaser betriebenen Lkws aufgestellt hat. Unterwegs wird kräftig gesungen und es sind durchaus auch noch einige der beim Barras gelernten Lieder darunter, die jedoch mitnichten das Soldatenleben verherrlichen. Wir haben die Schrecknisse des Krieges schon fast aus unserem Bewusstsein verdrängt und ein wenig Nostalgie zurückbehalten. Aber es ist um Himmelswillen kein 

 

Teilnahme am Schubkarrenrennen des Junggesellenvereins Schönau am Kirmessonntag (ich bin der Erste von links)

              



Entspannender Regen

Eines Sonntags liegt das Elternhaus von zwei Schwestern, die mein Freund und ich zum Kaffee nach Hause begleiten, weit außerhalb der geschlossenen Ortschaft. Das Wohnhaus mit Stall und Scheune ist in den Abhang eines Berges hineingebaut. Die Eltern der Mädels sind aufgrund der Abgeschiedenheit ihres Gehöftes an Neuigkeiten interessiert und halten uns mit reichlich Bier bis zur Dunkelheit fest. Nun müssen wir uns aber schleunigst verabschieden und bemerken, an der frischen Luft angelangt, die Wirkung des Bieres und einen starken Druck auf unsere Blasen. Im Schutz der Dunkelheit glauben wir, die Flüssigkeit vom Berghang oberhalb des Gehöftes im hohen Bogen auf Dach und Dachrinne lenken zu können. Da geht plötzlich ein Fenster auf und der Vater der beiden Schönen spricht zu seiner Frau recht deutlich in die mondlose Nacht hinaus: „Marieche, et is am regnen un die jut Häre (guten Herren) werde jetz och noch nass“.



Der Junggesellenverein „Edelweiß“ Schönau im Jahre 1949



Spähtruppunternehmen im Tanzsaal        

Nun enden beileibe nicht alle Stiftungsfeste in den uns mehr oder weniger fremden Nachbargemeinden in einer solch rustikal-romantischen Art und Weise. In den meisten Fällen beschränke ich mich, allein und ohne störenden Freund agierend, auf das Aufspüren möglichst vieler Tanzpartnerinnen, die weniger ein beredtes Mundwerk als schöne und rhythmisch bewegte Tanzbeine haben. Um dies schon beim Tanzen der anderen überprüfen zu können, stelle ich mich an einer Ecke der Tanzfläche auf, nehme also gar nicht erst Platz.

Es ist sehr aufschlußreich, interessant und amüsant, die einzelnen Tanzpaare, und hierbei speziell die Tanzpartnerinnen zu beobachten. Die auf Geheiß der Eltern mit den Nachbarsmädchen notgedrungen zu absolvierenden Anstandstänze werden von den Jungen wie leidige Pflichtübungen mit ernstem Gesicht, zur Seite gedrehtem Kopf, auf Abstand bedachter Gesamthaltung und schleifenden Füßen ausgetragen. Die Mädels fühlen durchaus das gezwungene Benehmen, halten aber in der Regel tapfer durch, vielleicht in der stillen Hoffnung, der durch die vorausgegangene Wochenarbeit in Feld und Wiese ermüdete Tänzer möge irgendwann bei seinem Geschleiche stolpern und ihr in die stets hilfsbereiten Arme fallen

Wenn es die Tanzpartnerinnen sind, die den Anstandstanz gelangweilt erdulden, ergibt sich ein von Grund auf anderes Bild. Diese Dorfschönen sind offensichtlich (und meist auch erfolgreich) bemüht, mit einem jugendlichen, das ganze Gesicht verzierenden Lächeln bei den aus den Nachbardörfern angereisten Jungen positiv aufzufallen. Sie scannen mit ihren Gesichtern regelrecht die Reihen der noch in Warteposition verharrenden Junggesellen. Wenn ihnen dieses „angenehme Auffallen“ gelingt, haben sie ihre Tanzpartner für die nächsten Tänze so gut wie sicher. Manchmal auch den Mann fürs Leben. Dann gehöre ich auch zu den Kavalieren, die wie Habichte aus den Ecken der Tanzfläche heraus losschießen und sich vor den Auserwählten, um den nächsten Tanz bittend, aufbauen. Nur nicht zu spät kommen!

