Herbst 1944, die Feuertaufe

Morgenthauplan

Karte zum Morgenthauplan

Ein Plan und zwei Worte mit verheerenden Folgen    

Ja, der Morgenthauplan!- Er wird am 02. September 1944 vom US-Staatssekretär Henry Morgenthau vorgelegt und spricht Deutschland die Fähigkeit ab, als freie Industrienation friedlich gegenüber seinen Nachbarn zu existieren. Deutschland muss nach der Kapitulation zerstückelt und zu einem reinen Agrarland umgewandelt werden, unfähig, jemals wieder zu einer größeren  Macht aufzusteigen. So, oder so ähnlich schwappt der Inhalt des Morgenthauplans zu uns Deutschen herüber. Am 28. November 1943, also vor einem Jahr, vereinbarten die Staatschefs Churchill, Roosevelt und Stalin auf der Konferenz in Teheran, das im sowjetischen Einflussbereich liegt (Stalin hat nie seinen Machtbereich verlassen), die Teilung Deutschlands. Selbst der deutsche, im amerikanischen Exil lebende Schriftsteller Thomas Mann sagt: „Die Deutschen sind vielleicht das Salz der Erde, aber als politische Nation unmöglich.“ Nun, dann müssen wir, verbissener als bisher, weiterkämpfen. (Diese Kämpfe haben mit einer Hitlerhörigkeit nichts mehr zu tun.) Und so kommt es zu den blutigen Schlachten des Herbstes, zum Beispiel im Hürtgenwald in der Nordeifel und im nördlich daran angrenzenden Gebiet der Dürener Börde, östlich der schon seit dem 21. Oktober 1944 in amerikanischer Hand befindlichen alten Kaiserstadt Aachen. Und der britische Militärkritiker Liddell Hart schreibt: „Die Geschichte wird vielleicht einmal sagen, daß die bedingungslose Kapitulation uns teurer zu stehen kam, als jedes andere Wort und jeder andere politische Schritt.“ 

Heraustreten aus der Masse : Bataillonsgefechtszeichner                

Aber noch liegen wir in Enschede in Holland. Der Stab des 3. Bataillons, Fallschirmjäger- Rgt. 5, sucht einen Gefechtszeichner und findet mich, 16jährig, als geeigneten Kandidaten. Nun sage ich der großen Masse ade und trete in meine neue Funktion ein. Ich denke, ich habe damit ein Glückslos gezogen, das zwar auch nicht ein Überleben sichert, aber wahrscheinlicher macht. Dieser Schritt und die anschließende Erfahrung erzeugen bei mir einen der wenigen Grundsätze: „Trete aus der Masse heraus!“

Ich bin der Jüngste beim Bataillonsstab und als solcher „der Piepel“ genannt. Ein etwas betagter Kamerad aus Dresden übernimmt so etwas wie die Vaterrolle mir gegenüber und wird mir eines Tages mit seinen aus Fronterfahrung stammenden Ratschlägen das Leben retten. Als Piepel stehe ich bei meinen älteren Kameraden vermutlich unter Jugendschutz, denn zu gewissen Abendvergnügen werde ich nicht mitgenommen. Eine „Anlaufstelle“ ist die deutsch-holländische Familie Heumann. Es hat sich herumgesprochen, daß Herr Heumann seine Frau zur Verfügung stellt, gegen Bezahlung oder Naturalien natürlich, und unter der Bedingung, dass er zusehen darf. Von einer solch abartigen Veranlagung hatte ich noch nie gehört und sie widert mich auch an. Als man mich kurz vor dem Transport zur Front einmal mitnimmt, diesmal nur zur Verabschiedung, sagt einer meiner Kameraden zu Frau Heumann.

 „Ja, unser Piepel war ja noch zu jung“, worauf Frau Heumann antwortet: „Aber er dud doch auch                                                                            seine Vlicht“.

Da die Partei nach den Vorkommnissen des 20. Juli 1944 mit dem Anschlag auf Hitler glaubt, den alten Offizieren politisch nicht trauen zu können, wird jetzt jedem Bataillon ein NS-Führungsoffizier zugeteilt. Diese Halboffiziere haben schmale Schulterstücke und werden von uns Schmalspuroffiziere genannt. Sie geben eine komische Figur ab und werden geschnitten, wo es nur geht. Unserer wird damit abgefunden, daß er das sittliche Benehmen der Soldaten nach Dienstschluß bis zum Zapfenstreich überwachen soll, „damit das Ansehen unserer Truppe in Holland nicht leidet“. Ja, das Benehmen! Ich habe kleine aber gut funktionierende Ohren und bekomme so manches mit, das sicherlich nicht für die Ohren der Ehefrauen zu Hause bestimmt ist. Es ist zum Teil unglaublich, paßt aber besser in eine Abendsendung einiger privater Fernsehgesellschaften als in diesen Bericht. Die Nähe des Todes mag ja dieses allabendliche Gerede, das, so vermute ich, oft nur einer blühenden Phantasie entspringt, begünstigen. Aber siehe „Familie Heumann“!



Der erste Düsenjäger der Welt, die Me 262

Erstes einsatzfähige Düsenflugzeug der Welt   

Während wir die Kameraden von der anderen Feldpostnummer, wie wir die alliierten Flieger nennen, täglich mit ihren zweimotorigen Martin-Marauder-Flugzeugen als sogenannte Schnellkommandos  am Himmel sehen, taucht jetzt hin und wieder auch ein superschnelles Flugzeug mit sonderbarem Turbogeräusch auf und setzt kurz hinter der deutschen Grenze zur Landung an. Es ist die Messerschmitt Me 262, das erste einsatzfähige Düsenflugzeug der Welt. Aber es kommt zu spät. Als Jagdflugzeug konzipiert, befahl Hitler den Umbau zum Bomber mit Sturzkampffähigkeit. und so fehlt Deutschland das Dach, der Schutz gegen die gewaltigen Bomberflotten der westlichen Alliierten. Es ist doch erstaunlich: Immer wieder wird auch bei uns Landsern von Sabotage geredet, die uns den Sieg kosten würde. Aber in höheren Militärkreisen spricht man jetzt auch hin und wieder von Fehlentwicklungen durch unsinnige Führerbefehle, die sich u.a. bei der Entwicklung und dem Einsatz überlegener Jagdflugzeuge bremsend und sogar verheerend auswirkten. Diese „Vermutungen“ sickern sogar bis in unseren Bataillonsstab durch. Weil Hitler immer wieder fordert, die Me 262 so umzurüsten, dass sie wenigstens eine Bombe mitschleppen kann, also sich mehr oder weniger zum Jagdbomber mausert, favorisiert die Entwicklung inzwischen einen sogenannten Volksjäger, die Heinkel He 162, die so winzig ist, dass sie als Jagdbomber von vorneherein ungeeignet ist. Und die soll. So munkelt man, ab Spätherbst 1944 in großen Stückzahlen gebaut werden. Nur, das fliegende Personal der Luftwaffe ist gar nicht scharf auf dieses Flugzeug, weil es der Me 262 gegenüber als Rückschritt gewertet wird. Das ist die dem totalen Zusammenbruch vorausgehende Nervosität der Führung.   

