Feierliches Entzünden der ersten Erdgasflamme in Dresden

Beginn der Erdgasversorgung in Dresden, 3. April 1992

 

Dieser 3. April des Jahres 1992 bringt für die Leitenden Damen und Herren der Dresden Gas GmbH ein volles Programm.

Wir haben unseren Wunsch in die Tat umgesetzt, den Beginn der Umstellung der Dresdener Gasversorgung von dem energieschwachen Stadtgas auf das umweltfreundliche Erdgas mit hohem Heizwert in gebührender Form zu begehen und dies zu einer werbewirksamen Präsentation unseres jungen Unternehmens zu nutzen. Von den beiden ersten Großkunden für Erdgas, der Feuerverzinkerei Dresden und der Sächsischen Brauunion eignet sich der letztere am besten für diese Veranstaltung und zwar wegen der Lage des Unternehmens außerhalb der Stadt, dem Freiraum für das Begrüßen der Gäste durch den Technischen Geschäftsführer der Dresden Gas GmbH, Herrn Veri Josef Weber, die Grußworte vom Vorsitzer des Vorstandes der VNG, Verbundnetz Gas AG, Herrn Dr. Holst, dem Vorsitzenden unseres Aufsichtsrates und 1. Bürgermeister der Stadt Dresden, Herrn Dr.Czerney und dem Leiter der Sächsischen Brauunion, sowie dem feierlichen Entzünden der Erdgasflamme durch den Herrn Oberbürgermeister der Stadt Dresden, Herrn Dr. Wagner und den anschließenden Feiern mit reichhaltigem Programm bei Getränken und Abendessen in den Räumen der Brauerei. Die gesamte Veranstaltung beginnt laut Programm um 16 Uhr.

Doch zu alledem besteht der Aufsichtsrat noch auf einer Sitzung am Vormittag und die Zwischenzeit von der Aufsichtsratssitzung bis zur Feier muss für die in einem Zelt auf dem Brauereigelände vorgesehene Pressekonferenz genutzt werden. Zudem wird die Aufsichtsratssitzung mehrmals nachhaltig durch das Mitteldeutsche Fernsehen „gestört“. Die Feier selbst verläuft zu unserer vollen Zufriedenheit dank der von Ruhrgas AG, Verbundnetz Gas AG und GEW Köln gewährten Unterstützung, wobei die von der Ruhrgas AG durch einen Fachmann für Messeausstattung  aufgebauten Kulissen, das Weichbild der Stadt Dresden darstellend, einen würdigen optischen Rahmen schaffen. Das Bläserquintett spielt passend zum Anlass Händels „Feuerwerksmusik“. Die Erdgasflamme, die über den Köpfen der Gäste gut 3 m hoch in den Frühlingshimmel geschossen ist, flackert munter und geräuschvoll und hebt sich sehr gut vor einer scheinbar eigens bestellten dunklen Wolke ab.


In der mit dem Zünden der Erdgasflamme verbundenen Rede spricht das Stadtoberhaupt vor den zahlreichen Gästen von einer „großen und schönen Stunde“. Er verbinde große Hoffnungen mit dem Erdgas. „Die Dresdener werden bald freier atmen können.“ Auch wird an die Bedeutung der Luftqualität für den Erhalt der Bausubstanz der Landeshauptstadt

 
   

 

erinnert. „Auch die kulturhistorischen Bauwerke der Stadt werden dies mit großer  

Erleichterung aufnehmen und es durch den Erhalt ihrer Schönheit danken..“ Für die Verbraucher bringe die Umstellung einen weiteren gewichtigen Vorteil mit sich: Erdgas ist rund 40 % billiger als das bisherige Stadtgas. Sein Pressesprecher betont: „Dieser 3. April 1992 ist ein großer Tag für unsere Stadt“. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates und 1. Bürgermeister der Stadt Dresden, Herr Dr. Czerney, macht vor der Presse deutlich, der Elbtalkessel sei durch seine geographische Lage schon lange in besonderer Weise luftbelastet gewesen. Das soll jetzt durch den Erdgaseinsatz rasch anders werden. Herr Dr. Holst hebt hervor, dass die VNG, Verbundnetz Gas AG, als Vorlieferant des Erdgases ein ostdeutsches Unternehmen sei. Er sichert der Stadt Dresden nicht nur eine hohe Versorgungssicherheit beim Erdgas zu, sondern auch die nach wie vor nötige Bereitstellung des Stadtgases für die Zeit der Umstellung.