Nun kommt es wesentlich darauf an, die tänzerischen Fähigkeiten der jeweiligen Partnerin zu testen. Dies fällt nicht so sehr beim Foxtrott, Swing, Rumba, Samba und Rheinländer auf, als vielmehr beim Tango und vor allem beim Wiener Walzer. Habe ich eine junge Dame erwischt, mit der ich den Walzer „auf der Stelle“ tanzen kann, dann ist der Abend gelaufen und ich lasse sie fürs erste nicht mehr aus meinen Klauen.



Die Junggesellen: Flügge, wie ein Schmetterling (noch)  

Wenn es aber auf ein Festlegen von Wiedersehensterminen zugeht, verstehe ich wegen der allzu lauten Musik kaum ein Wort. Dann bin ich jung und unreif genug, wegzuhören und meinem beruflichen Weiterkommen (und auch meinem Testen weiterer möglicher Freundinnen) eine höhere Priorität einzuräumen. Und dann möchte ich die Mitgliedschaft in unserem schönen Junggesellenverein auch nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Zudem:

 

Noch will ich’s  wegen  einer einzigen nicht mit all den vielen anderen hübschen Damen verderben.

 


Was tut sich in diesem Jahr 1947 sonst noch in Deutschland? Das Heimkehrerschauspiel „Draußen vor der Tür“ von Wolfgang Borchert wird am 21.11. 1947 in Hamburg uraufgeführt. Am Tag vorher ist Borchert  in Basel gestorben. Das Stück wird mehrmals im Hörfunk gesendet. Ich versuche, mit mehr oder weniger Erfolg gegen die Düsternis dieser Tragödie anzukämpfen und stürze mich in die Vorbereitung meines Ingenieurstudiums an Hand einiger Vorkriegsbücher über Mathematik, Physik und Chemie. Ach ja! Der große Max Planck starb im April dieses Jahres.

 

Noch ist es möglich, Fachliteratur aus Leipzig zu beziehen. Aber die Besatzungszonen der Amerikaner, Briten und Franzosen im Westen einerseits und der Sowjets im Osten andererseits driften langsam auseinander. Die amerikanische und britische Zonen werden jetzt zu einem einheitlichen Wirtschaftsgebiet, der sogenannten Bizone, zusammengeschlossen. Der Marshallplan wird geboren. Der vom alliierten Kontrollrat festgelegte Industrieplan zur Beschränkung der Industrieproduktion wird für diese Bizone nach oben korrigiert. Ein erstes leichtes Aufatmen ist fast hörbar. Nix Morgen-thauplan! (Siehe  Herbst 1944). 

 

Pieck und Grotewohl      

Eine der ersten von den Alliierten zugelassenen Tageszeitungen hier im Westen ist die Volksstimme, das Organ der Kommunistischen Partei Deutschland (KPD). Sie verkündet in großer Aufmachung auf der Titelseite eine Großversammlung in Köln-Riehl mit Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl, die in Ostdeutschland den Zusammenschluß von KPD und SPD zur Sozialistischen Einheitspartei (SED) herbeigeführt haben. Eine Bekannte erzählt mir stolz, ihr Vater werde auch teilnehmen und persönlich begrüßt werden. „Was macht dein Vater beruflich?“, frage ich. „Er ist ein berühmter Künstler, er malt. Und du müßtest ihn einmal sehen! Er trägt stets einen breitkrämpigen Hut und einen wallenden Mantel.“ „Und warum mußt du bei einer Lehrerfamilie als Hausmädchen arbeiten?“ frage ich. „Künstler verdienen nicht viel“, sagt sie und blickt dann doch recht traurig zu mir auf. Ich wünsche ihr (unausgesprochen) einen gut verdienenden Vater und gebe ihr einen halbherzigen Kuß.