 

Fallschirmjäger mit guten englischen Sprachkenntnissen gesucht

Mehrere Wochen ist unser Bataillonsstab in einer Schule in Enschede (Niederlande) untergebracht. Er hat, wie alle Dienststellen der einzelnen Kompanien, einen Decknamen. Ich finde ihn zum Schmunzeln komisch: Gottesacker. Alle Anweisungen für das gesamte 3. Bataillon des Fallschirmjägerregiments 5 laufen hier ein und entsprechend klingelt das Telefon am laufenden Band. „Hier Gottesacker, hier Gottesacker....“. Eines Tages kommt der Befehl, alle englischsprechenden und im Fallschirmabsprung erfahrenen Soldaten des Bataillons zu melden. Nun geht das Rätselraten los, was hiermit wohl beabsichtigt ist. Die kursierenden Gerüchte nähern sich nach einigen Tagen unbewusst  der Wahrheit. Es sei geplant, den Oberkommandierenden der alliierten Streitkräfte an der Westfront, Dwight D. Eisenhower, tot oder (möglichst) lebendig zu schnappen. Außerdem sollen sie die richtungweisenden Straßenschilder in Belgien umdrehen, so dass die Amerikaner in die falschen Richtungen geleitet werden.

Die gemeldeten Fallschirmjäger werden unverzüglich aus unserer Einheit herausgezogen und zu einer Schnellausbildung auf den Truppenübungsplatz Grafenwöhr verlegt. Nachtrag: Sie werden tatsächlich am Tag der letzten deutschen Offensive (Ardennen- oder Rundstedtoffensive), dem 16. Dezember 1944, hinter den amerikanischen Linien verwirrungstiftend eingesetzt, dann aber sehr bald von den Amis  enttarnt, gefangengenommen und erschossen. Unser Bataillonskommandeur Ballfans hält sowieso nichts von derartigen „dilettantischen Unternehmen“, wie er es betitelt. Er ist auch darüber aufgebracht, dass ihm jetzt laufend Offiziere zugeführt werden, die den ganzen Krieg über skatspielend auf Fliegerhorsten als Bodenpersonal saßen. Das sind so seine Worte, nicht meine, denn ich glaube, dass wir die Leistung der Luftwaffe in ihrem fast aussichtlosen Kampf gegen die immer stärker werdende Luftmacht der Alliierten nicht zu gering einschätzen dürfen.  Er soll diesen Offizieren nun Führungsaufgaben als Kompanieführer in Einheiten mit fronterfahrenen Zugführern, Stabsgefreiten usw. zuweisen. Das tut er einfach nicht, sondern unterstellt sie diesen Leuten im Unteroffiziersrang. Basta! Die so praktisch degradierten Offiziere werden, so wird bei uns gemunkelt, bei der nächstbesten Gelegenheit die Seite wechseln und die amerikanische Gefangenschaft mit bekanntlich vorzüglicher Offiziersbehandlung dieser seelischen Misshandlung durch unseren Bataillonskommandeur vorziehen. Aber ein wenig verstehen kann ich ihn auch. Er ist einfach mit dem immer aussichtsloser werdenden Verlauf des Krieges unzufrieden.



Sicherung des deutschen Blutes

Diese Unzufriedenheit greift auch in unserem Stab immer mehr um sich. So geraten sich jetzt fast täglich zwei meiner Kameraden in die Haare, wenn es um die Bewertung unserer Kriegsziele im Allgemeinen und der Rolle der Partei im Besonderen geht. Man spricht immer dann von der Partei, wenn man Hitler meint, aber seinen Namen bewusst ungenannt lässt. Er gilt doch bei Vielen noch immer als tabu. „Wenn das der Führer wüsste“ ist ein häufiger Ausspruch. Oder: „Das sind die kleinen Hitler, die diese Verbrechen begehen, von denen unser Führer nichts weiß“. Verbrechen? O ja, Verbrechen!

Wir erhalten fast wöchentlich die neueste Ausgabe der Zeitung „Front und Heimat“. Unter dem Titel „Sicherung des deutschen Blutes“ wird erwähnt, wie viel von deutschen Soldaten gezeugte Kinder in den von uns besetzten Gebieten Europas heranwachsen und man sortiert sie fein säuberlich mit genauen Zahlenangaben nach Ländern. Und dann wird gefordert, diese Halbdeutschen ihren Müttern wegzunehmen und in Deutschland von überzeugten Volksgenossen im nationalsozialistischen Geiste erziehen zu lassen.



Aber der Verbleib dieser Besatzungskinder bei ihren Müttern wurde nach Kriegsende in sehr vielen Fällen zu einem Martyrium für sie.  Diese „fils de Boche“ nannte man in Frankreich „verfluchte Kinder“ (enfants maudits). Ihre lieblose Kindheit hat das Leben dieser heute über 60jährigen negativ geprägt.

 

Da wird eines dieser Kinder zum Beispiel vor versammelter Gemeinde gefragt, was der Unterschied zwischen einer Schwalbe und einem Boche sei. Die Antwort lautet: „Eine Schwalbe nimmt ihren Nachwuchs beim Weiterflug mit, ein Boche lässt den Nachwuchs hier in Frankreich zurück.“



Der Volksjäger Heinkel He 162

Wohltuend empfundene Freundlichkeit der rheinischen Menschen        

Der Herbst kommt als Kunstmaler daher und beginnt, die Natur mit seinen bunten Farben zu verschönern. Herrliche Farbtupfer in einem tristen, grauen Soldatenalltag! Und wir müssen Mitte November 1944 mal wieder einen Truppentransportzug besteigen, der uns nach längerer Fahrt durch nebelverhangene Landschaften ins Rheinland bringt. Wir wissen, dass es an irgendeinen Frontabschnitt im Westen geht, stehen mit entsprechend deprimierter Stimmung an den Waggontüren und singen kanonartig das Lied. „ Unrasiert und fern der Heimat...“. Irgendwann wird uns bewusst, dass sich dort draußen etwas grundlegend geändert hat. Richtig! Die freundlich winkenden Menschen. Wir sind im Rheinland! Und das wird von allen Kameraden, die ja aus allen Teilen Deutschlands, einschließlich der Ostmark (Österreich) kommen, bestätigt: Diese wohltuende Freundlichkeit. Warum, so fragen wir uns, hat der Rheinländer diese  menschliche Mentalität? Und warum ist er weniger anfällig gegenüber extremen politischen Strömungen? Es darf darüber nachgedacht werden! Während man in Mitteldeutschland mit Heil Hitler! grüßen muss, um in den Geschäften überhaupt bedient zu werden, hat dieser Gruß hier die entgegengesetzte Wirkung.

