Am Ende des zweiten Jahrtausends

Dies ist kein Lehrheft, sondern lediglich meine eigene Sicht des Wesentlichen.

Diese Sicht wird vorwiegend von den Veröffentlichungen großer Denker und Wissenschaftler bestimmt. Da mein Wissen zu mager ist, verbieten sich eigene Spekulationen *.

Übrigens: Ich bin ja noch lernfähig!

 

*) Spekulationen= auf bloßen Annahmen und Mutmaßungen beruhende

    Behauptungen oder Erwartungen.

 

 

Mit festen Standpunkten versehen, wende ich mich nun dem Ende des zweiten Jahrtausends zu und mache einige mehr oder weniger bissige Bemerkungen zur augenblicklichen Gemütslage der von den Beherrschern einiger Medien übel zugerichteten Zeitgenossen. Warum? Das Misstrauen gegen die Verführung durch die Medien liegt noch im tiefen Schlaf.

Was wage ich zu hoffen?



Unsere Milchstraße mit ihren zwei Spiralarmen als eine von mindestens 100 Milliarden Galaxien? Ja, mein lieber Veri, da kommst du dir ganz schön klein vor!

 

Das Heute ist das Gestern von morgen,

sofern wir Stephen Hawkings Forderung akzeptieren, den Bau von Wurmlöchern (Zeitmaschinen) zu verbieten und Zeitreisen zu unterlassen. Es wäre ja auch unverantwortlich, jemand auf eine Zeitreise in die Vergangenheit zu schicken, um ihm dort die Möglichkeit zu verschaffen, seinen eigenen leiblichen Großvater umzubringen.

 

Generell ist mir Hawkings Weltbild zu einseitig materialistisch, was das Ignorieren metarealistischer Denker und Forscher anbelangt.

Nicht er, sondern der belgische Geistliche Abbé George Edouard Lemaître begründete den Urknall als gleichzeitige Entstehung von Materie, Raum und Zeit und berechnete seinen Zeitpunkt (vor etwa 13,7 Milliarden Jahren).

Dies bedenkend ist für mich die Religion nicht die Alternative zur Moderne sondern eine Alternative in der Moderne.

Doch Hawking gab so zahlreiche Denkanstöße in der Astrophysik, dass eigentlich ein Nobelpreis fällig gewesen wäre.

Seriöse Wissenschaftler, zu denen ich auch ihn zählen möchte, haben meist ihre Erkenntnisse als falsifizierbare*  Wahrscheinlichkeiten betrachtet, um so die Zukunft nicht durch Rechthaberei für tiefere Erkenntnisse zu verbauen. Aber, die "tieferen Erkenntnisse" der letzten Jahrzehnte haben mehr neue Rätsel gebracht als Lösungen präsentiert.

(Nur etwa 5% des Universums besteht aus der bisher bekannten Materie. Der gewaltige Rest ist die so genannte Dunkle Materie, deren Wirkung angeblich nicht auf der Gravitation beruht. Ob zumindest ein Teil hiervon aus den masseschwachen aber in gewaltiger Zahl auftretenden Neutrinos besteht, ist noch unklar.

*) Natürlich ist nicht jede widerlegbare haarsträubende Behauptung schon Wissenschaft.

Ich möchte das Universum als gewaltigen geschichtlichen Prozess begreifen, denn es ist nicht statisch, sondern dynamisch. Wenn es aber einen dynamischen Charakter besitzt, kann es nur durch seine Geschichte begriffen werden.

Was mich immer wieder fasziniert und im Hinblick auf Sinn, Richtung und Ziel des Universums zu hoffen wagt, ist dieses Wunder der habitablen (bewohnbaren) Zone, in der sich unsere Mutter Erde bewegt:

-  Die Position unserer Sonne mit ihren Planeten, als eine von mindestens

    200 Milliarden *) Sonnen unserer Galaxis,  zwischen den zwei großen 

    Spiralarmen dieser Galaxis (Milchstraße) in einer "Lokalen Blase" **) und

-  die Position unserer Erde in einem Abstand zu unserer Sonne, die, zusammen mit

    der Atmosphäre, eine verträgliche Temperatur sicherstellt, die das Wasser als

    Voraussetzung allen Lebens im flüssigen Zustand belässt und

-  unser Mond, der eine Stabilität der Erdachse  und ihre Neigung als

    Voraussetzung der Jahreszeiten bewirkt,

und so weiter, und so weiter.

Dies nur vorneweg.

Doch überlassen wir die Details den hierfür zuständigen Fachleuten!

 

*) Manchmal stellen sich auch bei mir Schwindelgefühle ein, weniger durch die gewaltigen Entfernungen und Größenverhältnisse im Weltall, an die ich mich langsam gewöhnt habe, als vielmehr durch die unterschiedlichen Zahlenangaben in den jeweiligen Veröffentlichungen.

 

**) Die Lokale Blase ist ein Gebilde um unser Sonnensystem von ( bitte nicht errschrecken) bis zu 200 Lichtjahren Durchmesser, das uns vor interstellarem Ungemach (Trümmer fremder Sterne, Gasansammlungen, gefährliche Strahlung) schützt.

Die Summe der Orte. an denen der konstante Teilchenstrom von der Sonne durch interstellare Teilchen gestoppt wird, nennt man Heliopause.

Ich kann mich ja irren; aber nach meinem Verständnis wäre diese Heliopause der äußere Rand der Lokalen Blase, hätte also einen Durchmesser von 200 Lichtjahren. Ob ich Recht habe, ist für meine weiteren Betrachtungen ohne Belang.

 

Und jetzt zum Luftholen noch ein kleines Intermezzo:

Eselsbrücke zum Aufzählen unserer Planeten

Mein       Vater     erklärt    mir     jeden    Sonntag    unseren    Nachthimmel

 

Merkur   Venus     Erde      Mars   Jupiter    Saturn      Uranus      Neptun

 

<----terrestrische Planeten------><---------------Gasplaneten------------------->

            (erdähnliche)     

Bevor der Pluto degradiert und den Tausenden von tiefgefrorenen Felsbrocken des Kuipergürtels hinter der Neptunbahn zugeordnet wurde, galt er als der neunte Planet unseres Sonnensystems. Damals endete die Eselsbrücke wie folgt:

 

                                                                         unsere    neun***)      Planeten

 

                                                                          Uranus    Neptun     Pluto

***) Jetzt sind es nur noch acht.

 

Übrigens, auf welchen Planeten kann man sein Leben fristen?:

Auch wenn Venus und Mars am Rande der habitablen (bewohnbaren) Zone liegen, sind sie für eine Besiedlung unbrauchbar. Die Gründe sind problemlos im Internet zu erfahren. In Kürze:

Die fast ganz aus Kohlendioxyd bestehende Atmosphäre der Venus macht ein Atmen unmöglich; der Luftdruck ist fast 90mal höher als der auf der Erde und die Temperatur liegt bei +450°C.

Auf dem Mars, dessen Größe etwa ein Drittel der Größe der Erde beträgt, reicht die Schwerkraft weder für das Bilden einer vor den gefährlichen Sonnenstrahlen schützenden  Atmosphäre, noch für das Bilden von Wasser an seiner Oberfläche aus. Letzteres würde nach seinem Austreten an der Marsoberfläche sofort in einen gasförmigen Zustand übergehen und im Weltall verschwinden.

Der Merkur ist der sonnennächste, kleinste und schnellste Planet mit folgenden Temperaturgegensätzen:

Nachts  -170°C,

am Tag +430°C.

Auf die weiter außen liegenden Gasriesen Jupiter, Saturn, Uranus und  Neptun will ich im Hinblick auf Bewohnbarkeit gar nicht erst eingehen. 

Also bleibe ich der Erde treu!

Aber nicht im Sinne von Nietzsches "Also sprach Zaratustra", sondern Treue zur tiefen Evolution. (Siehe "Gedanken"-> Pierre Teilhard de Chardin -> Punkt 19. Treue zur Schöpfung).

Laut Müller-Markus in seinem Buch "Der Aufstand des Denkens" ist eines der weitreichendsten Phänomene der Sowjetgesellschaft die Begenung mit Teilhard de Chardin gewesen. Dessen Buch, Le phénomène humain,deutscher Titel "Der Mensch im Kosmos", wurde in der Sowjetunion millionenfach gelesen. Welch ein Wandel in einer Gesellschaft mit vorher staatlich verordnetem Atheismus in relativ kurzer Zeit! Und so endet das genannte Buch:

Das Jahrhundert der Ideologien rollt wieder in die Ewigkeit zurück und am Horizont leuchtet das Jahrtausend des Geistes.

 

                                                    Geistiger Hunger                                                                                                                 

Wer mein Herumeiern durchschaut, wird erkannt haben, dass ich von einem Hunger nach Ganzheit getrieben werde. Nach der Überwindung der „Einzigartigkeit des  Deutschen Volkes und seiner Wurzeln im Arischen“ am Ende des 2. Weltkrieges fand ich Geborgenheit in einer Weltreligion aller Völker und Rassen, zumal sie der Mentalität des Rheinländers stark gerecht wurde. Siehe „Unser Stammbaum“ der Kölner Mundartgruppe Bläck Föös: „Su simmer all he hinjekumme…..“

Wenn ab dem Jahr 1930 in allen deutschen Gauen wie (u.a.) im Rheinland abgestimmt worden wäre, hätte es nicht Hitlers Weg zur Macht und keine Machtergreifung der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933, keinen Zweiten Weltkrieg, keinen Holocaust und keine Terrorangriffe der britischen Royal Airforce auf deutsche Städte als Vergeltung gegeben.

 

Und nun komme ich endlich zur Sache!

Wenn man mehrere Punkte der Bahn eines Flugkörpers vierdimensional bestimmen kann, lässt sich diese Bahn in beide Richtungen extrapolieren. Aber ich kann daraus nicht herleiten, wie sie entstanden ist und wer sie verursachte . So verhält es sich auch mit dem gesamten Weltall.