 

„Besteht da ein Zusammenhang?“ frage ich mich, nachdem ich mich auf den Heimweg begeben habe. Es ist hoch höchst sonderbar, dass viele Künstler weit links stehen. Als Hungerleider bleibt ihnen gar nichts anderes übrig, als eine linkssozialistische Haltung einzunehmen. Und dieser individuelle Sozialismus hat meist andere Motive, als der des uneigennützig um soziale Gerechtigkeit bemühten Kurt Schumacher, der jetzt Vorsitzender der West-SPD geworden ist.

 

 

 

 

 

 

Otto Grotewohl und Wilhelm Pieck auf einer Großveranstaltung in Köln-Riehl.

Der Kommunist Pieck und der Sozialdemokrat Grotewohl (gezwungen?) hatten zuvor die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands in der sowjetisch besetzten Zone gegründet.

 


Sonntage mit dem Junggesellenverein

 

Sonntag für Sonntag sind wir jetzt „gut drauf“,   

nehmen selbst längere Wege in Kauf.                   

Durchkämmen die Dörfer im Eifelland,

schwärmen für Jene, die gerade zur Hand.           

 

So mancher, wie ich, ist noch etwas scheu,          

der andre landet „mit einer“ im Heu                      .

oder, gar nicht so selten, auf ihrem Zimmer,        

bleibet dort hängen für heute und immer.             

                                              



Ich suche lieber beim Tanzen ‘ne Schnelle;

denn manche, die hübsch, kommt nicht von der Stelle.

 Schleift sie die Beine müd‘ hinter sich her,

betrachte ich dies als ein „Grande Malheur“.

 

Dann werde ich zeitig die Kurve kratzen

und mir nicht weiteres Spähen verpatzen.

Geh‘ still nach Hause und sage bloß:

„Mutter, heut war mal wieder nichts los.“

 

Sie aber denkt nur und hütet die Zunge:

„Er ist doch noch immer mein braver Junge.

Doch hoffentlich kommet auch einmal die Zeit,

wo er ein „sauberes“ Mädchen freit.“

 

 

 



Hielich oder Hillich (Hielich ist die Eifeler Mundart und Hillich die Kölner)

 

Wenn sich die künftigen Ehepartner einander versprechen, so nennt man das Verlobung oder Verlöbnis. In der Eifel hat sich aber noch immer die aus dem altgermanischen stammende Bezeichnung Hielich erhalten. Überlassen wir es dem Kölner Sprachwissenschaftler Professor Dr. Adam Wrede nach den Ursprüngen dieses Wortes zu fahnden. Er behauptet steif und fest, im althochdeutschen habe der Gatte hiwo und die Gattin hiwa geheißen. Das interessiert uns vom Junggesellenverein nicht besonders. Wichtig ist, dass wir zur Hielich-Feier abends singend durch das Dorf ziehen und anschließend vor dem Haus der Braut dem Paar unser Ständchen bringen. Damit dies auch ausreichend melodisch vonstatten geht, werden von der Braut die selbstgebrannten Obstschnäpse gespendet. Und nun erschallt das uralte Lied „Schönste, Allerschönste....“ Der Text wirkt wohl etwas weit herbeigeholt und so ist es ratsam, die Worte nicht zu kritisch zu betrachten. Aber die Melodie! Die Melodie! (Mir kommen die Tränen.) Jetzt geht’s los:

 

Schönste, Allerschönste

 

Schönste, Allerschönste, was hör ich von dir!  (zweimal)

Du willst dich heiraten, du schönes junges Blut!

 

Willst du dich heiraten du schönes junges Blut?

Ja, dann wirst du erfahren was heiraten tut!

 

Bald hast du kleine Kinder, bald hast du große Not.

Sie schreien zum Vater „ Wir haben kein Brot“.

 

Und hast du keine Brötchen und hast du kein Geld,

ei, so hörst du die schöne Trompete im Feld.