Vor dem Fronteinsatz: Ein kurzer Besuch bei Verwandten

Wir überqueren nachts den Rhein über die Kölner Südbrücke und fahren zunächst bis Euskirchen. Hier wird die Parole ausgegeben, wir würden bis  Münstereifel fahren. Bei Tagesanbruch erkennen wir aber den Bahnhof von Gemünd in der Eifel. Das sind die bewußten und gewollten Irreführungen. Für mich bedeutet der Anblick der Eifelberge trotz des Grollens der nahen Front so etwas wie Heimkehr. Eine sonderbare Gefühlsmischung! Und dann habe ich hier in Gemünd Verwandte wohnen: Die Schwester meines Vaters mit Mann und Kindern. Mein Dresdener Kamerad und ich nutzen den kurzen Aufenthalt und besuchen meine Verwandten, natürlich vollkommen unverhofft.. Die Tante empfängt uns an der Tür und bricht sofort in heftiges Schluchzen aus. Dann erzählt sie, wie am 10. Mai 1940 mein Vater auf dem Weg zur Front auch hier unverhofft als Reitersoldat erschienen und wie sie damals, so wie jetzt, die Tränen nicht zurückhalten konnte. Aber diesmal ist die gesamte Situation weit schlimmer. Die amerikanische schwere Artillerie schießt über die Stadt hinweg in den dahinter liegenden Berghang, wo sich die zweite Bunkerlinie des Westwalls befindet. Ihre jüngste Tochter, die mit Scharlach im Krankenhaus Mechernich/Eifel lag, wurde vor einigen Tagen durch eine Fliegerbombe getötet. Das Krankenhaus wurde einige Tage später in ein stillgelegtes Bleibergwerk verlegt. Meine Verwandten rüsten zum Aufbruch; sie werden in den nächsten Tagen ihr Haus hier verlassen und zu meinen Eltern in mein Heimatdorf Schönau, das weiter von der Front entfernt ist, ziehen.



Lichter in der Dunkelheit

Auf Abstellgleisen steh‘n wir hier             Denn herzlich werden wir gegrüßt

im Bahnhof in der Eifel *.                       von allen die uns sehen,

Wir lugen durch die Schiebetür                obwohl auch deren Glück zerfließt

und seh’n ein weiß‘ Geschneifel.              im harten Kriegsgeschehen.

 

In dem Waggon ist’s lausig kühl,              Die Kameraden glauben’s kaum

die Glieder sind durchfroren.                    und können nicht begreifen,

wir kennen weder Weg noch Ziel              das in diesem deutschen Raum

drum spitzen wir die Ohren.                     solch Freundlichkeiten reifen.

 

Die Front ist von hier nicht mehr weit;       Wir fuhren doch durch weites Land,

sie lässt uns donnernd grüßen,                  durch viele deutsche Orte,

indem sie die Granaten speit                     wo wir vermissten Herz und Hand

der kleinen Stadt zu Füßen.                       und mitfühlsame Worte.

 

Was über unsre Köpfe rauscht                 Dort sahen wir manch strammen Arm

krepiert im nächsten Hange.                    den Hitlergruß uns bieten.

Wenn man dem Feuerzauber lauscht,        Das machte unser Herz nicht warm

wird’s einem Angst und Bange.                 und ging nicht zu Gemüten.

 

„Was ist das hier für eine Welt?“             Doch hier, wo’s Herz zum Herzen spricht,

ist unsre stumme Frage,                         macht man nicht solche Faxen,

bis alle Schwermut sich erhellt,               weil in der Berge Angesicht

an diesem trüben Tage.                          die Menschlichkeiten wachsen.

 

                                               Noch in der Nacht müssen wir fort,

                                               hin zu den Kämpfern schreiten.

                                               Doch dies Erlebnis hier wird dort

                                               uns lange noch begleiten.

 

 

 

                          *) Bahnhof Gemünd auf der Bahnstrecke Kall – Hellenthal.

-

 

In der Nacht werden wir mit abgedunkelten Lkws von Gemünd durch den Kermeterwald nach Zülpich, das auch bereits unter Beschuß durch die weitreichende schwere Artillerie liegt, transportiert. Ich muss auf dem rechten Kotflügel Platz nehmen. So im Freien sitzend, kann ich die an den Straßenbäumen angebundenen Pferde einer bespannten Einheit fast mit Händen greifen. Ihre Nähe wird mir unangenehm bewusst, da ich ihre Schwänze andauernd im Gesicht zu spüren bekomme. Wir dürfen uns in Zülpich bis zum Morgen, sporadisch von den Granateneinschlägen gestört, ausruhen und marschieren dann, wegen der Jagdbombertätigkeit in Gruppen von maximal fünf Mann, über das total zerstörte Düren nach Langerwehe am Rand des Hürtgenwaldes. Wir haben den Befehl, in der kommenden Nacht südlich von Langerwehe eine stark reduzierte Einheit abzulösen. Das wird dann mein erstes Fronterlebnis sein. Während des ermüdend langen Marsches versuche ich, mir eine Vorstellung von den kommenden Ereignissen zu machen. Da dies mißlingt, reduziert sich das, was in meinem Kopf herumgeht, auf eine Melodie aus „Reiters Morgengesang“ von Wilhelm Hauff:



Morgenrot, Morgenrot

Leuchtest mir zum frühen Tod?

Bald wird die Trompete blasen,

Dann muß ich mein Leben lassen,

Ich und mancher Kamerad.

 

Kaum gedacht, kaum gedacht,

Wird der Lust ein End gemacht!

Gestern noch auf stolzen Rossen,

Heute durch die Brust geschossen,

Morgen in das kühle Grab.

 

Ach, wie bald, ach, wie bald

Schwinden Schönheit und Gestalt!

Tust du stolz mit deinen Wangen,

Die wie Milch und Purpur prangen?

Ach, die Rosen welken all!

 

Darum still, darum still

Füg ich mich, wie Gott es will.

Nun, so will ich wacker streiten,

Und soll ich den Tod erleiden,

Stirbt ein braver Reitersmann

.

 

 



Nach der Schlacht (unbekannter Maler)

Diese fast romantischen Gedanken werden immer wieder von anfliegenden Jagdbombern der Amerikaner gestört. Da heißt es, schnell in den Straßengraben springen und flach liegend den Weiterflug dieser „giftigen Insekten“ abwarten. Denn deren Aufgabe wird ja darin bestehen, so denke ich, die zur Verstärkung der Front anrückenden Soldaten, klipp und klar gesagt, zu töten. Und das gefällt mir ganz und gar nicht. Mein Gehirn arbeitet wie verrückt. Ich muss ja auf diesem Marsch in die Todeszone der Front ganze Jahre mit fehlender Erfahrung und Reife überspringen. Sicher wird es in den nächsten Stunden und Tagen manche von uns erwischen. Vielleicht auch mich. Deshalb lege ich mir jetzt zur Stabilisierung meiner Nerven einen stählernen Panzer um mein Herz. „Lieber Gott, wenn es mich treffen soll, so nimm mich auf in eine bessere Welt, denn das hier ist ja auch kein lebenswertes Dasein“. Das hilft! Ich stelle mir das so vor: Ich stehe am Fenster eines brennenden Hauses. Unter mir ist vor lauter Rauch keine Sicht. Aber aus diesem jede Sicht nehmenden Dunst höre ich eine Stimme: „Spring!“ Und ich springe im festen Glauben, aufgefangen zu werden. Kindisch? Nun gut! Aber ich werde ab sofort kein Bittgebet mehr sprechen, sondern nach überstandener Gefahr stets ein Dankgebet aus dem Vorrat meiner zu Ende gehenden Kinderwelt hervorkramen.