Nach Thomas von Aquin kann nur durch etwas, das ist, etwas aus der Möglichkeit zur Wirklichkeit werden. Die fünf Wege des Thomas von Aquin zur Gotteserkenntnis kann jeder problemlos im Internet finden und lesen.

Für jene Leser, die sich in der Weite des  Internets verirren und nicht zurecht finden, sei hier nur der erste der fünf Wege im Wortlaut wiedergegeben: "Da jede Bewegung als Ursache eine Bewegung hat, kann man die Ursachen immer weiter in die Vergangenheit verfolgen. Irgendwann muss es dann aber eine Ursache geben, die zwar bewegt, aber selbst nicht bewegt wird. Diese Ursache nennen alle Gott. Versuchte man sich aber vorzustellen, dass es unendlich viele Ursachen gäbe ohne einen ersten unbewegten Beweger, kann man sich eine solche theoretische Möglichkeit als Wirklichkeit gar nicht denken."

Nun ist aber seit Thomas von Aquin viel Zeit vergangen. Während die ersten Evolutionisten zum Materialismus neigten, hat der Mensch nach Huxley (Schöne neue Welt) erst später entdeckt, dass er nichts anderes ist als die zum Bewusstsein ihrer selbst gelangte Evolution. Welch ein Wandel in relativ kurzer Zeit!

Friede und Toleranz ergeben sich nur aus der klaren Einsicht in die eigene Unzulänglichkeit. (Wenn ich mich nur immer hieran halten würde!)

 

Am 05. 11. 1927 kam ich, wie bereits eingangs erwähnt, irgendwo in der Eifel, in einem Fünfhundertseelendorf namens Schönau, zur Welt. Der Ort hat keine historische Bedeutung und wird auch nie eine haben. Mit dem Jahr 1927 verhält es sich anders. Es ist das Geburtsjahr der modernen metarealistischen Philosophie, die weniger von Philosophen erdacht wurde, als vielmehr aus den Erkenntnissen der modernen Grundlagenphysik heraus zwangsläufig entstanden ist. Auf dem „Kopenhagener Kongress“ von 1927 wird die von Max Planck um die Jahrhundertwende, also um 1900, „gefundene“ Quantentheorie offiziell begründet. Nun verstehe ich nicht sehr viel von diesen hehren Gedanken. Aber eines scheint mir erkennbar wichtig genug zu sein, um festgehalten und hervorgehoben zu werden: Es gibt nach langjährigen philosophischen Gratwanderungen erstmalig einen festen Boden, eine wissenschaftliche Grundlage, für die von der Religion vorgeschlagene Auffassung. Es ist nicht uninteressant festzustellen, wie eng die modernsten physikalischen Anschauungen die psychologische Analyse der Zeit durch den Heiligen Augustinus (geboren im Jahre 354 n. Chr.) berühren.

Augustinus:

-Die Beschäftigung mit der Zeit ist der geeignetste Stimulus zur Betrachtung der  

 Ewigkeit.

-Der erschaffene Himmel und die erschaffene Erde verweisen auf ihren

 unerschaffenen Ursprung.

-Weder Vergangenheit noch Zukunft gibt es, sondern es gibt eine Gegenwart der

 vergangenen Dinge, ferner eine Gegenwart der gegenwärtigen Dinge, schließlich

 eine Gegenwart der zukünftigen Dinge. Diese drei Zeitformen nehmen wir in

 unserem Geiste wahr, aber sonst nirgendwo.

Ich merke selbst, dass es keinen Sinn ergibt, diese Zitate aus dem Zusammenhang zu reißen. Deshalb empfehle ich, im Internet unter "Zeitauslegung-Augustinus"  den gesamten Text zu lesen.

Von den wissenschaftlichen Entwicklungen und Haltungen gegenüber den überholten Vorstellungen des 19. Jahrhunderts in ihrer Vielfalt sei eine Frage herausgegriffen:

Was betrachtet man als metarealistischen *) Rahmen, um, wie es der französische Philosoph Jean Guitton formuliert, die Existenz eines kosmischen Codes anzuerkennen? Hier die Antwort:

 

  • Geist und Materie bilden ein und dieselbe Realität.
  • Der Schöpfer dieses Universums aus Geist und Materie ist
  • transzendent **.
  • Die Realität „an sich“ dieses Universums ist nicht erkennbar.

 

 *) von Metaphysik, der  Lehre von den letzten, nicht erfahr- und erkennbaren Gründen und Zusammenhängen des Seins, entlehnt.

     Siehe: „Gott und die Wissenschaft“ von Jean Guitton und den Brüdern Grichka und Igor Bogdanov.

**) transzendent= die Grenzen der Erfahrung und der sinnlich erkennbaren Welt überschreitend

Die negativen Artikel in verschiedenen Zeitschriften über die Brüder Bogdanov sind mir durchaus bekannt. Aber ich halte ihre Ideen  genau so wenig für unsinnig wie die Stringtheorie, die sich bisher ja auch nur auf mathematische Überlegungen stützt und auf einen experimentellen Beweis verzichten muss. Hierfür würde man einen Teilchenbeschleuniger von der Größe unserer Milchstraße mit ihren 200 Milliarden Sternen benötigen. Die moderne Physik befindet sich zur Zeit eben vor einer Mauer, wo selbst ernsthafte  Wissenschaftler mitunter von Selbstzweifel befallen werden. Beispiele: Dunkle Materie und Dunkle Energie.

 

Nun ließe sich aus dieser typisch abendländischen Gedankenwelt eine brauchbare Hilfe für den geistig umherirrenden Massenmenschen an der Jahrtausendwende herleiten. Aber die angeführten An- und Einsichten werden überwuchert von den messianischen Verkündigungen einer Freiheit verheißenden, rein materialistischen Weltsicht, wie sie von Demokrit bis Karl Marx aus der Erkenntnistheorie des Realismus gespeist wurde, für die es jedoch mittlerweile keine wissenschaftliche Basis mehr gibt. Die heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse liegen jenseits des „gesunden Menschenverstandes“, ja sogar jenseits der sprachlichen Ausdrucksmöglichkeit (wenn man die Sprache der Mathematik außer acht lässt) und sind, von einigen Ausnahmen wie Jean Guitton abgesehen, ohne Mitwirkung der Philosophen entstanden.

Aber das scheint mir das Schicksal einer jeden überlebten „Wahrheit“ zu sein: Sie flüchtet sich in die Rhetorik. Und da tun sich die „gelehrten Ignoranten“ besonders hervor. Nach Ortega y Gasset führt sich der gelehrte Ignorant in allen Fragen, von denen er nichts versteht, mit der ganzen Anmaßung eines Menschen auf, der auf seinem Spezialgebiet eine Autorität ist, und zwar ohne Rücksicht auf die in den anderen Wissensgebieten zuständigen Fachleute. Und nun schaue ich interessiert in Zeitschriften die ich zwar nicht beziehe, die aber unübersehbar bei Friseuren und in den Wartezimmern der Ärzte herumliegen. Man kann fast sicher sein, dass der Interviewer dem Sportler, Manager, Chef eines großen Autoproduzenten, Literaturpapst- Schwadroneur und so weiter die Frage nach Gott stellt. Und selbstverständlich ist der Befragte, der ja eigens unter diesem Aspekt ausgesucht wurde, modern genug, dessen Existenz zu leugnen. Der Krug verleugnet die Existenz des Töpfers.

Manchmal glaube ich, der denkende Mensch von heute sei zutiefst verunsichert worden, angesichts der gewaltigen, phantastisch anmutenden Ausmaße, die der Kosmos durch die laufenden Forschungsergebnisse in unserem Bewusstsein annimmt. Von der Vorstellung, unsere kleine Erde sei der Mittelpunkt des Weltalls, über die Kenntnis unseres Sonnensystems mit der Sonne als Mittelpunkt, bis zum Erfassen vieler derartiger Sonnensysteme in einer unglaublichen Vielzahl in der riesigen Weite eines immer noch expandierenden Weltalls reicht der Aufstieg des menschlichen Bewusstseins in den letzten Jahrhunderten, quasi als das Ergebnis der Evolution unseres Geistes. (Siehe unter der Themenseite "Gedanken": Der Wandel der Weltbilder durch die Verbesserung der technischen Möglichkeiten der Beobachtung und Milliarden Erlöser.) Und nun schaudert es viele vor diesen entsetzlichen kosmischen Tiefen und den unfassbar großen Zahlen. Und nun suchen sie nach Weggefährten, die sie auf der Wanderung in eine düstere Zukunft ohne Gott begleiten. Allein will diesen Weg niemand gehen. Allein Friedrich Nietzsche ist ihn kompromisslos bis zur bittern Neige gegangen und im Nichts geendet. Die meisten Menschen unserer Tage glauben trotz des ihnen unbekannten, auf der Quantenphysik fußenden, Metarealismus immer noch, Modernität sei gleich Atheismus. (Nach Manfred Lütz grassiert in Deutschland zur Zeit ein "schlampiger Atheismus".)