 

Die schöne Trompete, die schöne Schalmei:

Bleibe du mir als Mädel, ich bleibe dir treu!

 

Nach soviel Rührseligkeit wackeln wir, jeder für sich allein, nach Hause.

 

 

 

 

 

                                              

 

 

 

 

 

 

 



Fast Originale

Originale nennt man  jene Leute, die wegen ihrer ausgeprägten Besonderheiten im Gedächt-nis ihrer Mitmenschen lebendig bleiben und sogar in manche Lokalgeschichte eingehen. Sie sind sowohl in den Städten als auch auf dem Lande zu finden und bieten dort Gesprächsstoff für Jahrhunderte.

Pitter       

In meiner engeren Heimat gibt es einige, die diesen von der Natur Auserwählten sehr nahe kommen. Es ist naheliegend, dass ich zuallererst an unseren Pitter (genau genommen, nennen wir ihn Pitte, wobei das e wie in Rose ausgesprochen wird) denke, weil er seit Jahren bei uns zu Hause wohnt. Er besitzt, ob man es wahrhaben will oder nicht, eine Portion Intelligenz, die er allerdings bündelt und  auf einige ganz wenige Themen strickt einschränkt. So gesehen ist er ein wenig beschränkt, was immer das heißen soll. Ich persönlich glaube, an dieser Einseitigkeit ist die Tatsache nicht ganz schuldlos, dass er nie zur Schule gegangen ist. Wie kam das?



Radioteleskop Effelsberg in der Eifel

Und genau hier stand die alte Mühle        

Seine Eltern betrieben eine Wassermühle dort unten am Effelsbach, wo man später das größte bewegliche Radioteleskop Europas bauen wird. Sie lag also etwas zu weit von dem Dorf Effelsberg und der dortigen Schule entfernt. Beim Besuch dieser Schule hätte Pitter zweimal am Tag einen längeren Fußmarsch machen müssen. Aber das ging nicht, weil sein Vater nicht nur die Mühle, sondern auch ein kostspieliges tägliches Besäufnis betrieb, das alle Gelder aufzehrte und die ganze Familie in Armut versinken ließ. Da wurde zunächst einmal am Unnötigsten gespart, zum Beispiel an den Schuhen für den Jungen. Mit anderen Worten: Pitter besaß keine Schuhe und damit auch keine Möglichkeit, die entfernte Schule zu besuchen. Ein wenig Lesen brachte ihm seine bedauernswerte und stets nüchtern gebliebene Mutter bei. Diese recht beschränkte Lesekunst versuchte er an den wenigen im Hause vorhandenen „Schriftstücken“ auszuprobieren. Da gab es einen Jahreskalender aus früheren Jahren, der zwar längst veraltet war, aber alle Namenstage mit Datum enthielt. Pitter las und las und las dieses Schriftstück Tag für Tag und speicherte Namen und Tage im Gedächtnis und so kann er auch später noch sämtliche Daten der Namenstage aus dem wenig beanspruchten, mittlerweile recht klobig gewordenen und betagt wirkenden Kopf hersagen.

 

Pitter besitzt eine unsägliche Angst vor jedem Wald. „Em Bösch ös et jefärlich“ pflegt er immer dann zu sagen, wenn er in der Nähe eines Waldes arbeiten  oder eine Abkürzung über einen Waldweg machen soll. Beides lehnt er entschieden ab und er ist nicht mit Geld und guten Worten von seiner Weigerung abzubringen. Vermutlich hat sein Vater ihm diese Furcht bewußt eingeflößt, damit er immer hübsch zu Hause oder in der Nähe bleiben sollte.

 

Aber Pitter ist über alle zulässigen Maßen hinaus hilfsbereit. Hält ein ortsunkundiger Fahrer mit seinem Auto an, um sich nach dem richtigen Weg zu erkundigen, steckt er seinen bereits oben beschriebenen Kopf durch das heruntergekurbelte Fenster, möglichst bis in die Mitte des Wagens, und gibt bereitwillig die Auskunft, die der Fahrer braucht, um garantiert falsch zu fahren.