Aufgepasst, da sind sie wieder, diese feurigen Hornissen mit amerikanischen Kennzeichen. Jetzt kommen sie zu mehreren. Wenn einer abdreht, kommt ein anderer auf uns zu. Und dann rattern die Bordwaffen. Ein unschönes Geräusch. Es ist dann besser, sich tot zu stellen, als getötet zu werden. Dann fliegen sie gemeinsam wieder weg und melden auf ihren Frontflughafen vermutlich: Befehl ausgeführt. Wir aber marschieren erleichtert weiter. Aber es wird bald noch schlimmer kommen. Die Front meldet sich bereits , immer lauter und beängstigender werdend, als ein ununterbrochenes Grollen mit einem dauernden Flackern in den herbstlichen Wolken. Wir können sie also nicht verfehlen.

 

 

 

 

 



Die Feuertaufe beginnt

Amerikanisches Sperrfeuer am Rande des Hürtgenwaldes             

Immer noch in kleinen Gruppen marschierend, haben wir das Trümmerfeld Düren, einst eine der reichsten Städte Deutschlands, wo jetzt noch zivile Fliegeropfer in den Straßen liegen, durchquert. Ein Dürener Kamerad verliert angesichts dieses Bildes der Zerstörung die Nerven und jammert untröstlich, hemmungslos und sich dauernd wiederholend: „Meine arme Mutter!“ Er wird ziemlich „hart angefaßt“, wie man sagt, die einzige Medizin gegen Frontkoller und ähnliche Gemütszustände. Aber dieses Erlebnis geht nicht spurlos an mir vorüber. Wenn die gesamte Familie des Dürener Kameraden in den pausenlosen Bombardierungen eines einzigen Tages ausgelöscht wurde, was anzunehmen ist, dann macht sein Weg zur Front für ihn persönlich keinen Sinn mehr, es sei denn, er ginge nach vorne, um sich zu rächen. Aber er würde sich gegenüber Infanteriesoldaten rächen, die mit der Zerstörung Dürens sowenig zu tun haben, wie die Mütter der Bomberbesatzungen. Nein, er geht an eine für ihn sinnlos gewordene Front, vielmehr stolpert er in diese hinein. Wenn er Glück hat, kommt er in Gefangenschaft und beginnt nach diesem Krieg ein neues Leben. Vor uns liegen das kleine Städtchen Langerwehe und dahinter die Ausläufer des hart umkämpften Hürtgenwaldes der Eifel. Warum umgehen wir den Ort nicht? Wir hören doch schon beim Näherkommen den unaufhörlichen Artilleriebeschuß. Eine schöne Begrüßungsmusik statt des im Lied besungen Trompetenblasens.

In der Stadtmitte angekommen, hat uns die hereinbrechende Dunkelheit aufgenommen. Aber genau zu diesem Zeitpunkt werden wir voll von einem Artilleriegeschoßhagel erwischt. Plötzlich vermisse ich meinen linken Nebenmann und finde ihn dann in der Dunkelheit wieder: Tot und ohne Kopf. Er ist nicht das einzige Opfer des weiter andauernden Feuerüberfalls. Ich habe soeben mein 17. Lebensjahr vollendet und möchte überleben. Da taucht unvermutet mein Dresdener Kamerad auf und hilft mir, aus der Gefahrenzone zu verschwinden. Zunächst stellt er fest, daß sich die Einschläge der Granaten leicht nach hinten verlagern. Also eilen wir, von Hauseingang zu Hauseingang springend, nach vorne. Wir landen schließlich in einer Mühle (Bender Mühle) am Stadtrand, die mit ihren dicken Bruchsteinmauern etwas Schutz bietet. Hier bezieht schließlich auch der gesamte Bataillonsstab Frontquartier. Ich glaube, heute ist der 27. November. Die Kompanien unseres Bataillons ziehen weiter vor, um die befohlene Ablösung der abgekämpften Einheit zu vollziehen. Doch der Amerikaner hat dieses Manöver bemerkt und stößt in diese nächtlichen Truppenbewegungen hinein. Bei Dunkelheit geht schnell die Übersicht verloren und es ist geboten, weiter rückwärts eine neue Hauptkampflinie aufzubauen. Diese wird unter hohen Verlusten notdürftig erstellt und einige Tage  gehalten. Im Wehrmachtsbericht heißt es am 30.11.44: Das Fallschirmjägerregiment 5 gewann bei Merode verlorenes Gelände zurück. Immerhin gibt sie hierdurch den benachbarten Bataillonen des Fallschirmjägerregiments 6 der 3. Division die Möglichkeit, die bis Merode vorgedrungenen Einheiten der 1. US- Infanteriedivision abzuschneiden und bis Ende November 1944 aufzureiben. Das Schloß Merode kann von den Amerikanern erst am 11. Dezember endgültig erobert werden



Das Schloss Merode bei Langerwehe vor den Kämpfen

Die Front, eine falsche Welt              

An einem der tristen Herbsttage Ende November, Anfang Dezember steht Langerwehe wegen vorausgegangenem Dauerregen in der Eifel unter Wasser. Dieses dringt auch in unser Frontlazarett ein, das in Gewölbekellern unter dem Bahndamm untergebracht ist. Die mit Schmerzen auf dem Fußboden liegenden Schwerverwundeten sind durch das eindringende verschmutzte Wasser aufs höchste gefährdet und müssen höher gelegt oder weggetragen werden. Zu allem Überfluß schießt die amerikanische Artillerie jetzt auch noch mit Phosphorgranaten und der Phosphor klebt mittlerweile an den Wänden, Türen, Brücken und auf dem Boden. Man kann trotz aller Vorsicht nicht vermeiden, hiermit in Berührung zu kommen und so wandern wir mit leuchtenden Händen und Schuhsohlen durch die Dunkelheit.

Obergeich

In einem kleinen Dorf namens Obergeich richten wir unseren Stab in einem halbwegs brauchbaren Keller ein. Das Haus über dem Keller liegt zwar, wie alle Häuser des Ortes, unter Granatfeuer, aber das wird für etwa drei Wochen ständige Begleitmusik sein.



Schloss Merode nach der Rückeroberung durch die deutschen Fallschirmjäger

Als Meldegänger bin ich Beobachtungsobjekt der amerikanischen Artillerie- Aufklärungsflugeuge.                      

Tagsüber habe ich die Aufgabe, als Melder z.b.V. zwischen Bataillons- und Regimentsstab hin und her zu pendeln. Das permanente Störfeuer der amerikanischen Artillerie wird durch sogenannte Arie (Artillerie)- Aufklärer, langsam fliegende Hochdecker, gelenkt. Damit ihnen keine unserer Bewegungen durch die Lappen geht, sind immer drei Stück am Himmel. Dreht einer ab, kommt mindestens einer der beiden anderen auf mich zu. Weil ein einsamer Meldegänger vom Gegner unter „wichtiges Ziel“ eingestuft wird, werde ich bald mit Schrapnell- Granaten eingedeckt. Da ich überleben will, bleibe ich bis zur Dunkelheit wie tot liegen, um dann, höchst lebendig, meinen Meldegang zu Ende zu führen. Diese gefährlichen „Ausflüge“ wiederholen sich Tag für Tag.