Für viele von ihnen mag die in Zuckmayers „Des Teufels General“ geäußerte Antwort des General Harras auf die Frage eines verwundeten Fliegeroffiziers gelten. Dieser sagt im Verlauf eines Gespräches: „Ich möchte Sie etwas fragen. Vielleicht werden Sie mich auslachen. Glauben Sie an Gott?“ Der General antwortet nach längerem Überlegen oder Zögern: „Ich weiß es nicht. Er ist mir nicht begegnet. Aber das lag an mir. Ich wollte ihm nicht begegnen. Er hätte mich vor Entscheidungen gestellt, denen ich ausweichen wollte. Ich habe an das Erdenkbare und an das Erkennbare geglaubt. An das, was man prüfen, entdecken kann.“ Bis zu diesem Punkt gelangen heute die meisten „Schnelldenker“. Zuckmayer aber lässt den General fortfahren: „Aber die größte Findung aller Zeiten habe ich nicht erkannt. Sie heißt Gott. Ich kenne ihn nicht. Aber ich kenne den Teufel. Den habe ich gesehen - Auge in Auge. Drum weiß ich, dass es auch Gott geben muss.“ Nun ist zurzeit eine „Pflichterfüllung“ im Dienste eines menschenverachtenden politischen Regimes kein Thema, wohl aber der Glaube, nur das Nachweisbare und Machbare sei Realität. Dieser Glaube oder diese Einstellung führt mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer menschenverachtenden Realisierung alles Machbaren und sei es das Klonen von Menschen.  

Wieder andere mögen eine wirtschaftlich und gesellschaftlich leicht zu manipulierende Menschheit einer gottgläubigen vorziehen. Aber die meisten werden einfach die im Vorstehenden beschriebene eigene Verunsicherung und Zukunftsangst als Ursache für ihr permanentes Fragen, ob man an Gott glaube, unbewusst mit sich herumschleppen. Aber dieses Befragen der hierfür unqualifizierten Individuen löst gar nichts. Man fabriziert höchstens ein unfruchtbares Zeitalter der fehlgeleiteten Strömungen und der wie Lemminge hoffnungs- und hilflos Mitgerissenen. Wem dient das?

Da ich von Natur aus nicht anders als positiv denken kann, versuche ich, dieses Problem im Rahmen der evolutionären Entwicklung des Universums, mit der zum Bewusstsein führenden „Innenseite der Dinge“ (das gesamte Universum tendiert zum Bewusstsein) von der Geosphäre über die Biosphäre bis zur Noosphäre zu sehen. Das bedeutet letztendlich, daß ich selbst die Intelligenz der Gelehrten, Entdecker und Erfinder, sowie deren Befähigung (und Verpflichtung) zur Weiterführung der Schöpfung in Freiheit und Verantwortung und den Daseins- und Wirklichkeitswert des Christentums mit seiner Gottes- und Nächstenliebe in den Evolutionsprozeß einbeziehen muß. Es muß eine von Anfang an geltende Gesetzmäßigkeit der Entwicklungsgeschichte existieren, die, zeitlich betrachtet, sowohl nach hinten als auch nach vorne in die Zukunft anwendbar ist. Was soll’s, wenn wir dann den Menschen nicht so sehr  als Mittelpunkt der Schöpfung betrachten können, sondern eher als Achse und Endpunkt der spiralförmigen oder schraubenlinienförmigen Entwicklung (von uns aus betrachtet), oder als Richtung und Ziel oder oberste Spitze der allumfassenden biologischen Synthese (von Gott gewollt und beim ersten Schöpfungsakt mit rigoroser Präzision als Anfangsbedingung eingebracht! Ich habe nichts gegen den Urknall. Er ist ein zur Zeit brauchbares Denkmodell.) Dann kann uns auch nicht die These schrecken oder wankelmütig machen, im Kosmos gäbe es viele Sonnen mit Planeten, auf denen intelligentes Leben existieren könnte. Und wir bekommen auch kein Gefühl der Einsamkeit, Lähmung und Mutlosigkeit beim Betrachten der ungeheuren schwindelerregenden Ausmaße des sich auch heute noch ständig und mit rasender Geschwindigkeit vergrößernden Weltalls. Akzeptieren wir diese Möglichkeit!

Außermenschliche kreatürliche Intelligenz beschäftigt nicht erst seit kurzem die Denker sondern schon seit Jahrtausenden. Das durch die Weltraumforschung erweiterte Wissen in Verbindung mit der Evolutionstheorie ergeben natürlich neue Sichtweisen hinsichtlich der Vorstellung vom Erdenmenschen als Krone der Schöpfung. Im Jahr 2009 erschien im Rheinischen Merkur unter der Nr. 14 eine Abhandlung von Werner Thiele unter dem Titel "Milliarden Erlöser" (Abdruck siehe unter "Gedanken").

Genesis

Große Ereignisse erfordern große Worte. Dies ist in der Genesis der Bibel mit den sieben Schöpfungstagen aphoristisch unnachahmlich enthalten. Die Genesis (1.Buch Moses), als erster Schöpfungsbericht, will keine Erkenntnisse im modernen Sinne vermitteln, sondern religiöse Wahrheiten künden. Gottes Schöpfungswerk wird hier dem Siebentageschema angepasst. Dies muss bei Bibellesungen und im Religionsunterricht  vorweg erklärt werden, damit die Genesis der Bibel nicht von heutigen Schnelldenkern in einen Gegensatz zur Evolutionstheorie gebracht und der Lächerlichkeit preisgegeben wird.

Bahnfahrt nach Schwerin

Den Urknall als Denkmodell von vornherein in Frage zu stellen, hieße, Gott den Plan seiner Schöpfungsgeschichte vorschreiben zu wollen. So eingebildet können wir doch nicht sein! Denkmodelle haben zudem erfahrungsgemäß  nur eine begrenzte Lebensdauer. Man könnte, so sagt mir ein belesener Zeitgenosse, den ich zufällig bei einer Bahnfahrt nach Schwerin treffe, den Anfang des Universums auch als den Kollaps eines komplexen Netzes universeller Wellenfunktionen begreifen, eines Kollapses, wie er ausschließlich durch den Akt der Beobachtung bewirkt wird (Erkenntnis der Quantenphysik, z.B. im Zusammenhang mit der Doppelnatur des Lichtes). Er meint, der jetzige Wissensstand, bei dem die grundlegenden Theorien der Physik des 19. Jh. versagen, könne durch eine Theorie beschrieben werden, welche die Quantentheorie als die grundlegende Theorie der Materie, und die Relativitätstheorie, als die grundlegende Raum- Zeit- Theorie, vereine. Aber das hat bereits Jean Guitton zusammen mit den Brüdern Brogdanov vorgeschlagen. Gegen die Letzteren wird zur Zeit im wahrsten Sinne des Wortes gestänkert, so wie seinerzeit gegen Pierre Teilhard de Chardin Front gemacht wurde, als das Buch „Der Mensch im Kosmos“ erschienen war. Da waren bedauernswerte Menschen, die in Tageszeitungen Rezensionen veröffentlichten, angeblich beim Lesen des Buches von Übelkeit befallen worden. Man kennt das ja! Ich kann durchaus verstehen, dass dieser arme, von Bauchweh geplagte Mensch nur schwer verdauen kann, dass die Quantentheorie und die Kosmologie die Grenzen des Wissens immer weiter vorschieben, bis sie das fundamentale Rätsel berühren, das dem menschlichen Geist gegenübertritt: Die Existenz eines transzendenten Seins (nach Jean Guitton). Wenn aber Gott auf dem letzten Grund des Realen sinnlich wahrnehmbar wird, dann findet wohl erstmalig in der Geistesgeschichte der Menschheit eine Berührung von Religion und moderner Wissenschaft statt. Und das ist, fürwahr, für viele zu neu, um problemlos verdaut zu werden. Meine Mutter gab mir bei Verdauungsproblemen eine Medizin, die sich Hienfong nannte. Da wir in einem abgelegenen Eifeldorf lebten, ließ Mutter dieses in kleine Flaschen abgefüllte Wundermittel der Medizin kistenweise per Post kommen. Vermutlich war der Name schon gesundheitsfördernd, denn im Lexikon las ich folgendes: 1850 starb der chinesische Kaiser Taokuang; ihm folgte, erst 10 Jahre alt, sein ältester Sohn Tschu auf den Thron. Dieser gab sich den Titel Hienfong, auf deutsch: Fülle des Segens. Was will man mehr! Laut Internet gibt es, zu meiner Überraschung, das Mittel Hienfong auch heute noch, und Mutter würde, wenn sie noch lebte, unverzüglich und beglückt eine Kiste kommen lassen.

Die oben erwähnten  Betrachtungsweisen (den Hienfong einbezogen), so unverdaulich sie zunächst erscheinen mögen, halte ich für wichtig, damit nicht eines Tages eine Denkblockade oder ein Streik der Wissenschaft einsetzt, so, wie heutzutage in Deutschland ganze Technologien politisch außer Kraft gesetzt und die Ingenieurwissenschaften kriminalisiert und beinahe lahm gelegt werden.

Ein Diskurs unter Philosophen, Theologen und Naturwissenschaftlern ist positiv zu bewerten. Denn mir ist durchaus klar, dass die Philosophie auch in der Zukunft durch Thesen und Antithesen belebt bleiben muss. Und mir ist auch bewusst, dass selbst Karl Marx keine primitive materialistische Weltsicht hatte. Ja, ich denke, er würde heute, im Gegensatz zu anderen, jetzt lebenden Philosophen und Psychologen, die das Weltbild des 19. Jahrhunderts radikal verändernden Ergebnisse der neuen Naturwissenschaft in „genügendem Maße“ zur Kenntnis nehmen und verarbeiten. Wie gesagt, der philosophische Streit muss als belebendes Element der Geisteswissenschaft bleiben. Aber dieser wird  in den  Massenblättern, die das Denken des einfachen Menschen negativ beeinflussen, nicht angesprochen. Angesprochen wird die gewöhnliche Seele. Diese wird ohnehin in den Medien fortwährend ermuntert, die Unverfrorenheit zu besitzen, für das Recht der Gewöhnlichkeit einzutreten und es überall durchzusetzen.