Als Technischer Geschäftsführer der Dresden Gas GmbH bin ich gehalten, konkretere Angaben zu machen: Rund 180 000 Haushalte und Großkunden erhalten zurzeit Stadtgas. Davon nutzen 53 % das Gas zum Kochen, 25 % heizen damit einzelne Räume und nur 5 % die ganze Wohnung. 17 % der Kunden sind Gewerbebetriebe, die das Gas auch zu Produktionszwecken einsetzen. Ich hebe hervor, dass es uns dank der aufopferungsvollen Arbeit der Belegschaft der Dresden Gas GmbH, der Kooperationsbereitschaft der Stadt Dresden und der Unterstützung durch die Beteiliger gelungen ist, die Erdgasumstellung in der Landeshauptstadt des Freistaates Sachsen auf maximal 3 Jahre zu begrenzen. Im laufenden Jahr werden bereits 30 000 Abnehmer umgestellt, in den Jahren 1993 und 1994 werden es jeweils 65 000 sein und bis spätestens April 1995 werden dann auch die letzten 20 000 Stadtgaskunden mit Erdgas versorgt. Weiter ist noch erwähnenswert, dass nach der Zustimmung der Stadtverordneten zur Gründung der Dresden Gas GmbH im November 1991 uns nicht mehr als 4 Monate Zeit für die Vorbereitung der Umstellung blieben. An dieser Stelle gilt ein besonderer Dank dem örtlichen Handwerk und den Ruhrgastöchtern Consulting für Versorgungsunternehmen GmbH (CVU) und Neue Gebäudetechnik GmbH (NGT), die mit einheimischen Mitarbeitern für einen reibungslosen Ablauf von Rohrnetz- und Geräteumstellung sorgen werden und in Dresden wichtige Arbeitsplätze schaffen. „Ein zum mobilen  Beratungsbüro umfunktioniertes Wohnmobil wird die Anwohner direkt vor Ort informieren.“

 
   


Beim Programmablauf in den Räumen der Brauerei brilliert vor allen anderen der Dresdener Volksschauspieler Wolfgang Stumph, der hier meines Wissens erstmals die Begriffe „Wessis“ und "Ossis" aus der Taufe hebt.


Pressekonferenz "vor" der Zündung der ersten Erdgasflamme in Dresden.         

 



Erdgas kommt

Die Bilder wurden einem Sonderdruck der Ruhrgas AG Essen entnommen.

 Herr Dr. Oversohl (links) von der Ruhrgas AG Essen,

der mich bei der Vorbereitung der Veranstaltung sehr unterstützte



und viel Applaus erntet. Ferner sind die Dresdener Originale Hofnarr Fröhlich, Eierhanne und Gustel von Blasewitz, dargestellt von Schauspielern der Städtischen Bühnen und in Originalkleidung, die mich in ihre Mitte nehmen (Was muss man nicht alles mitmachen!),  mit von der Partie. Der Ruhrgas-Verkaufsvorstand, Herr Friedrich Späth, erhält während der Feier einen seltenen Gaszähler für sein „Gaseum“.

            



                                      Erdgas erwärmt das Herz des Bieres

          Diplom- Braumeister Heinz-Joachim Marre vor einem der Dampfkessel 

                                  der Sächsischen Brau-Union AG in Dresden.

 Dieser „Große Bahnhof für das Erdgas“ findet in der Regionalpresse ein positives Echo, ist doch Erdgas zurzeit die große Zukunftshoffnung für Industrie, Gewerbe und Bevölkerung in den Neuen Bundesländern. Wenn nur Stadtplanung und Politik gebührend mitziehen würden! Ja,- wenn!

Die Sächsische Brau-Union AG, auf deren Gelände die erste Erdgasflamme in Dresden gezündet wurde, ist eines der ersten Dresdner Unternehmen, das Erdgas nutzt. Deshalb wird heute hier mit einem Glas Dresdner Feldschlößchen Pilsner oder Dresdner Felsenkeller  angestoßen.

Die Brauerei hat einen Jahresbedarf von 100 Mio. kWh Wärme. Die erzeugte man bisher mit vier Dampfkesseln aus bulgarischer  Produktion.