Der schreckliche Opfergang der Sturmgeschützbesatzungen        

Abends zeichne ich Minenfelder, Zielvorgaben für unsere Artillerie und, immer häufiger, Gräberskizzen. Schießt unsere Artillerie einmal versehentlich in die eigenen Reihen, habe ich den Nachweis zu führen, daß der Fehler nicht bei mir liegt. Wir erhalten mehrmals die Woche Verstärkung durch ein Sturmgeschütz. Am Abend vor dem Einsatz sitzt die Besatzung mit uns zusammen in unserem Keller. Da werden Fotos rundg die den Panzerkommandant als stolzen Reiter der früheren Kavallerie zeigen, beim Ausritt oder beim Vorführen der Hohen Schule.

Wir haben dann ein mulmiges Gefühl, wenn nicht ein schlechtes Gewissen, kennen wir doch das weitere Schicksal der Sturmgeschützbesatzung. Also: Vor Morgengrauen bezieht man Stellung

Deutsches Sturmgeschütz fährt in Position

etwa hinter einem Heuschober. Dann feuert man in Richtung der Amerikaner. Diese, technisch hervorragend ausgestattet, messen die Abschußstelle genau ein und identifizieren sie. Kurze Zeit später wird der Heuschober in Brand geschossen und das Sturmgeschütz seiner Deckung beraubt. Eine der nächsten Schüsse mit panzerbrechender Munition trifft das Sturmgeschütz. Es gelingt der Besatzung ganz selten, sich mit einem Sprung ins Freie zu retten. Ein paar Tage später beginnt dieselbe Prozedur mit einem neuen Sturmgeschütz. Der Amerikaner hat einen unschätzbaren militärischen Vorteil während  dieses Stellungskrieges. Während wir uns in der Ebene schutzlos bewegen müssen, liegt er mit seinen Geschützen, die, der Intensität des Beschusses nach zu urteilen, Rad an Rad stehen müssen, in den bewaldeten Ausläufern des Hürtgenwaldes. Und da der gesamte Frontbereich schon vor Wochen von der Zivilbevölkerung geräumt worden war, ist alles was sich bewegt militärischer Natur.

Nachts gibt es im Schutz der Dunkelheit noch einige deutsche Aktivitäten. Dann schießt auch unsere Artillerie und die schießt, den Berichten der Amerikaner nach zu urteilen, recht genau und wirkungsvoll. Die hohe Verluste bringenden „Baumkrepierer“ der Deutschen werden u.a. in Hemingways Buch „Über den Fluß und in die Wälder“ beschrieben. Der Fluß ist die den Hürtgenwald durchfließende Weiße Wehe. Dann wird die Dunkelheit für Spähtruppunternehmen, sogenannte Himmelfahrtskommandos, genutzt. Eines Nachts kommt einer unserer Spähtruppführer mit einem Amerikaner, der, als vorgeschobener Beobachter eingesetzt, von ihm überrascht und gefangengenommen wurde, in unseren Keller. Unser „Held“ benimmt sich übertrieben großspurig und nimmt die Tascheninhalte des Gefangenen, die teils militärischer, teils ziviler Natur sind, an sich. Uns laufen die Augen über: In Miniatur-Landkarten sind unsere Einheiten mit Bezeichnung der Einheit, genauem Standort, Personalstärke, Name der Kommandeure usw. so genau eingezeichnet, daß wir gut daran tun, unsere eigenen vagen Unterlagen an Hand der amerikanischen zu korrigieren. Dann interessiert uns vor allem das Funksprechgerät, mit dem einer unserer der englischen Sprache  mächtigen Offiziere sofort Sprechkontakt mit einem Amerikaner aufnimmt, bis dieser das Gespräch mit „Damned German“ abbricht. Unser Offizier macht den Spähtruppführer auf die Haager Konvention aufmerksam und fordert ihn auf, dem Gefangenen die zivilen Sachen zurückzugeben. Zu den zivilen Unterlagen zählen die miniaturverpackten Süßigkeiten und Stärkungsmittel, Zigaretten, eine Bibel in Kleinformat, um nur einige zu nennen.

 

Dauerfeuer der amerikanischen Artillerie

Es ist schon nervenaufreibend, dieses ununterbrochene Trommelfeuer. Wir sind aufgefordert, die durchschnittlichen Einschläge pro Tag zu melden. Doch das gibt unsinnig hohe Zahlen, also melden wir nach kurzer Zeit die Einschläge pro Minute. Glaubt jemand, seine Notdurft draußen zwischen den Trümmern verrichten zu müssen, so wird er kurz darauf tot oder sterbend wieder zu uns in den Keller getragen. Jetzt kommen auch die Verpflegungsfahrzeuge kaum noch durch. Hunger macht sich breit.



Nach tagelangem Artilleriebeschuss kommen die amerikanischen Panzer. 

Liebes Herz, rutsche mir nicht in die Hose!  



Unternehmen Greif (oder Operation Eisenhower)

Bei einem geglückten Antransport von Verpflegung wird ein Aufruf an alle Fallschirmjäger, die der englischen Sprache kundig sind, per Geheimbefehl durchgegeben, sich umgehend zu melden. Das Papier muss umgehend verbrannt werden. Diejenigen Kameraden die sich melden, werden nach ein paar Tagen abgeholt und in einem uns unbekannten Ort weit hinter der Front zusammengeführt. Dort soll die Tauglichkeit, insbesondere anhand der Sprachkenntnisse, geprüft werden. Trotz aller Geheimhaltung sickert nach und nach durch, dass diese Kameraden als Amerikaner verkleidet hinter der Front abgesetzt werden sollen, um bei einer kurz bevorstehenden deutschen Offensive hinter den amerikanischen Linien Sabotageakte zu begehen, Orts- und Straßenschilder zu verändern, strategisch wichtige Brücken über die Maas unzerstört zu besetzen  und des obersten alliierten Führers im Westen, General Eisenhower, habhaft zu werden. Wir werden auch angewiesen, sämtliches Beutegut nach hinten zu transportieren. Hiermit soll die Echtheit der abgesetzten Einheiten augenscheinlich bewiesen werden. Dann hören wir nichts mehr von der Aktion, die bei uns auch bald wieder in Vergessenheit gerät.

 

Ruhe vor dem Sturm      

Nach etwa drei Wochen legt der Amerikaner eine Feuerpause ein. Wir hören aber den ganzen Tag über und auch in der darauffolgenden Nacht höchst verdächtige Kettengeräusche, die auf eine Bereitstellung starker Panzerverbände zum bevorstehenden Angriff schließen lassen.

Der Großangriff der Amerikanischen 1. Armee 

Und dann kommen sie im Morgengrauen des 10. Dezember 1944: 65 Panzer mit aufgesessener Infanterie zählen wir. Bis zum Nachmittag haben sie unseren Ort umzingelt und beginnen nun mit dem Angriff der Infanterie. Wir haben unseren Keller verlassen und empfangen die Fußtruppen des Gegners an einem offenen Stallfenster liegend mit Abwehrfeuer. Ein bereits in unserer Straße stehender Sherman- Panzer wird uns nicht gefährlich, da wir im toten Winkel seiner Kanone liegen. Mit einer Panzerfaust wird er unschädlich gemacht. Sowohl die Amerikaner als auch wir feuern mit Leuchtspurmunition und der herbstliche Himmel ist voller leuchtender Geschossgarben. Wegen hoher Verluste verschieben die Amerikaner das Eindringen in den Ort bis zum frühen Abend, nachdem dieser vorher nochmals mit reichlich Artilleriebeschuß bedacht wurde.