Natürlich ist dies nicht überzubewerten, wie der belesene Zeitgenosse ahnt. Denn Gewöhnlichkeit hat immer schon für begrenzte Zeitabschnitte über den Adel des Geistes triumphiert, um danach wieder in ihre Schranken verwiesen zu werden. Wie sagte bereits Cäsar: „Das Prunken mit Gewöhnlichkeiten ist zu einem ernst zu nehmenden gesellschaftspolitischen Faktor geworden“. Aber augenblicklich ist eine Fahnenflucht der Eliten zu beklagen. Sie nehmen vor der gewöhnlichen Seele reißaus. Die „gewöhnliche Seele“ ist identisch mit dem Massenmenschen. Wie ist dieser zu definieren? Im Buch „Der Aufstand der Massen“ heißt es:  „Wer sich angesichts irgendeines Problems mit den Gedanken zufrieden gibt, die er ohne weiteres in seinem Kopf vorfindet, gehört intellektuell zur Masse. Elite dagegen ist derjenige, der gering schätzt, was ihm mühelos zufällt, und nur seiner würdig erachtet, was über ihm ist und mit einem neuen Anspruch erreicht werden muss“. Leute, wie die Nationalsozialisten, die „ihre“ Realitäten behände erfanden, gehörten zur Masse, ganz eindeutig. Es war eine gewalttätige Masse, die ein halbes Jahrhundert verdunkelt hat. Und das ging von Deutschland aus! Aber statt sich bei uns intensiv mit dieser unserer Vergangenheit (ohne endlose Selbstvorwürfe) geistig auseinander zu setzen, flüchtet man sich in das „Aufarbeiten“ von Irrungen des Geistes, die Jahrhunderte zurückliegen. Und dieser Trick scheint zu gelingen. Unsere eigene Vergangenheit ist im Bewusstsein der Deutschen weiter weg als das Mittelalter. Ein toller Erfolg unserer Meinungsmacher!

Ich habe keine Angst, der Massenmensch werde auf Dauer der Maßstab für gesellschaftliches Streben sein. Angst habe ich nur davor, der große Einzelne, der seinem ganzen Wesen nach mehr im Dienste der Allgemeinheit steht als die Masse, könnte vorzeitig resignieren. Und da nehme ich wieder, wie so oft in meinem recht unbedeutenden Leben, meinen Optimismus zur Hilfe. Diesen Optimismus kann man „züchten“. Er gedeiht besonders lebensfähig, wenn man weniger dem Zufall zuschreibt. Was den großen kosmischen Rahmen angeht, meint Jean Guitton: „Was wir Zufall nennen ist lediglich unsere Unfähigkeit, einen höheren Grad an Ordnung zu verstehen.“. Bedenken wir, dass Zufall die Ordnung zerstören würde, während Intelligenz die Dinge organisiert und aus dem Chaos eine Ordnung entstehen lässt. Das „intelligente“ Universum hat also die Materie so geordnet, dass das Leben entstehen konnte.

 

Im Alltag kann uns jener in Form eines Gebetes formulierte Sinnspruch helfen:

Herr,

Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann.

Gib mir den Mut, Dinge zu verbessern, die ich ändern kann.

Gib mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

 

Und so, geistig gewappnet, können wir getrost die Jahrtausendschwelle überschreiten (es darf auch getanzt werden) und mit viel Zuversicht in die Zukunft blicken. Seien wir also optimistisch und voller wachem Interesse im Hinblick auf die weitere spannende Entwicklung. Es lohnt sich einfach, in unserer Zeit zu leben. Schickt die Miesmacher und Schwarzseher in die Rumpelkammer der menschlichen Gesellschaft! Dann können wir wieder freier atmen, glauben und hoffen.

Europas Schicksalsjahr 1917

Im Zuge einer gewaltigen geistigen Evolution ist im europäischen Abendland bei der gegenseitigen Befruchtung von jüdischen, griechischen (von den Arabern übermittelt und angereichert), römischen und christlichen Gedanken all das entstanden, was den modernen Menschen ausmacht. Dieser allein formulierte die wissenschaftlichen Begriffe, die heute in der ganzen Welt Gültigkeit haben. Doch dieses Europa, mit sich selbst in nationale Konflikte verwickelt, begann spätestens im Jahre 1917 von der Weltbühne abzutreten: Die Vereinigten Staaten von Nordamerika erschienen in jenem Jahr als entscheidende neue Weltmacht auf dem europäischen Kriegsschauplatz des Ersten Weltkrieges und in Russland vollzog sich die sowjetische Oktoberrevolution.

In  den USA galten fast ausschließlich die Gesetze der Technisierung und des aus dem Kalvinismus entstandenen Frühkapitalismus und in Russland setzte sich der dialektische Materialismus Marxscher Prägung durch. Beide Strömungen waren aus der abendländischen Geisteswelt hervorgegangen, beinhalteten aber nur einen geringen Teil ihres Gedankenreichtums. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass der im Zuge der geistigen Evolution entstandene Genius Abendland im kommenden Jahrtausend von der Welt, nicht als Kolonialmacht, sondern als geistiger Motor, dringend gebraucht wird, damit dem Wachsen der Wüste Einhalt geboten wird.

 

Wie die neue Ära mit rasanten wissenschaftlichen Entwicklungen, in die wir eintreten oder bereits eingetreten sind, einst genannt werden wird, weiß heute niemand. Pierre Teilhard de Chardin, der französische Universalgelehrte und Jesuitenpater vergleicht in seinem Buch „Der Mensch im Kosmos“ den heutigen Zustand mit der Ausfahrt aus einem sicheren Hafen auf ein unbekanntes, unruhiges Meer mit hohen und stürmischen Wellen und er zitiert in diesem Zusammenhang Henri Breuil wie folgt:

 

„Unsere augenblicklichen intellektuellen, politischen und sogar seelischen Erschütterungen haben eine ganz einfache Ursache. Wir haben eben erst die Anker gelichtet, mit denen wir noch an die Steinzeit gekettet waren.“

Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen. Und so trinke ich  Silvester auf das Wohl der Mutigen und der Wankelmütigen.

Doch, was rede ich denn da? Ich sitze doch immer noch im Zug nach Schwerin und habe in der Zwischenzeit meinen belesenen Mitreisenden ganz vergessen. Doch jetzt, wo ich ihm mein Gesicht zuwende, fragt er mich: „Warum hopsen Sie hier von einer Begründung zur anderen, statt vom Höhlengleichnis Platons ausgehend an die Entität der Quarks zu erinnern. Das Höhlengleichnis kann in jedem halbwegs brauchbaren Lexikon nachgelesen werden. Im Extrakt: Da sitzen Gefangene ein Leben lang angekettet in einer Höhle und sehen auf der gegenüberliegenden Wand immer nur die Schatten von Gegenständen, die oben, auf der Erdoberfläche an einem Feuer vorbeigetragen werden. Natürlich hielten sie diese Schatten für das Wahre. Platon möchte mit diesem Gleichnis verdeutlichen, dass das Alltagsverständnis von der Wahrheit weit entfernt ist.“ „Und was hat das mit den Quarks zu tun?“ frage ich. „Als die Wissenschaft begann, in die Atomkerne hineinzuschauen, entdeckte sie immer kleinere Entitäten, die aufspürbar und messbar waren, also der Materie zugeordnet werden konnten. Bei den Quarks * aber scheint man an einer physikalischen Mauer angelangt zu sein. Man erkennt ihre Wirkung, sozusagen ihre Schlagschatten, aber man findet sie nicht. Sie bleiben rätselhaft. Aber ich rate zur Vorsicht! Wenn man zu ahnen beginnt, dass die Materie auch nur eine Form der Energie ist, wird man auf kurz oder lang seine materialistische Weltsicht verlieren.“ 

*) Quarks sind die elementären Bestandteile, aus denen Hadronen , z.B. die Atomkernbausteine (Protonen und Neutronen) bestehen.

Als ich ihn bitten will, diese Gedanken zu vertiefen, steht er auf und verlässt mit der Miene eines weltentrückten Denkers das Abteil. Beim Hinausgehen hat er mich bereits total vergessen. Ich finde es nicht berauschend, mit einem unausgegorenen Halbwissen sitzengelassen zu werden. Als ich diese Begegnung einer in Rente befindlichen Hausfrau und früheren Büroangestellten erzähle, sagt diese unkompliziert und ohne schmerzhaftes Nachdenken: „Ich glaube nur das, was ich sehe.“ Peng! Vielleicht kommt sie bei ihrem Tod nicht in die Verlegenheit, ihren Geist aufgeben zu müssen.

 

Übrigens: Wer von den atheistisch Geprägten  weiß, dass der Vater der Urknalltheorie und Errechner des Alters unseres Universums (13,7 Mia Jahre) ein katholischer Geistlicher aus Belgien namens Abbé Georges Lemaître ist? Ich hoffe sehr, dass sie den Unterschied zwischen dem Siebentagesschema der aphoristisch hervorragenden Schöpfungsgeschichte des Alten Testaments und der bereits von Augustinus aufgezeigten Freiheit und Verpflichtung des Menschen, die Überlieferung in die jeweilige Sprache der Zeit zu übertragen, kennen.

 

Kurz vor dem Eintritt ins neue Millennium bekomme ich von meinem Schweriner   Kollegen, Herrn Dr. Jens Olaf Birzer, folgende „Warnung“ schriftlich zugestellt:

„Das neue Jahrtausend beginnt in wenigen Stunden, aber Achtung... Wer mit Fluchtgeschwindigkeit auf der Überholspur ins nächste Jahrtausend unterwegs ist, muss wachsam sein!  Es könnte ein Fortschrittsverweigerer  entgegenkommen.“

 



Und was sagen die Naturwissenschaftler?

Arthur Stanley Eddington

Die moderne Physik führt uns notwendig zu Gott hin, nicht von ihm fort. - Keiner der Erfinder des Atheismus war Naturwissenschaftler. Alle waren sie sehr mittelmäßige Philosophen.
Arthur Stanley Eddington, 1882-1946, englischer Astronom



Die Eddington-Grenze, welche die maximale Leuchtkraft beschreibt, die ein Stern im hydrostatischen Gleichgewicht haben kann, ist nach ihm benannt.