 

In letzter Zeit äußert Pitter des öfteren den Wunsch, sich eine Frau anzuschaffen. „Wat hältste davon?“ fragt er mich eines Tages. „Pitter, was willst du denn mit einer Frau anstellen?“ Pitter geht vor Lachen in seine rheumatisch geschädigten Knie und sagt nur ein Wort: „Kettele“ (kitzeln). Jetzt muß ich aber lachen.

 

Dann kommt er zu mir und unterbreitet mir einen Vorschlag, wie man das Herstellen von Atombomben verhindern könne:

„De Löck solle ken Altmaterial mie afjewwe, dat ös alles!“  Einfacher geht’s nicht!

Dann, eines guten Tages, kommt er mit einer Frage zu mir:

„Du fiers (fährst) doch öftich noh Kölle. Do jitt et doch Hüser, wo Fraue drenn senn. Do moß de ens erenn john. Ävve dat kos Jeld, fell Jeld. Warst de noch nie do drenn?“. Ich frage: „Pitter, was machen diese Frauen denn?“ Seine überraschend einfache Antwort lautet: „De nemmen enem de Hot af.“  (Die nehmen einem den Hut ab.) Tolles Vergnügen!

 

Jetzt ist er tot, still gestorben nach einem Leben ohne Höhen und Tiefen. Er war nie unglücklich, weil er alle Probleme, die uns normalen Sterblichen kompliziert und fast un-lösbar erscheinen (siehe Atombombenproblem), mit der Einfachheit seines Denkens beiseite schaffte. Ein begnadeter Mensch!

 

Ich bin ein Geselle, ein Flüchtling der Hölle.....

Die Angst, die Pitter vor dem Wald hatte, rührte bei ihm und auch bei anderen seiner Leidensgenossen von der Zeit her, wo die Fahrwege vielerorts durch das steinige Bachbett und die Fußpfade parallel hierzu oberhalb durch den Wald führten. Wer abends in der Dunkelheit hier des Weges kam, wurde immer wieder von herabhängenden Ästen geohrfeigt und von Trugbildern geplagt.

 

Ein Mann aus dem nahen Mahlberg, dem Geburtsort meiner Mutter unterhalb des alles überragenden Michelsberges, hatte es darauf abgesehen, auf einem dieser Waldpfade zwischen Münstereifel und Schönau seinen ungeliebten Nachbarn nachhaltig zu erschrecken. Zu dem Behufe postierte er sich mit einem weißen Bettlaken an geeigneter Stelle, das Herannahen des stets zu gleicher Stunde nach Hause wandernden Mannes abwartend. Dieser hatte von dem Plan erfahren und sich mit einer Schreckschusspistole bewaffnet.

Plötzlich springt das weiße „Gespenst“ hinter den Bäumen hervorkommend vor ihm auf den Waldpfad mit den Worten: „Ich bin gesandt vom höchsten Gott“, worauf der Nachbar, statt tödlich zu erschrecken, ein paar Schüsse abfeuert und brüllt: „Ich bin ein Geselle, ein Flüchtling der Hölle!“ Weiter kommt er nicht, denn der Gottgesandte verschwindet mit wehendem weißen Bettlaken und Angstgeschrei zwischen den Waldbäumen in der Dunkelheit.

 

Der Dorfhirt von Schönau

An anderer Stelle berichte ich von den singenden und musizierenden Schönauer Hütejungen. Opa erzählt, früher hätten die Leute neben den Ochsen und Kühen auch viele Schafe und Ziegen besessen, weit mehr als heutzutage. Dieses Kleinvieh wurde Morgen für Morgen von einem Gemeinde- oder Dorfhirt eingesammelt und am Dorf hinaus zu den Weideflächen entlang der Straßen und Wege getrieben. Der aus der Gemeindekasse entrichtete Lohn für diese Tätigkeit war recht karg. So kann man verstehen, dass sich keiner der normalen Dorfbewohner bereit fand, diese Arbeit zu verrichten. Also übertrug man sie dem sogenannten Dorfdepp.