Unser Regimentskommandeur  Oberstleutnant Karl Heinz Becker.          


 

Als die Panzer und gepanzerten Mannschaftswagen  in das Dorf einrücken,  hat sich der Rest unserer Einheit im Keller versteckt. Von hier aus hören wir die Kommandos der Amerikaner, die versuchen, ihre Fahrzeuge in den noch nicht von Feuer bedrohten Scheunen unterzustellen. Ein amerikanischer GI, der versucht, unsere Kellertreppe herunterzuschleichen, muß diesen Leichtsinn leider mit seinem Leben bezahlen.

Gegen Mitternacht verlassen wir den Keller und auch das Gehöft auf der Rückseite und gehen dann aufrecht, aber ohne den verräterischen deutschen Stahlhelm auf dem Kopf, in Richtung Düren- Birkesdorf. Einige amerikanische Soldaten sitzen auf ihren Jeeps und halten uns für eigene Leute.



Oberstleutnant Karl Heinz Becker

Kampfgruppe Becker

Am 13. Dezember werden wir wegen hoher Verluste abgelöst.

Der traurige Rest des Fallschirmjägerregiments 5 sammelt sich am anderen Morgen in Birkesdorf und wird ihrer Kleinheit wegen in „Kampfgruppe Becker“ umgetauft. Becker ist unser Regimentskommandeur, dessen Name bei unseren Gegnern mit Respekt und Anerkennung genannt wird. Wir werden im Laufe des Tages mit der inzwischen eingetroffenen Marketenderware eingedeckt, die von der Menge her für ein Vielfaches unseres jetzigen   Mannschaftsbestandes bestimmt war. Ein makabrer Überfluss!

Nach dem Kriege werde ich erfahren, daß Gottseidank nicht alle fehlenden Kameraden gefallen sind, sondern ein beträchtlicher Teil in Gefangenschaft geriet und nach Amerika verschifft wurde. Während unseres Aufenthalts im Keller hatten wir noch überlegt, ob wir uns zurück oder in Gefangenschaft begeben sollten. Es wurde dann argumentiert, das interessante Gefangenenleben in Amerika käme nicht mehr zur Anwendung. Stattdessen würden alle arbeitsfähigen Gefangenen in französischen Bergwerken eingesetzt.

Becker              

Es wird später einmal von Interesse sein zu erfahren, was für ein Mensch so ein Kommandeur eines Fallschirmjägerregiments ist. Nun, Karl Heinz Becker wurde am 02. Januar.1914 in Schwedt an der Oder, Regierungsbezirk Frankfurt/Oder, geboren. Er sprang am 20. Mai 1941 als Oberleutnant mit dem III. Bataillon des Fallschirmjägerregiments 1 in der Nähe der Stadt Heraklion (Iraklion) auf Kreta ab und erhielt wegen seiner militärischen Verdienste als Kompaniechef bei der zweimaligen Einnahme dieser Stadt gegen britischen Widerstand am 09.Juli 1941 das Ritterkreuz. Bekannt wurden die Fallschirmjäger später bei den Kämpfen bei Ortona und Nettuno sowie Monte Cassino in Italien als die „Grünen Teufel“ (wegen der grünen Hosen). Auch hier bewährte sich Becker.

Ergänzend zum Wehrmachtsbericht wurde am 29.07.1944 gemeldet: „In den schweren Kämpfe im Raum St. Lô (Normandie) haben sich in den letzten Wochen in Abwehr und Gegenangriff besonders ausgezeichnet: ... das Fallschirmjägerregiment 5 unter seinem Kommandeur Major Heinz Becker“. Das ist unser „Haufen“! Später gelang ihm der Ausbruch aus dem Kessel von Fallaise in der Normandie. Bei den vorher geschilderten Kämpfen westlich der Rur bei Düren, im Wehrmachtsbericht fast täglich als „Kämpfe im Roerbrückenkopf“ erwähnt, wird Becker nachts von den Amerikanern über deren Propagandalautsprecher öfters persönlich angesprochen. Hierbei wird ihm wiederholt versichert, er werde nach dem Krieg sein Grandhotel in den USA behalten können. Da die Amis weder direkt noch indirekt über Lautsprecher oder Mobiltelefone mit mir kommunizieren, kann ich mir von ihnen nicht bestätigen lassen, ob Becker wirklich ein solches Hotel in den USA besitzt. Warum wir, die Soldaten seines Regiments, als „Beckerhorden“ betitelt werden, wird mir ewig ein Rätsel bleiben. Sicher, es gibt erwähnenswerte Vorkommnisse, die vom militärischen Standpunkt aus betrachtet, durchaus als unüblich gelten können. Ein Beispiel: Da der Nachschub stockt, gibt’s auch keine Verpflegung, dafür aber zunehmenden Hunger. Eines nachts kommt zu unser aller Freude ein Stoßtrupp mit vollbeladener und dampfender amerikanischer Feldküche vom Einsatz zurück. So etwas kann ja auch nur die Tat einer Horde sein.   Ein Gag der Amerikaner ist die „Weitergabe“ einer Anordnung oder Empfehlung Beckers an uns, bei kalten Füßen sollten wir uns gegenseitig in den Hintern treten. Man merkt, zwischen der tödlich wirkenden und auch so beabsichtigten Schießerei gibt’s auch so etwas wie Humor.

Aber in zunehmendem Maße vergeht uns das Lachen. Schade! Wir sind doch noch so jung.

 

 

Frontkoller       

Noch eines sei erwähnt: Während unseres Kellerdaseins vor dem letzten amerikanischen Angriff führt das  nervenaufreibende Warten bei dem einen oder anderen Kameraden zum sogenannten „Frontkoller“, einem Versagen der Nerven. Wenn dann plötzlich, wie aus heiterem Himmel, ein sonst recht friedlicher Landser seine Vorgesetzten beschimpft und „zur Sau macht“, liegen eindeutige  Symptome der genannten Krankheit vor. Da hilft am besten ein KO- Schlag. Aber nachträgliche disziplinarische Maßnahmen zieht dieses Ausrasten niemals nach sich. Denn beim Wiederaufwachen ist dieser Soldat, der eben noch als unzurechnungsfähig galt, wieder ein Anderer. Er kann deshalb auch nicht für das Benehmen des Einen verantwortlich gemacht werden. Wir haben es hier mit zwei verschiedenen Menschen zu tun. Doch wird kein Wort darüber verloren, so, als sei nichts geschehen. Die Front, die ihre eigene Landschaft, ihre eigenen Geräusche und Gerüche  hat, entwickelt auch ihre eigenen unausgesprochenen und ungeschriebenen Gesetze. Sie haben mit dem in Kasernen und auf Truppenübungsplätzen durch Drill empfangenen so wenig zu tun, wie mit den Schlachtengemälden in den Bildergalerien.

Es wird auch immer öfter von einer Nachkriegsauseinandersetzung zwischen Militär und Partei, einschließlich SS gesprochen, und das ganz offen. Der SS verübelt man, sie habe bei der Mussolini- Befreiung auf dem Gran Sasso in den Abbruzzen die Fallschirmtruppe ausgetrickst. Aber diese Auseinandersetzung setzt ja ein Gewinnen des Krieges voraus. Und daran glauben nur noch wenige.