In seinem Buch "Raum, Zeit und Gravitation" stellt er die durch die Entdeckung der Relativitätstheorie entstandene Situation dar.



Max Planck

"Nicht die Sichtbare, vergängliche Materie ist das Reale, Wahre, Wirkliche; sondern der unsichtbare, unsterbliche Geist ist das Wahre. Da es aber Geist an sich nicht geben kann und jeder Geist einem Wesen zugehört, so müssen wir zwingend Geistwesen annehmen. Da aber auch Geistwesen nicht aus sich selbst sein können, sondern geschaffen worden sein müssen, so scheue ich mich nicht, diesen geheimnisvollen Schöpfer so zu nennen, wie ihn alle alten Kulturvölker der Erde früherer Jahrtausende genannt haben: Gott. Zwischen Religion und Naturwissenschaft finden wir nirgends einen Widerspruch. Sie schließen sich nicht aus, wie manche glauben und fürchten, sondern sie ergänzen und bedingen einander. Wohl den unmittelbarsten Beweis für die Verträglichkeit von Religion und Naturwissenschaft auch bei gründlich-kritischer Betrachtung bildet die historische Tatsache, dass gerade die größten Naturforscher aller Zeiten, Männer wie Kepler, Newton, Leibniz von tiefer Religiosität durchdrungen waren." 
Max Planck (1858 - 1947), Nobelpreisträger für Physik und Begründer der Quantentheorie



Und heute zu Beginn des Dritten Jahrtausends?

Der aus Frechen-Bachem bei Köln stammende und mit internationalen Preisen dotierte Astrophysiker Heino Falcke betont, dass Wissenschaft und Glaube kein Widerspruch für ihn als engagierter Christ sind. „Auch Naturgesetze sind Teil der Schöpfung“. Er spricht mehrmals im Jahr als Laienprediger in Gottesdiensten der evangelischen Kirchengemeinde. (aus KR Nummer 28 vom 03.02.2014)

 

Der Astrophysiker Heino Falcke ist maßgeblich an der Erforschung der Schwarzen Löcher beteiligt. Seine Doktorarbeit lautete „Hungernde Löcher und aktive Kerne“.

Astrophysiker Heino Falcke

Unter Fachleuten wird er "Jäger der Schwarzen Löcher" genannt.

Paul Kalbhen

Es lohnt sich, einen Blick in das Buch „Glaube und Naturwissenschaft: Widerspruch oder Ergänzung?“ von Paul Kalbhen zu werfen. Danach muss das christliche Weltverständnis unter dem Blickwinkel der Quantenphysik „komplementär"-* sich gegenseitig ergänzend – erfolgen. In die Schöpfung sind Ordnungsstrukturen als auch Freiheitsgrade gelegt und zu wahrscheinlichkeitsbedingten Naturgesetzen verschmolzen.

*) komplementär= gegensätzliche, aber sich ergänzende Eigenschaften eines   

   Objekts oder Sachverhalts. Den Begriff der Komplementarität hatte der Physiker

   Niels Bohr als Erkenntnistheorie in die Quantenphysik eingeführt.

In einer Kölner Tageszeitung (KR) veröffentlichte Kalbhen folgenden Leserbrief:

Das Wirken Gottes ist geistiger Art

Meiner Meinung nach ist die angeblich "neue" Philosophie nur eine Variante einer pantheistischen Sicht des kosmischen Geschehens.

Dabei kann die christliche Theologie meines Erachtens "im Sinne" eines Thomas von Aquin durchaus metaphysische Deutungen der modernen Physik bieten: Das Wirken Gottes in seiner Schöpfung ist geistiger Art. Mit der Erschaffung von Energie und Naturgesetzen aus dem "Nichts" legte er den Grund für die Entwicklung des Lebens und machte mit seinem Geist den Menschen sich selbst bewusst. Die Ewigkeit Gottes ist im Sinne der Einstein'schen Relativitätstheorie als Zeitlosigkeit denkbar.

Nach Aussage der christlichen Dreifaltigkeitslehre ist "Gott- Vater" allwissend - man könnte folgern, weil er als Schöpfer der Welt außerhalb unseres Raum-Zeit-Kontinuums existiert. Damit entfällt die theologische "Zwangslage" , Vorhersehung Gottes und Vorherbestimmung gleichzusetzen.

Angesichts des Leides in der Welt ist die Vorstellung eines absolut liebenden Gottes nur zu begründen, wenn man den Zufall als ein wesentliches Element in Gottes Schöpfungskonzept begreift: Denn Gott will das Leid nicht, sondern lässt es wegen der Freiheit seiner Schöpfung zu.

Das christliche Weltverständnis muss unter dem Blickwinkel der Quantenphysik "komplementär" - sich gegensätzlich ergänzend - erfolgen. Der scheinbare Widerspruch zwischen Ordnung und Chaos, Notwendigkeit und Zufall, Gesetz und Freiheit löst sich auf unter einer ganzheitlichen Sicht der christlichen Offenbarung: Gott hat in seiner Schöpfung sowohl Ordnungsstrukturen als auch Freiheitsgrade gelegt und diese zu statistischen - wahrscheinlichkeitsbedingten - Naturgesetzen verschmolzen.

Erst die Wechselwirkung von Gehirn und Geist, von Leib und Seele, von "Hardware" und "Software" des Individuums macht den sich selbst bewussten Menschen aus; die in den Genen gespeicherte Information ist geistigen Ursprungs. Für den Christen ist das Leben Teilhabe am Göttlichen Geist, dem "Heiligen Geist".

Diesen Leserbrief empfinde ich so umfassend, dass ich ihn nicht durch minderqualifizierte Kommentare beflecken möchte. Doch:

 

Wie kann ich hier persönlich wieder Schritt fassen?

Als ich mich kurz nach dem Zweiten Weltkrieg auf das Ingenieurstudium vorbereitete und neben meiner praktischen Umschulung wöchentlich mindestens sieben Privatstunden in Mathematik, Physik und Chemie belegte, glaubte ich zunächst alles beweisen zu müssen. Doch gerade bei der Mathematik erkannte ich schnell, dass jeder Beweis auf Voraussetzungen fußte, die selber zu beweisen waren. In meinem jugendlichen Überschwang glaubte ich, diese Voraussetzungen würden absolute Gültigkeit besitzen. Und das war ein Irrtum, wie sich bald herausstellen sollte. So wurde mir vor Augen geführt, dass (z.B.) die Euklidische Geometrie nur auf eng begrenzten Flächen unserer Erde, also räumlich begrenzt, brauchbar ist. Und bei vielen weiteren plausibel erscheinenden "Erkenntnissen" wurde nach und nach ein Fundament der Unsicherheit sichtbar, so dass man den jeweiligen Wissensstand nur als vorübergehend und halbwegs brauchbar annehmen muss. Da ich dieses Fundament beim besten Willen nicht als Glaubensersatz akzeptieren kann, bleibe ich bei dem, was mir Orientierung, Kraft und Zuversicht gibt und mich in die letzten Stunden meines Lebens hoffend hineinträgt.

Arabisches Sprichwort: Schiebe nicht die Wolken von morgen auf die Sonne von heute.

Während die atheistische Welt begann, neben der Wahrheitssuche die so genannten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu endgültigen Glaubenssätzen zu erheben,   entdeckten Andere die wahre Größe des menschlichen Geistes in seinen Bemühungen, die ihn einkreisende Illusion der Nähe durch die Erforschung des gewaltigen Universums und die Wahrnehmung der Raum-Zeit zu überwinden.

Was ich Ende der vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts mit Stolz gelernt hatte, stimmt heute zum großen Teil nicht mehr. Und in nicht allzuferner Zukunft wird manches als überholt gelten, was zum heutigen Wissensstand zählt. Aber damit wir hoffen können, laden Vernunftsgründe zu einem Akt des Glaubens ein.

Pierre Teilhard de Chardin:  Wo die Zukunft den Platz der Gegenwart einnehmen soll, müssen die Feststellungen der Wissenschaft der Vorwegnahme durch den Glauben Platz machen.

Inzwiwschen haben wir die äußere Grenze der mathematischen Beweisführung, die experimentell erhärtbar ist, überschritten, sind also im für alle Zeiten Unbeweisbaren angekommen.

 

Jean Guitton, Deutsche Ausgabe des Buches lautet: "Gott und die Wissenschaft"

Jean Guitton: Gott und die Wissenschaft
Buch erschienen im dtv-Verlag

Hieraus:
Extrakt, das evolutive Universum betreffend

 

**) Mit intelligent gefütterten Computerprogrammen lässt sich

   die "inflationäre Ära" vielleicht sogar korrekt simulieren. Dennoch bleibe   

   ich bezüglich der Zeitangaben leicht skeptisch, während ich die

   Beschreibung der Ereignisse und

   ihre Reihenfolge für glaubwürdig halte.


Die "Zeit" vor der "Planckschen Mauer"
0 bis 10 hoch minus 43. Sekunde
nach dem Urknall (heutiges Denkmodell)
vor etwa 13,7 Milliarden Jahren

Die Wissenschaft ist außerstande, das Verhalten von
Atomen unter Bedingungen extremer Gravitation zu erklären.

Am Ursprung des Universums steht ein Meer unendlicher
Energie.

Hinter der Planckschen Mauer ist das totale Geheimnis.
(in der Zeitabfolge gesehen vor der Planckschen Mauer)

Metarealistischer Rahmen, um die
Existenz eines kosmischen Codes zu
akzeptieren:
* Geist und Materie bilden ein und dieselbe Realität.
* Der Schöpfer dieses Universums aus Geist und Materie
  ist transzendent.
* Die Realität "an sich" dieses Universums ist nicht
  erkennbar.
(Zitat aus vorstehend genanntem Buch)

vor etwa 13,7 Milliarden Jahren
Ursprung des Universums (evtl. Urknall)
Die Urknalltheorie stammt vom Abbé Georges Lemaître (belg. Theologe)
10 hoch minus 43. Sekunde
Das gesamte Universum ist in einer
Sphäre von 10 hoch minus 33 cm enthalten.
Temperatur: 10 hoch 32°C
Hinweis: Die extreme Dichte der Ereignisse beinhaltete
eine Verzerrung der Dauer. (inflationäre Ära**).