 

Dieser hatte sich eine gewisse Marschordnung des Kleinviehs ausgedacht, die er auch strikt anwandte. Die behörnten Ziegen nannte er dieser Hörner wegen Spielleute. Kurz vor dem Ausgang des Dorfes gab er laut rufend den Befehl: „Spielleute vor!“ Dann gingen die Ziegen brav und gesittet an die Spitze des Zuges. Nun hatte er ein Problem: Meist versagten ihm just in diesem Moment seine Beine den Dienst. Man nennt das wohl eine automotorische Störung. Dann schlug er sich kräftig und beherzt mit einer Gerte gegen die mit ledernen Gamaschen geschützten Beine und rief: „Was, ihr Beine, wollt ihr wohl!“ Und aus dem Stand heraus preschte er mit ziegenbockartigen  Sprüngen entlang seiner Schützlinge nach vorne und übernahm, veitsartige Tänze vollführend, die Spitze des Zuges.

Unser Dorf, wie in einem Trichter zwischen den Bergen liegend, muss von Niemandem wegen Existenznöte verlassen werden, denn es gibt jedem, ob Normalbürger oder Kauz, wie diese Geschichte zeigt, genügend Raum zum Leben.

 

Drautche (Gertrudchen)

 

Greis durch Reifbildung      

Drautche ist dorfbekannt, weniger wegen ihrer Schönheit oder sonstiger hervorstechender körperlicher Besonderheiten, sondern wegen der von ihr meisterlich beherrschten Kunst der Wortverdrehung, wenn nicht sogar Wortschöpfung. Gegenüber achtunggebietenden Fremden angewandt, gedeiht diese Kunst besonders prächtig. Das kommt verständlicherweise daher, dass sie sich bei Respektspersonen einer besonders gewählten Ausdrucksweise bedient.

Kommt zum Beispiel an einem kalten Herbstmorgen ein gut gekleideter Vertreter die Dorfstraße entlang, öffnet sie flugs das Fenster, lehnt sich trotz Kälte weit hinaus und sagt im Hinblick auf die frühe Reifbildung auf den Gräsern der Dorfwiesen:

„Guten morgen der Herr! Es ist sehr greis heute morgen, der Herr. Gestern war es noch greiser.“

 

Gebiss verfüttert      

Neulich kam sie zu meinem Vater, um unser Telefon zu benutzen und ihrem Zahnarzt eine gewichtige Nachricht telefonisch zu hinterlassen. Vorweg ein wichtiger Hinweis zum Problem: Drautchen hatte während des Kartoffelschälens ihr künstliches Gebiß auf den Tisch gelegt und dieses achtlos mit den Kartoffelschalen in den Abfalleimer gescharrt. Dieser wurde anschließend ohne viel Federlesens in den Schweinetrog  geschüttet. Die Schweine, gewöhnt, mit allen möglichen Abfällen gefüttert zu werden, fraßen und verschlangen Kartoffelschalen nebst Gebiss gleichermaßen unterschiedslos gierig.

Nun das Telefongespräch: „Guten Tag Herr Doktor! Halten sie sich mal gut fest! Sie glauben sicher gar nicht, was mir passiert ist. Ich habe eben meinen Unterkiefer den Schweinen gefüttert.“

Nachtrag: Nach Jahr und Tag, so die Aussage von Drautchens Sohn, kam das Gebiss beim Eggen eines Feldes unverhofft, aber unbeschädigt, zum Vorschein. Da lag es nun, für jeden sichtbar, auf heimatlicher Scholle. Aber nun wurde es nicht mehr gebraucht.