„Dichtung und Wahrheit“

Was hat mich dieser erste Fronteinsatz gelehrt? Alles was man uns als Kriegsromantik in Büchern, Zeitungen und Rundfunkberichten geschildert hatte, ist nicht eingetroffen. In unserem Schullesebuch wurde unter der Überschrift „Feuertaufe“ über Hitlers erste Fronterfahrung im Ersten Weltkrieg (in etwa) berichtet: „Als wir dem Trommelfeuer der Artillerie immer näher kamen, hörten wir ein Lied, erst noch undeutlich aus der Ferne, dann immer näher kommend. Es wurde weitergegeben von einer Angriffswelle zur nächsten, immer weiter nach hinten. Und als der Tod auch in unseren Reihen Ernte hielt, da erreichte das Lied auch uns und wir gaben wieder weiter: Deutschland, Deutschland über alles...“ Wie konnte man uns einen solchen Unsinn auftischen? Was ich erlebte, ist an einfachen Bildern festzumachen, die nichts Heroisches beinhalteten. Sicherlich hören auch wir das fast ununterbrochene Grollen der Front, erst von ferne, dann immer näher kommend. Aber es ist ein Gewöhnen auf Raten. Und als die Einschläge immer näher kommen, überhört man diese Hintergrundmusik. Jetzt zählt nur noch das, was akute Gefahr bedeutet: Das kurze, bedrohlich kurze, Pfeifen einer Granate, der Einschlag in nächster Nähe und die Splitterwirkung. Die Geschosse der schweren Artillerie hören sich so an, als ob schwere Koffer über unsere Köpfe hinweg fliegen würden. Sie erzeugen weniger ein Pfeifen, als vielmehr das Geräusch eines unsichtbaren tieffliegenden Lastenseglers. Ich höre niemanden singen, nur leise gemurmelte Kommandos und kurze Anweisungen für die Sanitäter zur Versorgung der Verwundeten. Man entdeckt in einer Hauswand einen Schutz gewährenden Eingang. Das zählt dann mehr als alle theoretische Ausbildung in den Wäldern Mecklenburgs. Man hört, ob das Artilleriefeuer nach vorn oder nach hinten verlegt wird, setzt diese Feststellung in die eigene Fortbewegung um und entwickelt sehr schnell den sogenannten, für das Überleben so wichtigen sechsten Sinn. Aus den Lagekarten in Meßtischblattformat entnimmt man wertvolle Angaben über tieferliegendes, Sichtschutz bietendes Gelände. So wird der Weg nach vorne nicht vom Gesang der in der Gefahrenzone angekommenen opferbereiten Kameraden bestimmt, sondern von der Beschaffenheit des Geländes. Und so werden mir die gütigen Kiesgruben und Windschutzhecken in ewiger dankbarer Erinnerung bleiben. Weiter nichts! Die Größe der Gefahr wird einem immer erst im Nachherein bewußt, wenn man erfährt, wieviel und welche Kameraden gefallen sind oder mit Verwundungen in die Lazarette überführt werden müssen. In den Stunden der Gefahr selbst hat man nur Angst, wenn einem jede Möglichkeit für ein Reagieren versagt ist, andernfalls hat man einfach keine Zeit, um ein Angstgefühl zu entwickeln. Aber mit Heldentum hat das alles sehr wenig oder gar nichts zu tun. Klar, nach überstandener Gefahr, meist erst einige Tage später, versucht man sich das gefahrvolle Erlebnis nochmals „auszumalen“ und läuft dabei ernsthaft Gefahr, sich ein verklärtes, unechtes Bild auszudenken. So entstehen die verführerischen heroischen Helden- und Abenteuergeschichten.

Die karge Sprache der Todgeweihten     

Ich muss an meinen rheinischen Kameraden aus dem Raume Siegburg denken, der abends nach Einbruch der Dunkelheit mit weiteren Soldaten eines Zuges in unseren Bataillonsgefechtsstand im Keller eines zur Ruine geschossenen Hauses gestolpert kommt und mit einer Stimme voller Hoffnungslosigkeit, Traurigkeit und Todesahnung zu mir sagt: „Mensch, Weber, ich muss heute Nacht wieder nach vorne, wo wir eine fast ganz aufgeriebene Einheit ablösen müssen. Leb wohl!“ Sonst nichts. Damit war alles gesagt. Mehr zu sagen, hätte er als unpassend empfunden. Er hätte sich geniert. Das Leben an der Front gebiert eine eigene Sprache der kargen Worte. Er ging schweigend nach draußen in eine Nacht ohne Wiederkehr, das war ihm zutiefst bewusst, und es blieb für immer in meinem Gedächtnis.

 



Spähtrupp

Wir schleichen grau durchs graue Feld,           Dann wird gespäht, das ist so Brauch.

Blaunebel hüllt die falsche Welt.                     Die Gegner spähen leider auch,

Mir graut es langsam. Ehrlich!                        woll’n uns als Erste packen.

 

Wir schleichen hin, gedeckt, geduckt,              Und weiß man wo der Gegner liegt,

aus jedem Strauch ein Flämmlein zuckt.           im nassen Erdloch sich verkriecht,

Das ist ganz schön gefährlich.                          ist Meldung „zu erstatten“.

 

Wir finden’s Schleichen gar nicht toll                 Dazu schleicht man den Weg zurück

und machen fast die Hosen voll.                und kommt man an, mit sehr viel Glück,

Die Angst greift uns im Nacken.                        ist man sein eigner Schatten.

 



Obergeich

In den Trümmern von Obergeich finde ich diese Ansichtskarte

Der Soldatenfriedhof Lommel in Belgien erstreckt sich über eine Fläche von 16 Hektar (427m · 350m). Der Zugang zum Friedhof erfolgt über die Krypta. Im Backsteingewölbe der Krypta ist symbolisch eine Statue aufgebahrt. Oben auf der Krypta erhebt sich eine Kreuzigungsgruppe mit Figuren von Maria und Johannes.

Im Gräberfeld teilen sich jeweils zwei Gefallene ein Kreuz aus grauem Beton. Auf diesen fast 20 000 Kreuzen sind die Namen, der Dienstgrad, Geburts- und Sterbedatum des Toten und dessen Grablage mit Block und Grab vermerkt. 6221 Gräber tragen das Kürzel "Ein Deutscher Soldat" - es sind die Gräber der Gefallenen, die nicht identifiziert werden konnten.


Der Soldatenfriedhof Lommel

Hier liegen die meisten gefallenen Kameraden, die sich mit mir in der Ermekeilkaserne in Bonn einfinden mussten, dann mit der Bahn zunächst bis Münster in Westfallen, anschließend weiter bis zur Flugzeugführerschule in Hagenow in Mecklenburg transportiert wurden. Wir lagen anschließend zusammen in Enschede in den Niederlanden. Im Spätherbst 1944 gelangten wir dann gemeinsam über die Eifel in den Rurbrückenkopf westlich von Düren. Die jetzt hier in kühler Erde liegen, fielen in den harten Kämpfen der 4. und 5. Schlacht bei Aachen (wie es offiziell hieß) während ich mit anderen glücklichen Kameraden am Leben blieb. Wieviel Leben und Erleben durfte unsereiner seitdem genießen!