10 hoch minus 32. Sekunde
Ende der inflationären Ära .
Phasenübergang: Starke Kraft löst sich von der
elektromagnetischen Kraft.

Es existiert nur 1 Urteilchen ( X- Teilchen ) *
Apfelgröße, lediglich Kraftfeld, keinerlei Materie

*) Im CERN forscht man nach dem 1964 vorhergesagten Higgs-Teilchen,

    einem Boson-Teilchen (elektrisch neutral, Spin 0), das die Kräfte zwischen den

    Fermionen vermitteln soll, so dass Masse entstehen kann. Angeblich hat der

    Belgier Englert seine Arbeit etwas früher veröffentlicht als der Engländer Higgs.

    Dennoch  wird das Teilchen nicht nach ihm, sondern nach Higgs benannt.

10 hoch minus 31 Sekunde
Aus dem X- Teilchen entstehen die ersten Materie-
teilchen ( Quarks, Elektronen, Photonen, Neutrinos samt
Antiteilchen. Größe des Universums: Ballon
Es entstehen Unregelmäßigkeiten *, Dichteschwankungen
(Streifen), denen wir unsere heutige Existenz verdanken.
*) Wer die Physik aus der Gottesperspektive ablehnt, nennt diese gewollten

    Unregelmäßigkeiten-->reiner Zufall. Beispiele: a) Der Anteil der Antiteilchen war

    geringer als 50% so dass nur ein Teil der Teilchen durch die Antiteilchen

    aufgehoben wurde, b) die noch unerforschte dunkle Energie sorgt trotz der

    starken Gravitation für eine entgegenwirkende Ausdehnung des Universums und

    damit auch

    für die heutige Verteilung der Galaxien und das Entstehen habitabler Zonen 

    usw. Danach verdanken wir unsere Existenz diesen   "ungewollten" Zufällen. Soll

    ich das glauben? Nein! - Zwar hat bei der evolutiven Entwicklung ein nach klaren

    Vorgaben ablaufendes "Spiel der benutzten Zufälle" eine wesentliche Rolle

    gespielt, das  später, nachdem der Mensch in Szene trat, durch Erfindungen

    entscheidend aufgewertet wurde. Aber, ich wiederhole hier nochmals:

    Was wir Zufall nennen, ist lediglich unsere Unfähigkeit, einen höheren Grad an

    Ordnung zu verstehen.

  
10 hoch minus 11. Sekunde
Elektroschwache Kraft teilt sich in elektromagnetische
Wechselwirkung und schwache Kraft.

Zwischen 10 hoch minus 11. und
               10 hoch minus 5. Sekunde
Quarks verbinden sich zu Neutronen und Protonen und die
meisten Antiteilchen verschwinden, um den Teilchen des
heutigen Universums Platz zu machen.

10 hoch minus 4. Sekunde
Entstehung der Elementarteilchen;Raum hat sich geordnet

200. Sekunde
Elementarteilchen fügen sich zusammen und bilden
Wasserstoff- und Heliumkerne.
Von nun an entwickeln sich die Dinge sehr viel langsamer.
Millionen Jahre lang ist das Universum in Strahlungen und
und wirbelndes Gasplasma eingebettet.

vor 10 bis 12 Milliarden Jahren
Erste Riesensterne aus verdichteten u. erhitzten
Wasserstoffwolken, wie gigantische Öfen wirkend,dazu
bestimmt, die Kerne schwerer Elemente zu bilden,
explodieren nach relativ kurzer Lebensdauer.

nach etwa 100 Millionen Jahren
Es entstehen Sterne der 2. Generation, sowie deren Planeten
und Monde
In ihrem Innern verschmelzen Wasserstoff- u. Heliumatome und
bringen die schweren Elemente hervor.

vor 4,57 Milliarden Jahren
Entstehung unseres Sonnensystems

50 Millionen Jahre später
Entstehung unserer Erde **
**) Pierre Teilhard de Chardin ging davon aus, zwischen der Entstehung der Erde und dem Beginn der Geschichte der Lebewesen einen relativ langen Zeitraum der "Unter-Lebewesen" einschieben zu müssen (makromulekulare Ära, Revolution der Zelle, Protoplasma, Metamorphose-->). Das geht über meine Hutschnur, scheint aber logisch.
vor 150 000 Jahren
Beginn der Geschichte der Menschheit
Stand der Evolution: Geosphäre> Biosphäre> Noosphäre*
*) Wenn der Mensch seinen lieben vierbeinigen Freund betrachtet, stellt er mit Leichtigkeit fest, dass dieser Hund ein höheres "Seelenleben" hat als (z.B.) seine dahindösende Schildkröte. Aber, obwohl bei allen Lebewesen die vorhandene Instinktform in Richtung "Intelligenz" tendiert, hat sich bei der Menschwerdung (der Mensch, von sich selbst, wie von einem Objekt Besitz ergreifend) die Geburt einer völlig anderen Welt vollzogen, von Abstraktion, Mathematik und Kunst

bis hin zur berechneten Wahrnehmung von Raum und Zeit.

 


Gedanken:

Seit der Einführung der Quantentheorie gilt:
Gott, der keinen Anfang hat und kein Ende haben wird,
befindet sich nicht außerhalb der Zeit: Er ist die Zeit selbst
*  Eine grundlegende Realität ist nicht erkennbar.
*  Wir existieren durch etwas "hindurch", dessen Natur zu
   erforschen uns schwerfällt, das jedoch mehr dem Geist
   als der traditionellen Materie entspricht. Materie ist nur
   eine Form von Energie.
*  Realität ist weder kausal noch lokak; Raum und Zeit
   sind Abstraktionen, reine Illusionen.
*  Angesichts dieses Rätsels gibt es nur zwei Haltungen:
   -  Die eine führt zum Absurden,
   -  die andere zum Geheimnis.
   -  Die letzte Wahl zwischen beiden ist, im philoso-
      phischen Sinne, meine höchste eigene Entscheidung.
*  Es gibt zum erstenmal eine wissenschaftliche
   Grundlage für die von der Religion vorgeschlagene
   Weltsicht.


Das Jahr 1927
Geburtsjahr der metarealistischen Philosophie
*  Quantentheorie von Max Planck
*  Unschärferelation von Heisenberg
*  Wellen- Korpuskel- Lehre de Broglies
*  Theorie über die Ausdehnung des Universums von
   Abbé Georges Lemaître (belgischer Theologe u. Astrophysiker)
*  Vereinheitlichte Feldtheorie von Einstein
*  "Der Mensch im Kosmos" von Pierre Teilhard de Chardin
    ( Naturwissenschaftler und Jesuitenpater)
*  "Gott und die Wissenschaft" von Jean Guitton
*  Kopenhagener Kongreß:
   Offizielle Begründung der Quantentheorie

Das Jahr 1989
Der von Demokrit bis Karl Marx entwickelte Materialismus zerbricht.
Gedanken:
Jean Guitton:
  Was wir Zufall nennen ist lediglich unsere Unfähigkeit
  einen höheren Grad an Ordnung zu verstehen.
  Das Universum "wusste", dass der Mensch zu seiner Zeit
  kommen würde. (anthropisches Prinzip)
Grichka Bogdanov:
  Was auf unserem winzigen Planeten passiert, ist von allen
  Hierarchien der Strukturen des Universums diktiert
  (Prinzip der göttlichen Totalität)
  Alles spiegelt alles übrige wider (holistisch geordnetes
  Universum)
Pierce:
  Der menschliche Geist spiegelt ein Universum, das den
  menschlichen Geist spiegelt.
Und was sage ich?
Ich glaube weniger an den Urknall, als vielmehr an den Kollaps eines
komplexen Netzes von Wellenfunktionen, hervorgerufen durch den
Akt der Beobachtung (setzt zwingend Gott voraus).

Auftauchen eines neuen philosophischen
Standpunktes im 20. Jahrhundert

Entwicklung der Naturwissenschaft:


Antike
*  Seit der Antike: Analogisches Denken (Herstellen von Beziehungen
  zwischen verschiedenen Klassen von Objekten oder Phänomenen,
  hohe Zeit der euklidischen Geometrie)

Ende 17. Jahrhundert
*  Gegen Ende des 17. Jahrhunderts: Erfassen von Phänomenen in
   ihren quantifizierbaren, mechanischen und berechenbaren Aspekten
   (Herrrschaft des logischen Denkens)
  Systematische Analyse der noch unbekannten, letztlich jedoch
  erkennbaren Phänomene

Ende 20. Jahrhundert
*  Gegen Ende des 20. Jhts.: Der wissenschaftlichen Erkenntnis
   entspringt eine völlig andere Weltauffassung (Überschreitung
   der Grenzen zum für alle Zeiten Nichterkennbaren.
   Einige Beispiele.
   - Unentscheidbarkeit in der Mathematik
  - Komplementarität in der Physik
  - Grenzen der Euklidischen Geometrie *)
  - Aus der Planckschen Konstante errechenbare Dimensionsmauern

Die Intelligenz im Universum
Während der Zufall dahin tendiert, die Ordnung zu zerstören,  sorgt
die Intelligenz für eine "Organisation", die aus dem Chaos eine Ordnung
entstehem lässt.
Die Realität beruht auf weniger als 15 kosmologischen Konstanten.
(U.a.: Lichtgeschwindigkeit, Gravitation, absoluter Nullpunkt, die
Plancksche Konstante, auch Plancksches Wirkungsquantum (Energie
eines Photons)

Das Geheimnis des Lebens
Die Wahrscheinlichkeit, dass etwa 1000 verschiedene Enzyme sich
auf geordnete Weise einander nähern und im Verlauf der Evolution
von mehreren Mia Jahren eine lebendige Zelle bilden, hat die Größen-
ordnung von 10 hoch 1000 zu 1 (Chance gleich 0)

Gesamtheit eines Informationsnetzes
Die Quantentheorie bewirkt die Aufhebung des Unterschieds
*  zwischen Feld und Teilchen
*  zwischen Materie und Jenseits
Pierre Teilhard de Chardin: Das ganze Universum, bis hin zu dem
winzigsten Teilchen, ist Träger von Bewusstsein.
Jean Guitton:
Der Geist des Menschen taucht aus Tiefen empor, die weit jenseits
des persönlichen Bewusstseins liegen. Je tiefer man hinab steigt,
desto mehr nähert man sich einem universellen Fundament, das die
Materie, das Leben und das Bewusstsein miteinander verbindet.