 

Kredenzstreifen     

Während des letzten Kriegswinters, als die amerikanischen Jagdbomber tagtäglich am Himmel über Schönau erschienen, um den Nachschub der deutschen Wehrmacht zur nahen Front nachhaltig zu stören, erkannte sie diese Störgeister schon immer recht früh:

„Do komme de Jabos schon wedde. Ich hann de Kredenzstriefe jesehn.“ (Was die Kondensstreifen der Flugzeuge mit einer Kredenz genannten Anrichte zu tun hatten, blieb allen Anderen im Dorf unerfindlich. Je nach Laune und Wetterlage wurden sie von Drautchen auch Korrespondenzstreifen genannt.)

 „On evvens hann ich de Nachrichte jehuet (gehört). Do senn doch de Russe at am Rhing.“

„Nee, Drautche, de senn en Frankfurt an de Oder.“

„Jojo, dat sage ich doch. En Frankfurt an de Oder, do ovven am Rhing.“

(Drautchens geographische Bocksprünge)

Der hinzugekommene Lehrer von Schönau fühlte sich jetzt verpflichtet, erklärend einzugreifen:

„Frau Worrich, es gibt zwei Städte die Frankfurt heißen, die eine liegt weit in Ostdeutschland an der Oder, die andere am Main. Nun werfen sie die nur nicht durcheinander. Sie bringen ja selbst die Russen aus dem Konzept! Die haben gestern, und das ist schlimm genug,  Frankfurt an der Oder eingenommen. Also, den Krieg haben wir verloren.

Es gibt übrigens zur Zeit in Deutschland achtzehn Orte mit dem Namen Schönau. Aber die sind allesamt nicht wichtig genug, am Radio genannt zu werden.“

„Ooch, Herr Lehrer, dat hann sie mir evver in de Scholl net beijebräät (beigebracht). On denne Jabos ös uns Schönau wichtig jenoch für e paar Bömbche.“

 

Also, richtige Originale sind die genannten Menschen nicht. Dafür ist der Eifeler an sich Original genug, aber im positiven Sinne: Kernig, fleißig, gottesfürchtig und bescheiden.

 

Ich kann auch nicht über Waldbauernbub-Geschichten berichten, weil ich keine kenne. Und es ist mir trotz aufwendiger Recherchen und größter Mühen auch nicht gelungen, kriminalgeschichtsreife Vorkommnisse hervorzukramen. Aber ich habe das aufregende Zeitgeschehen, so wie ich es erlebt, empfunden und durchlebt habe, in meinem eigenen Kopf wiedergefunden, wo es sich eingenistet hatte und heute noch, in den Achtzigern meines Lebens, klar und abrufbar präsent ist. Und was könnte spannender sein, als die von uns durchlebte Zeit. Wann jemals vorher gab es so viele Stilbrüche in Politik, Gesellschaft und Gemeinschaftsleben? Warum sollte ich darüber hinaus weitere Geschichten und Geschichtchen erfinden?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Ein wenig dazugelernt

 

Studium und Berufsleben

Ich möchte diesen Bericht, der sich im Wesentlichen mit meinem Heranwachsen und (hoffentlich) Reifen in meiner Eifeler Heimat befasst, nicht überfrachten. Deshalb schlage ich hier mit dürren Worten einen großen Bogen, mein Studium und Berufsleben betreffend. Da es auch im Detail spannend genug ist, sollte seine Schilderung einen angemessenen Platz in einem nachstehenden Bericht finden. Es umfasst:

 

  • Ingenieurstudium und Abschluss
  • Tätigkeit als Ingenieur und Prokurist in einem Kölner Versorgungsbetrieb
  • Technische Geschäftsführung bei der Dresden Gas GmbH  bis zum vollendeten

      65. Lebensjahr

  • Versorgungstechnische Beratung in diversen ostdeutschen Versorgungsbetrieben bis zum vollendeten 70. Lebensjahr.

 

Schließen möchte ich mit einigen Betrachtungen zur geistigen Situation in Deutschland, die ich mit der Sturheit und Hartnäckigkeit des knorrigen Eiflers auch heute, in den Achtzigern meines Lebens, noch hellwach verfolge. Denn die in der Tradition dieses Berglandes verwurzelte Erziehung hat mir scheinbar mehr genützt als geschadet.