Manch einer glaubt, dieses Massensterben sei leichter zu ertragen, als der Tod eines einzelnen Menschen. Aber das stimmt nicht, denn:

Jeder stirbt für sich allein.

Das Kreuz im Hürtgenwald

Hingelehnt im Tannenholz, 
ganz einsam und verlassen, 
steht ein schlichtes Birkenkreuz
Wind und Wetter überlassen. 

Schon viele Jahre steht es dort
mit einem Stahlhelm nur bedacht, 
erinnert uns an jenen Ort, 
wo einst ein Krieger hat gewacht. 

Mit seinem Blut hat er getränkt 
im tiefen Wald die kühle Erde. 
Wir bitten Gott, der alles lenkt, 
dass niemand ihn vergessen werde. 

Geopfert für das Vaterland 
hat er sein höchstes Gut - das Leben. 
Kein Mensch kann außer Gotteshand 
ihm dieses jemals wiedergeben. 

So schlafe wohl, fern von den Lieben, 
bis wir uns einmal wieder sehen, 
wo dich gebettet, die geblieben, 
da wirst du wieder aufersteh´n. 

HFW Josef Prümm



Ein unerwarteter Kurzurlaub              

Beim Empfang unserer Marketenderware in einem Keller in Düren-Birkesdorf erfahre ich, dass wir in einigen Tagen in ein Eifeldorf namens Lissendorf bei Hillesheim in Bereitstellung für einen neuen Einsatz gehen werden und beantrage einen Marschbefehl, der es mir erlaubt, diesen Weg mit Fahrrad im voraus anzutreten und in meinem Heimatdorf Schönau bei Münstereifel einen zweitägigen Stopp einzulegen Und meine kühnsten Erwartungen gehen in Erfüllung: Ich erhalte diesen Marschbefehl und ziehe mit einem rostigen Drahtesel einsam und allein meiner Wege in die hereinbrechende Dunkelheit hinein in Richtung meines Heimatdorfes Schönau. Beim Verlassen des Ortes betrachte ich, nur kurz, die zerbombten Häuser, einen ausgebrannten Straßenbahnwagen und die herabhängenden Fahrdrähte. Was ich zurücklasse sind die Erlebnisse in einer von der Zivilbevölkerung total geräumten Kampfzone, einer unwirklichen, lebensfeindlichen Welt mit ihren eigenen Geräuschen, Gerüchen und Bildern. Und diese Welt ist, wie mir jetzt bei meiner einsamen Fahrt mit dem Fahrrad fast erschreckend bewußt wird, fast vor der heimatlichen Haustür gelegen. Und die Front ist trotz des augenblicklichen Stellungskrieges nicht eng begrenzt, sondern sie greift mit den Mitteln des modernen Krieges weit ins Hinterland hinein und so sind die Nachschubstraßen, denen  ich jetzt entlangradle, von zahllosen ausgebrannten Militärfahrzeugen flankiert, die ein Opfer der jagdfreudigen Jagdbomber (Jabos) geworden sind.



.                               Schaut  euch diesen Fiesling an: Die Kleiderlaus

Hautnah: Die Kleiderläuse             

Ich weiß eigentlich nicht, ob und wie ich meinen Eltern morgen von meinen Erlebnissen berichten soll. Vielleicht erzähle ich ihnen nur, daß ich Frontläuse habe und dringend ein heißes Bad benötige. Das macht Sinn.

Die Kleiderläuse müssen wohl diesen Krieg begrüßen, der ihnen reichlich Gelegenheit verschafft, sich ihren Gelüsten ungestraft hinzugeben. Sie gehören zu unseren treuesten und anhänglichsten Weggenossen. Und das lassen sie uns auch „hautnah“ spüren.                         

Ich weiß nicht, woher die Namen Lausbub und Lausejunge stammen. Umgangssprachlich bedeuten sie so viel wie frech, dreist, armselig und schäbig. Frech und dreist? Ja, das trifft auf die Läuse zu. Aber wir von Läusebissen und ekligem Gekrabbel geplagten? Nein. Wir haben unsere Dreistigkeit längst bei der Feuertaufe und den anschließenden Kämpfen verloren. Die beiden letzten Begriffe lasse ich gelten. Denn ich befinde mich jetzt in einem armseligen und schäbigen Zustand auf dem Weg zu meiner Familie. Von wegen schicke deutsche Wehrmacht! Ich hoffe nur, dass keiner vom Stuhl kippt, wenn ich in diesem verlausten Kleid der Ehre unverhofft zu Hause auftauche. Wie hieß doch das Buch von Ettighofer aus dem Ersten Weltkrieg? „Gespenster am Toten Mann“.

 



Hindenburglicht

Mit toten Kleiderläusen am Brennen gehalten: Das Windlicht

Hindenburglichter

In diesem Zusammenhang muss ich nochmals auf diese Plagegeister (Kleider- oder Frontläuse) näher eingehen, oder vielmehr auf unsere total unbefriedigenden Vernichtungsversuche: Da sitzen wir nun, wenn wir, aus der Kampflinie abgezogen, wieder irgendwo in einem Keller in Bereitstellung sind, Abend für Abend und zünden unsere Windlichter, Hindenburglichter genannt, an. Wenn das Wachs schön fließend geworden ist, wird die Hose vorne geöffnet und dann wird Läuschen für Läuschen mit den beiden Daumen eingefangen, zwischen den Daumennägeln zerquetscht und flugs in das flüssige Wachs geworfen. Quitsch, quitsch, quitsch! Es ist kaum zu glauben, aber das Hindenburglicht wird durch diese laufende Zuführung an Fett noch sehr, sehr lange am Brennen gehalten. Man muss sich zu helfen wissen! Wenn man bedenkt, dass wir dieses Brennmaterial im Laufe des Krieges kreuz und quer durch ganz Europa geschleppt haben!

Gibt das  ein Gekrabbel in den europäischen Hosen!



 
   

Oben: Hinter dem Dorf Bergstein liegt der Burgberg.  Von hier feuert die Deutsche Artillerie die von den Amerikanern gefürchteten „Baumkrepierer“ in deren Stellungen im Hürtgenwald  (siehe: „Über den Fluss und in die Wälder“ von Ernest Hemingway). Der im Buch  erwähnte Fluss ist die Weiße Wehe im Hürtgenwald.

 



Auf dem Friedhof des Dorfes Vossenack steht diese eindrucksvolle Kreuzigungsgruppe. Sie erinnert an die für Deutsche und Amerikaner so verlustreichen Kämpfe im Hürtgenwald im Herbst und Winter 1944/45 und an das Kriegsende am 8. Mai 1945.

 

An der Kirchtüre erinnert eine Tafel ebenfalls an diese Kämpfe.


Zeitweise ging die Hauptkampflinie mitten durch das Dorf Vossenack und in der Pfarrkirche wurde ohne Rücksicht auf die Heiligkeit des Ortes bis zum Altar gekämpft und getötet. Dieses blutige Ereignis ist in die Geschichte eingegangen  als  die Allerseelenschlacht von Vossenack, weil es sich am Tag von Allerseelen, dem 2. November des  Jahres 1944  zutrug.  Auf der genannten Gedenktafel wird an die

68 000 Gefallenen beider Seiten erinnert.