Und der Nobelpreisträger Ilja Prigogine erweiterte die Physik um den Faktor der Geschichtlichkeit.

Ein Axiom der Euklidischen Geometrie:

Summe der Innenwinkel eines Dreiecks nach Euklid=180°

Grenzen der Euklidischen Geometrie

*) Hier im globalen (erdumfassenden) Maßstab ist die Euklidische Geometrie, wonach die Winkeksumme eines Dreiecks gleich 180° ist, nicht mehr anwendbar, während sie früher selbst in in der Fachwelt als Axiom galt. Beim kleinflächigen Gebrauch, zum Beispiel bei den Feldvermessungen nach der jährlichen Nilschwemme in Ägypten, war keine Ungenauigkeit erkennbar.

Ungewollte Begegnungen

 

In der Abhandlung „Am Ende des Zweiten Jahrtausends“ berichtete ich von einer Begegnung mit einem Grundlagenphysiker auf einer Bahnfahrt nach Schwerin. Während jener Bahnfahrt ging ich anschließend, Heißhunger verspürend, zum Speisewagen des Zuges. Kommen wir wieder in die Gegenwartsform der Berichterstattung zurück:

Ich trete in den Speisewagen ein, setze mich, noch von den Gedanken des Grund-lagenphysiker beseelt, an einen leeren Tisch und erkenne jetzt, zur anderen Waggonseite blickend, einen Reisenden in Sachen Gottes. Sein Name ist, seit er an die Los-von-Rom-Bewegung, die Anfang des 20. Jahrhunderts vornehmlich in Österreich propagiert wurde,  anknüpft, mir nicht ganz unbekannt. Diese in Hitlers „Mein Kampf“ mit Nachdruck erwähnte Bewegung hatte allerdings andere Begründungen. In öffentlichen Diskussionen haben die Augen des Wanderpredigers stets einen traurigen, beleidigt wirkenden   Ausdruck, so, als ob er bei seiner durchaus nachvollziehbaren Erläuterung der Gottes- und Menschliebe permanenter Missachtung ausgesetzt sei. Dann sucht er mit Vorliebe Unterstützung bei N.N. (Sein Name, selbst wenn er mir geläufig wäre, tut nichts zur Sache.) Doch diesmal finden seine Augen menschlichen Halt in den ausdrucksvollen Augen seiner Begleiterin. Er schaut mit einer fast romantischen Intensität durch die Augen der Gegenüberin hindurch in deren Seele. Dieses durch die Augen in die Seele blicken kann, allzumenschlich verständlich, auch in die Hose gehen. „Cherchez la femme!“

Warum ich das alles berichte? Nun, ich denke, das wird am Ende dieses Artikels bei einigem Nachdenken offenbar.

 

Einige Wochen später wohne ich in einem Hochhaus-Hotel im Zentrum von Potsdam. Zum Abend hin mache ich noch einen Spaziergang durch das romantische Holländische Viertel. Bei meinem Zurückschlendern zum Hotel fällt mir eine Dame auf, die einen weit nach hinten wallenden Mantel trägt. Mit diesem auffälligen Kleidungsstück rauscht sie an mir vorüber, klettert behände die Stufen der breiten Treppe zum Hotel hoch und erreicht dann mit einer abrupten Neunziggradwendung und einigen eiligen Schritten seitwärts, den Eingang, wobei der weite Mantel so hinterher flattert, als ob ein von was weiß ich getriebener Geist in Menschengestalt auf der Flucht vor sich selber sei. Einen solch wallenden Mantel trägt übrigens auch EL Cid auf seinem Reiterstandbild in Burgos. Schnell vergessen! Doch dann wiederholt sich beim Abendessen im Restaurant des Hotels die mir bereits vertraute Szene aus dem Speisewagen im Zug nach Schwerin und zwar in allen geschilderten Details. Ich gestatte mir, die Gegenüberin mit der Mantelszene von vorhin in Verbindung zu bringen Urplötzlich bekomme ich Mitleid mit all jenen Männern, die so, oder durch ähnliche Fallstricke, in die totale ( nicht zwingend fatale) Abhängigkeit starker Frauen geraten. Obwohl, und das muss auch bedacht sein, derart starke Frauen eine Macht über Männer besitzen, die dann, mit ausreichend Intellekt ausgestattet, durch die geschlechtliche Spannung eine Zündung erhalten, die ihnen den Antrieb zu beachtlichen Erkenntnissen verschafft. Doch ich flüchte mich blindlings wieder in die Obhut einer großen Weltgemeinschaft, in der für all die Menschen Platz ist, die nicht die gedankliche Schärfe dieses höchst individuellen und intelligenten Wanderpredigers besitzen. Ich bin eben nicht tauglich für intellektuelle Extravaganzen, sondern möchte einfach ganz normal sein. Aber was ist schon normal? Die von mir gepriesene Normalität kann auch ganz einfach Trägheit bedeuten. Und dann gebe ich mir selbst zu bedenken, dass ich ihn (IHN) im Grunde meines Herzens beneide. Was ihn in meinen Augen so bedeutsam macht, ist diese ungeheure Fähigkeit zu lieben und diese ungeheure Gnade, soviel Zuneigung zu empfangen.

Zwischenbemerkung:

Jahrzehnte später las ich in der Wochenzeitung Christ und Welt eine Abhandlung von "Ihm" zum Thema "Wer ist ein Märtyrer?" und er gab mir ein wenig  des mir abhanden gekommenen Verständnisses für die Überzeugung anderer zurück.

Weiter:

Doch da schleicht sich ein Gedanke in meine Betrachtungen,- nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Nein, er bewegt sich eher zwischen ahnen und für denkbar halten und bleibt dazwischen als knifflige Frage hängen: Kann die hier sichtbar gewordene Fähigkeit der Frauen, mit ihren spezifisch weiblichen Waffen Macht (über Männer ) auszuüben, zur Hartnäckigkeit des Zölibats geführt haben? In früheren Jahrhunderten prägte man in Frankreich bei vergleichbaren Ereignissen, die anders nicht zu erklären waren, den Satz: "Cherchez la femme!" (Suchet die Frau!). Doch damals hatten die Frauen nicht die Chance, mit den schulischen und beruflichen Voraussetzungen, die damals allein den Männern zur Verfügung standen, auf gleiche Weise ihren Einfluss geltend zu machen. Wie gesagt: Damals.

Nun wüsste ich ja eigentlich Bescheid. Wirklich? Doch da erinnere ich mich an die überzeugt geäußerte Meinung meines Schwiegervaters: "Wenn die Kirche das Zölibat aufgibt, wird sie auf kurz oder lang in Sekten zerfallen." Ehrlich gesagt: "Ich weiß es nicht, bezweifle aber, dass diese Frage hart aber fair und mit Spiegelweisheit zu lösen ist."

 

 



Doch als Vater von zwei Töchtern und Großvater von zwei Enkelinnen bin ich nicht gewillt, diese Meinung ohne weiteres Nachdenken als der Weisheit letzten Schluss hinzunehmen. Meine Suche führt mich dann zurück in die Zeit der französischen Revolution (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit). Der Freiheitsbegriff schloss die Frauen, die weiterhin dem Willen des Mannes strickt zu gehorchen hatten, nicht mit ein. Als die Frauenrechtlerin Olympe de Gouges (eigentlicher Name Marie Gouze) nach zahlreichen anderen Veröffentlichungen im Jahr 1791 ein Dokument unter dem Titel "Die Rechte der Frau" veröffentlichte, schrieb sie z.B. unter Artikel 10: "Die Frau hat das Recht, das Schafott zu besteigen. Gleichermaßen muss ihr das Recht zugestanden werden, eine Rednertribüne zu besteigen."

Wegen ihrer Einmischung in das den Männern vorbehaltene Gebiet der Politik wurde sie mit fadenscheinigen Begründungen unter der Schreckensherrschaft Robespierres 1793 verhaftet, monatelang eingekerkert und schlussendlich mit dem Fallbeil der Guillotine hingerichtet.

   Bevor ich von diesem Vorkommnis Kenntnis erhielt, hätte ich niemals geglaubt, dass selbst die Männer der französischen Revolution den Begriff der Gleichheit nicht auf die Frauen ausdehnten. Unglaublich! Das Bild von Delacroix, das die Beteiligung der Frauen an der Revolution versinnbildlicht, kann man also getrost abhängen und in einer Rumpelkammer verstecken.

Delacroix: Die Freiheit führt das Volk (Ausschnitt)

In meiner grenzenlosen Verunsicherung schalte ich den Computer aus und das Fernsehen ein und wähle ohne großes Nachdenken einige Fernsehsender. Auf dreien dieser Sender wird nach Herzenslust gekocht,-

ausschließlich von Männern!

Doch da fällt mir ein, dass ich in den letzten Jahren von Ärztinnen beraten, behandelt und operiert wurde.

Und meine weiblichen Nachkommen (Töchter und Enkelinnen) sind erfolgreich und mit viel Freude tätig als Heilpädagogin, Dipl.-Psychologin, Dipl.-Ingenieurin für Fototechnik und Schauspielerin und Modedesign-Assistentin.

Und viele gute Sekretärinnen haben ihren Chef positiv betrachtet fest im Griff!

Ohne ein weiteres Wort zu verlieren verlasse ich jetzt dieses Thema und gebe es an die hierfür zuständigen Psychologen weiter. Die sollen herausfinden, für welche Berufe Frauen geeigneter sind

als Männer, wo sie sich wohl fühlen und akzeptiert werden.

Zur Französischen Revolution fällt  mir noch folgende Geschichte ein:

Der Mensch ohne Namen vor einem Revolutionstribunal

der Französischen Revolution

 

-        Votre nom s’il vous plaît ? -->Ihr Name bitte?

-          Marquis de Saint-Cyr.

-          Il n’y a plus de marquis ! --> Es gibt keine Marquis mehr.

     Votre nom s’il vous plaît ?

-          De Saint-Cyr.

-          Il n’y a plus de «  de » !-->Es gibt keine "von" mehr.

     Votre nom s’il vous plaît ?

-          Saint-Cyr.

-          Il n’y a plus de saints !-->Es gibt keine Heiligen mehr.

Votre nom s’il vous plaît ?

-          Cyr.

-          Il n’y a plus de sire !--> Es gibt keine"Majestäten" mehr.

 

Dann verlor der gute Marquis de Saint-Cyr seinen Kopf.

 

Mahnung zur Vorsicht

An den Anfang dieses Kapitels stellte ich den Satz: „Friede und Toleranz ergeben sich nur aus der klaren Einsicht in die eigene Unzulänglichkeit.“ Diese meine Einsicht zwingt mich, den Leser vor der Subjektivität meiner Ansichten zu warnen. Um eine der Wahrheit nahe kommende Resultierende zu finden, insbesondere was das Problem der zur Seelsorge tendierenden Frauen und das Leiden unter übertriebenen Moralvorstellungen anbelangt, empfiehlt sich das Lesen eines Buches von Bruno Ix: Ein Priester bricht das Tabu des Schweigens.

Als sich die Natur in männlich und weiblich teilte, kam die Spannung in die Welt und diese Spannung brachte den Fortschritt.

Na also!

Zukunft

Jetzt ist aber Schluss mit meinem Herummäkeln! Ich bin doch wohl mit ausreichend positivem Denken gesegnet, um einen hoffnungsvollen Abschluss zu finden. Wenden wir uns also einer von uns Menschen würdig zu gestaltenden Zukunft zu.

 

Da das Universum nicht statisch ist, sondern einen dynamischen Charakter besitzt, hat es eine Geschichte von seinem Ursprung an. Und man muss diese Geschichte befragen, um seinen Sinn, seine Bestimmung und seine Zukunft zu begreifen. Und ich muss mich selber fragen, wie ich mich persönlich in diese Geschichte stellen kann, um meine mir von Gott zugedachte Aufgabe auf dieser Welt zu finden.

 

Ich fühle mich weniger dazu berufen, die Geheimnisse des Kosmos, unserer Erde und der Menschheit zu ergründen, als vielmehr, die von mir geforderte Tat zu erkennen und zu vollziehen. Und das ist schon eine ganze Menge! Neben den großen Erfindungen und Entdeckungen gehören zu den „geforderten“ Taten auch die vielen täglichen Verrichtungen, die das Zusammenleben der Menschen erträglicher machen. Hierbei muss Platz für alle Menschen, also auch für „den Geringsten meiner Brüder“, mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten sein. Die Schaffung eines Moseskörbchens durch den Sozialdienst katholischer Frauen Kölns zum Ablegen von Neugeborenen durch Mütter, die sich in Not befinden, ist sicherlich nicht unbedeutender als die Leistung eines hoch bezahlten Sportlers. Und, um nicht einseitig zu werden, sei auch auf die sozialen Leistungen anderer Glaubens- und Wertegemeinschaften hingewiesen.

Und es gehören auch die Gedanken dazu, die „gedacht“ werden, um aus den vielen streitsüchtigen Menschen eine Menschheit entstehen zu lassen. Das wäre dann die von Anfang an gewollte Fortsetzung der Evolution durch ihre freie und verantwortliche Weiterentwicklung durch den Menschen. Hierbei ist zwingend zu beachten, dass die Vernunft bei der Entwicklung der Biotechnologie  an ihre Grenzen zu stoßen scheint. Mehrheitsentscheidungen allein sind hier nicht immer ein brauchbares Instrument.

 

Wenn ich das Universum in seiner Ganzheit, seinem inneren Zusammenhang und seinem Sinn als gewaltigen geschichtlichen Prozess, als evolutives Geschehen begreife, glaube ich zu erkennen, dass die hierzu fähigen Menschen verpflichtet sind, nach einer sinnvollen Aufgabe bei der Weiterentwicklung der Schöpfung zu suchen. Ich glaube nicht, dass die ballspielenden Vereine und die im Kreis fahrenden Rennfahrer hierbei die wesentlichsten Zukunftsaufgaben wahrnehmen. Sie sollen ihren Spaß haben. Selbstverständlich!

 

Für mich besteht eine der größten Sünden, die ein Mensch begehen kann, darin, seine positiven Fähigkeiten nicht voll und ganz auszuschöpfen. Diese Sünde kann man leicht abstellen, selbst dann, wenn man zugegebenermaßen zu den kleinen Sündern unseres schwachen Menschengeschlechts zählt.



Achtzigjährig

(kleine Feier im Kreis ehemaliger Kollegen)

 

Liebe Kollegen (nach uralter Lesart sind hiermit auch die Kolleginnen gemeint),

das Leben schreitet unaufhaltsam vorwärts. Und so findet man sich plötzlich im Kreis der 80-jährigen wieder, ohne dies in der ganzen Bedeutung des Begriffs wahrzunehmen (Weisheit des Alters, gereifte Jahrgänge, Lebensabend usw.) Das ist mir alles zu hochgegriffen. Beschränken wir uns lieber auf die Genüsse des Lebens. Denn die Summe der Leidenschaften bleibt konstant.

In diesem Sinne darf ich euch bitten, mit mir anzustoßen und einen kräftigen Schluck auf Beides (mein Wohl und meine Rechnung) zu euch zu nehmen.

 

Zum Wohle!



Rückblick

Nun bin ich also mit dem kleinen Jungen aus der Eifel den ganzen Weg durch Vorkriegs-, Kriegs und Nachkriegszeit, Studium und Berufsleben gegangen, um jetzt, über 80 Jahre alt, fast gerührt festzustellen, dass dieses Leben, reich an Stilbrüchen in Politik, Gesellschaftsleben und Wirtschaft, lebenswert und wunderbar aufregend gewesen ist.

 

Es war keine „Erfüllte Zeit“, die dieser Junge vom Lande durchlebt hat. Und gerade das macht den besonderen Reiz dieser Jahre aus, denn erfüllte Zeiten sind langweilige Zeiten,  in denen die Gesellschaft zu versteinern droht.

 

Die Gnade, im Rheinland geboren und aufgewachsen zu sein, ist dem heranwachsenden Jungen erst mit den Jahren, so nach und nach, bewusst geworden. Es wurde unter anderem in der Schilderung der uns zuwinkenden rheinischen Menschen während eines Truppentransportes in der Kriegszeit verdeutlicht. Meine Kameraden machten mich damals darauf aufmerksam, dass sich draußen etwas total verändert hatte. Die uns zuwinkenden Menschen unterschieden sich von denjenigen, die uns an den vorhergehenden Tagen mit dem Hitlergruß begegnet waren und in unserem Waggon sagte man übereinstimmend: "Wir sind jetzt im Rheinland angekommen". Später begegnen ihm Leute, die zu behaupten wagten, wenn die sowjetische Besatzungszone statt in Ostdeutschland im Rheinland gewesen wäre, hätte es nie eine DDR in der uns allen bekannten Ausprägung gegeben. Das waren zwar die Meinungen Einzelner. Doch, dass die kulturelle Festigkeit der Rheinländer nach Kriegsende diese Einschätzung scheinbar rechtfertigte, dürfte schwer zu bestreiten sein. Auf heute lässt sie sich vorerst nicht mehr übertragen. Aber, warum sollte diese Mentalität nicht wiederherstellbar sein? Während meiner Tätigkeit in mehreren Versorgungsbetrieben der Neuen Bundesländer nach der Wiedervereinigung war ich ohnehin nicht mehr der Ansicht dieser Leute.

 

Obwohl der landflüchtige Mann aus der Eifel weit länger im schönen Köln gelebt hat als in seiner ehemaligen Heimat, zieht es ihn jetzt an den Wochenenden wieder öfter auf die Eifelhöhen, wo er die frische Luft zum Durchatmen und die weite Sicht in die Ferne vorfindet. Letztere brachte ihn auf den Gedanken, diesen Blick einmal zurückzuwenden. Und so gelangte er rückschauend bis in die eigene Kindheit.

 

Er verabschiedet sich jetzt von den Lesern dieser Zeilen, um eines nicht zu vergessen:

 

Mit viel  Optimismus in die Zukunft zu schauen, jetzt, am Beginn des Dritten Jahrtausends. Denn der Entschlossene, das ist seine Lebenserfahrung, riskiert nicht mehr als der Hasenfuß. Letzteren erwischt das Schicksal irgendwann doch in seinem Versteck.

 

Ihr Veri Josef Weber

 

 

Die Erinnerung ist der Nachsommer der menschlichen Freuden.

 

                                                                                              Jean Paul

 

Siehe auch die Themenseiten"Leserbriefe und kritische Anmerkungen" und "J'accuse (Ich klage an)!"